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"Trump ist sehr nachtragend"

Literarischer Salon mit Ingo Zamperoni "Trump ist sehr nachtragend"

Tagesthemen-Moderator Ingo Zamperoni hat ein Buch über die USA geschrieben. Es heißt "Fremdes Land Amerika", und das gilt für manche nach der Präsidentenwahl wohl noch mehr. Im Literarischen Salon erzählte der Journalist, bis vor Kurzem ARD-Korrespondent im fremden Land, über eine manchmal wunderliche Nation, die man trotzdem verstehen sollte.

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Ingo Zamperoni (rechts) spricht mit Hendrik Brandt über Amerika.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Im realen Leben kommt Ingo Zamperoni, 42, tatsächlich noch besser rüber als im Fernsehen. Humorvoll, charmant, frei von Zynismus, bartschattiger als in den seriösen „Tagesthemen“ und sowieso gut aussehend. Manche Frau unter den 250 Besuchern im Literarischen Salon guckte sehr, sehr lächelnd Richtung Bühne. Weil mehr Besucher ins Foyer des Conti-Hochhauses wollten, als die Baupolizei erlaubt, wurde am Eingang spontan eine Warteliste geführt. Die Lesung war ja ausverkauft, noch bevor Donald Trump in der vergangenen Woche US-Präsident geworden ist. 

"Fremdes Land Amerika" heißt das neue Buch von Tagesthemen-Moderator Ingo Zamperoni. Vor 250 Gästen sprach er mit Hendrik Brandt, dem Chefredakteur der HAZ, im Literarischen Salon über Amerika und über Donald Trump.

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Die Leute waren gekommen, weil Ingo Zamperoni sein Buch „Fremdes Land Amerika“ vorstellen wollte. Natürlich kreiste der Abend trotzdem darum, wie es einem nach europäischem Maßstab durchgeknallten Milliardär gelingen konnte, bald das mächtigste Land auf dem Globus zu führen und die dem Namen nach vereinigten Staaten in zwei Teile zu reißen. „Worin genau besteht diese Spaltung und Zerrissenheit?“, fragte HAZ-Chefredakteur Hendrik Brandt den Gast auf dem Podium. Immerhin hatte Barack Obama acht Jahre lang die Nation regiert, ein Schwarzer, „den doch alle so lieb haben“. Der „Tagesthemen“-Mann lebte bis vor Kurzem als Korrespondent in Washington, ist also ein Zeitzeuge erster Güte.

Zamperoni erzählte von einem heterogenen Amerika. Aufgeklärte Menschen an den Rändern der USA, konservative Menschen im Innern. Das Silicon-Valley mit Apple und Google, dagegen Leute die Waffenbesitz für das Wichtigste auf Erden halten. „Viele Menschen haben Angst vor der Zukunft. Sie sehen sich als Opfer der Globalisierung, die Löhne stagnieren, viele müssen zwei oder drei Jobs machen. Dazu kommt die überhebliche Haltung der Eliten. Donald Trump hat diese Wut und Angst bedient“, sagte Zamperoni. Und es gebe in diesem Land eben auch viel Rassismus. 

Er rekapitulierte den Erfolg des Milliardärs. Der künftige Präsident machte sich bei seinem Aufstieg alle Medien zunutze. Kanäle wie Facebook und Twitter verbreiteten ungeprüft, was der Kandidat heute wieder heraushaute, darunter Lügen, Halbwissen, Beleidigungen. Auch Nachrichtensender und Zeitungen waren beteiligt, oft durch bloße Berichterstattung. Müsse also der Journalismus, auch in Deutschland, besser werden? Brandt fragte das, weil nicht erst seit Trump darüber gesprochen wird, welche Rolle Medien beim Aufstieg von Populisten spielen und ob ihnen Stimmungen im Land entgangen sind. 

Der „Tagesthemen“-Moderator arbeitet in der Nachrichtenredaktion der ARD, sie zählt zu den kompetentesten und einflussreichsten in Deutschland. Zamperonis Antwort ist voller Hoffnung in die Zukunft der Branche, wenngleich nicht neu. „Wir müssen das Journalistenhandwerk noch gewissenhafter und gründlicher machen. Und wir müssen noch transparenter werden um klarzu- machen, dass wir nicht von irgendwelchen Menschen ferngesteuert werden. Das ist die einzige Chance, die wir haben.“

So geht es weiter

Am Montag, 21. November, sind zwei Schiedsrichter beim Literarischen Salon zu Gast. Titel der Veranstaltung: „Wir pfeifen!“

Die modernen Zeiten sind indes auch so, dass Menschen oft nur noch die Nachrichten erreichen, die Algorithmen ihrer Handys vorgeben. Gewissenhaftes Handwerk bekommen sie womöglich nicht mehr mit, weil es nicht in ihre selbst gewählte Blase gelangt. Ingo Zamperoni plädiert dennoch dafür, mit Haltung Journalismus zu betreiben. Niemanden bevormunden, aber Rassismus Rassismus nennen, auch, wenn es Rassisten und Sympathisanten nicht gefällt. Für seinen Appell, nicht alles schlecht zu reden in Deutschland, bekommt er am Ende Beifall. „Ich würde mir weniger Verzagtheit wünschen“, sagte der Moderator, „wir haben hier so viel, auf das wir stolz sein können.“ 

Unklar ist, was die Welt von Donald Trump zu erwarten hat. Brandt konfrontierte Zamperoni mit zwei Behauptungen, Ja und Nein-Fragen, was Zamperoni, dem Erzähler, hörbar schwer fiel. „Er wird seine Anhänger schwer enttäuschen“. Ja, antwortete Zamperoni. „Er wird Krieg führen.“ Nein, so weit wollte der Kenner dieses fremden Landes dann doch nicht gehen.

Von Gunnar Menkens

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