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Aus der Stadt Weil die Herzdruckmassage Leben retten kann
Hannover Aus der Stadt Weil die Herzdruckmassage Leben retten kann
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00:15 22.09.2015
Von Saskia Döhner
Nicht so zaghaft: Besucher im Clementinenkrankenhaus lernen, zu reanimieren.  Quelle: Michael Wallmueller
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Hannover

„Tun Sie etwas! Das, was Sie möglicherweise falsch machen, ist nichts im Vergleich zu den Folgen, die das Nicht-Handeln hat.“ Chefarzt Mathias Gnielinski wirbt beim Tag der offenen Tür am Sonnabend im Lister Clementinenhaus, ein Krankenhaus des Deutschen Roten Kreuzes, offensiv für Lebensrettung durch Laien, wenn Menschen etwa durch einen Infarkt bewusstlos werden. Das Wichtigste sei die Herzdruckmassage: „100-mal in der Minute mit einem kräftigen Druck.“ Und wenn eine Rippe dabei bricht? „Kein Problem, weitermachen, gebrochene Rippen tun zwar weh, aber sie wachsen wieder zusammen.“

In Deutschland liegt der Anteil der Menschen, die durch lebensrettende Maßnahmen von Ersthelfern wiederbelebt werden, nach Gnielinskis Angaben gerade einmal bei 15 bis 17 Prozent, in Skandinavien sind es 60 bis 70 Prozent. Oft sind es Unkenntnis  – einen Erste-Hilfe-Kursus machen die meisten nur beim Führerschein – und die Scheu, etwas falsch zu machen, die vom Helfen abhalten. „Wir Ärzte sind als Profis auf Ihre Hilfe angewiesen“, sagt der Chefarzt.

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Seit 140 Jahren gibt es das DRK-Krankenhaus Clementinenhaus in der Oststadt. Und das Friederikenstift in der Calenberger Neustadt schon seit mehr als 170 Jahren. Grund genug, zu feiern. Am Tag der offenen Tür öffneten die Krankenhäuser für die Besucher Bereiche, die sonst für die Öffentlichkeit verschlossen sind, wie etwa den Narkosearbeitsplatz, die zentrale Patientenaufnahme oder OP-Säle. 

Dem früheren Gehrdener Bürgermeister Hermann Heldermann hat eine Herzdruckmassage das Leben gerettet – trotz elf gebrochener Rippen. Er war Anfang Juli bei einer Radtour mit einer Frau durch die Leinemasch bewusstlos zusammengebrochen – und hatte doppelt Glück: Der junge Mann, der ihn 40 Minuten lang reanimierte, war ein Profi – ein Assistenzarzt von der Medizinischen Hochschule, der zwar eigentlich Spezialist für Nierenheilkunde ist, aber schon zweimal Menschen wiederbelebt hatte – allerdings noch nie unter freiem Himmel.

„Dieser Mann, der in Badehose angeradelt kam und auf dem Weg ins Schwimmbad war, war für uns ein Geschenk des Himmels“, sagt Heldermanns Ehefrau Stefanie gut zwei Monate später bei dem Vortrag im Clementinenhaus. Der ehemalige Bürgemeister berichtet, dass für viele Kollegen und Freunde sein Zusammenbruch auch eine Warnung war – und ein Zeichen, die eigenen Erste-Hilfe-Kenntnisse aufzufrischen. Im Hemminger Rathaus sei deshalb gerade so ein Kurs angeboten worden. Wolfgang Remmele aus der List versucht sich kurz nach Gnielinskis Vortrag ganz praktisch bei der Herzdruckmassage an einer Puppe: „Nicht so zaghaft“, sagt ein Sanitäter.

Beim Tag der offenen Tür im Clementinenhaus an der Lützeroder Straße geht es aber nicht nur um Lebensrettung, sondern auch um Operieren mit 3-D-Technik. „Das geht bei minimalinvasiven Eingriffen deutlich schneller und sicherer als 2-D-Technik“, sagt Chirurg Andreas Kuthe. Und Zeit ist Geld – auch im Krankenhaus. Eine Operationsminute ist ungefähr 15 Euro wert.

Es geht auch ums richtige Hände-Desinfizieren, Kinder können ihren Teddybären röntgen lassen, Gipsverbände anlegen, einen OP-Saal besichtigen und einen Einblick von der Intensivstation erhalten. Echte Patienten bekommen dies ja nie zu sehen, weil sie vor der Operation in Narkose versetzt werden und später noch im Dämmerzustand sind. Rund 600 Besucher kommen am Sonnabend ins Clementinenhaus – wann kann man sonst schon mal hinter die Kulissen eines Krankenhauses gucken?

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