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Kinderbetreuer

Tagesmütter bekommen mehr Geld

Von Bärbel Hilbig

Qualifizierte Tagesmütter und Tagesväter bekommen für die Kinderbetreuung rückwirkend zum 1. August mehr Geld. „Wir brauchen dringend mehr Frauen und auch Männer für diese Arbeit“, sagt Jugenddezernent Thomas Walter.
Tagesmütter bekommen künftig mehr Geld.

Tagesmütter bekommen künftig mehr Geld.

© Jana Striewe

Denn ab 2013 haben Eltern bereits ab dem ersten Geburtstag ihres Kindes einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz. Hannover stockt deshalb vor allem seine Krippenplätze massiv auf, setzt aber auch auf die sogenannte Tagespflege, bei der Kinder im eher privaten Rahmen betreut werden.

Doch mit der bereits im Jugendhilfeausschuss beschlossenen Erhöhung zeigen sich Sprecher der freiberuflichen Kinderbetreuer nicht zufrieden. Für qualifizierte Tagesmütter soll sich der Stundensatz für jedes betreute Kind von 2,67 auf 3,50 Euro erhöhen. Nichtqualifizierte erhalten weiterhin nur knapp zwei Euro. Darauf haben sich alle Kommunen in der Region geeinigt. Von diesen Bruttobeträgen gehen Sozialbeiträge ab und Kosten, die der Tagesmutter für die Verpflegung der Kinder, erhöhte Miete und Ausstattung entstehen.

„Wir freuen uns, wenn sich überhaupt etwas bewegt, aber vom Ziel sind wir noch weit entfernt“, sagt Simone Linke von der Interessengemeinschaft Tagesmütter. Der Bundesverband hatte 5,50 Euro gefordert, die Bundesregierung 4,20 Euro angeregt. Außerdem zweifeln die Tagesmütter an den Berechnungen der Stadt. Die Verwaltung lege bei ihrer Honorarerhöhung pro Woche nur 4,4 statt fünf Arbeitstage à acht Stunden zugrunde, sagt Simone Tiede-Beyer von der Berufsvereinigung der Kindertagespflegepersonen. „Das Jugendamt zieht damit pauschal vorab Krankheits- und Urlaubstage ab. Wenn ich aber tatsächlich krank werde und das Jugendamt eine Vertretung stellt, bekomme ich kein Geld“, sagt Tiede-Beyer. Durch die pauschale Berechnung betrage der neue Honorarstundensatz deshalb effektiv nur rund 3,10 Euro, hat die langjährige Tagesmutter ausgerechnet. Nach Auskunft der Stadt dient der pauschale Honorarabzug dazu, Tagesmütter auch in Urlaubs- und Krankheitszeiten weiter zu bezahlen. Wenn die Eltern allerdings eine Ersatzbetreuung für ihr Kind brauchen, fällt das Honorar für die kranke Tagesmutter tatsächlich weg. „Wir sind weiter in Verhandlungen mit der Region, damit durchbezahlt wird“, sagt eine Stadtsprecherin. Die Pauschalisierung sei aber bereits ein Vorteil. Kommunen im Umland hätten vorher jede einzelne Arbeitsstunde abgerechnet.

Zum Jahresanfang hatte es Befürchtungen gegeben, dass viele Tagesmütter ihre Tätigkeit aufgeben oder einschränken könnten. Denn seit Januar müssen sie ab einer gewissen Einkommensgrenze auch den Teil ihres knappen Honorars versteuern, den die öffentliche Hand zahlt. Manche sind dadurch renten- und krankenversicherungspflichtig geworden – nun übernimmt aber die Kommune für die Sozialabgaben wie ein Arbeitgeber die Hälfte der Kosten. Der Bund will damit die stärkere Professionalisierung der Tätigkeit vorantreiben. Das Jugendamt erstatte die Beiträge jedoch nur rückwirkend alle drei Monate, kritisiert Simone Tiede-Beyer. Das solle nur vorübergehend so bleiben, sagt die Stadtsprecherin. „Wir wollen das möglichst zum nächsten Jahr umstellen.“

Die Zahl der Tagesmütter ist entgegen den Befürchtungen gestiegen. Die Stadt geht davon aus, dass sich dieses Jahr 460 Tagespflegepersonen um rund tausend Kinder kümmern. Im vergangenen Jahr führte das Jugendamt gut 400 Tagesmütter in seiner Kartei, die rund 830 Kinder versorgten. Die Interessengemeinschaft Tagesmütter vermittelt rund 130 Betreuer mit 330 Plätzen. Einige Tagesmütter haben sich in beiden Vermittlungsstellen registrieren lassen.

Die Interessengemeinschaft Tagesmütter hat jedoch auch zahlreiche Wechsel beobachtet. „In den ersten Monaten haben viele Tagesmütter aufgehört. Wir konnten das nur durch stärkere Werbung auffangen“, sagt Simone Linke. Sie hat festgestellt, dass sich das Elterngeld, das maximal 14 Monate gezahlt wird, deutlich auf die Nachfrage nach Betreuung auswirkt. „Die Eltern fangen früher wieder an zu arbeiten und suchen spätestens zum ersten Geburtstag ihres Kindes einen Platz.“ Bei vielen Paaren spiele aber auch der Druck auf dem Arbeitsmarkt eine Rolle, sagt Linke. „Viele sagen deutlich, dass sie ihre Position nicht verlieren wollen oder sich eine längere Pause finanziell nicht leisten können.“ Auch die Stadtverwaltung geht von einer weiter steigenden Nachfrage aus.

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