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Tatkräftige Hilfe vom Pflegedienst für Mutter und Kind

Elternassistenz Tatkräftige Hilfe vom Pflegedienst für Mutter und Kind

Wickeln, fütterm spazieren gehen: Weil die Schwerstbehinderte Hediye Krüger ihre kleine Tochter nicht allein versorgen kann, erhält sie Elternassistenz durch einen Pflegedienst.

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Familienglück in Linden: Hediye, Steen und Clara Krüger.

Quelle: Hagemann

Clara ist der ganze Stolz ihrer Eltern Hediye und Steen Krüger. Das vier Monate alte Baby ist kerngesund, blickt neugierig in die Welt und strahlt alle mit großen, braunen Augen an. „Wir haben riesiges Glück“, sagt ihre Mutter, „Clara ist ein ganz liebes, pflegeleichtes Kind.“

Doch Clara ist nicht nur ein wonniges Mädchen, es ist das erste in Hannover, deren Mutter Unterstützung von Kinderpflegerinnen erhält, denn Hediye ist schwerstbehindert. Elternassistenz heißt diese Form von Hilfestellung auf Amtsdeutsch. Aufgrund einer spastischen Tetraplegie, einer halbseitigen Lähmung ihrer linken Körperseite, ist die 35-Jährige seit Kindertagen auf einen Rollstuhl angewiesen.

Deshalb kann sie Clara nicht allein wickeln, ihr das Fläschchen zubereiten oder mit dem Kinderwagen spazieren fahren. Dafür sorgt wochentags von 7.30 bis 17 Uhr der ambulante Pflegedienst des Annastifts, der die Elternassistenz für Hediye Krüger zunächst für ein Jahr übernommen hat.

Außerhalb dieser Zeiten kümmern sich Steen Krüger und seine Frau gemeinsam um Clara. „Das klappt sehr gut“, erzählt der 31-jährige Ergotherapeut. „Meistens schaffen wir morgens noch so eine Art Übergabe mit einer der Kinderpflegerinnen, wo wir uns darüber austauschen, wann Clara in der Nacht gefüttert wurde oder wie lange sie geschlafen hat.“

Unproblematischen Schwangerschaft

Nach einer völlig unproblematischen Schwangerschaft und der Geburt ihrer Tochter genießt Hediye Krüger ihr neues Leben. „Wie andere Mütter auch möchte ich die ersten drei Jahre bei meinem Kind bleiben“, sagt die 35-Jährige selbstbewusst, die vorher als Bürokraft in den Caritas-Werkstätten im Nils-Stensen-Haus gearbeitet hat und jetzt Elterngeld bezieht.

Auch sie erhält wochentags für jeweils vier Stunden Unterstützung durch denselben Pflegedienst wie ihre Tochter – schon seit 2001, seitdem sie aus einer betreuten Wohngruppe im Annastift in eine Lindener Wohngemeinschaft gezogen ist. Dort lernte sie auch ihren Mann kennen, später wurden sie ein Paar. Im Oktober haben die beiden schließlich geheiratet, Clara kam Ende Januar zur Welt.

In der behindertengerecht umgebauten Erdgeschosswohnung mit Zugang zum Garten wird es morgens, wenn Steen Krüger zur Arbeit gefahren ist, ziemlich gesellig. Dann kommt eine Pflegerin, um Hediye Krüger zu unterstützen, und eine von zwei eigens eingestellten Kinderpflegerinnen für Clara. „Wir verstehen uns alle gut“, erzählt Nicole Gashi, selbst Mutter von zwei Kindern und eine der beiden Elternassistentinnen.

Zu tun gibt es genug. Wenn Clara schläft, wird ihre Wäsche gewaschen, ihr Bett bezogen oder werden die Fläschchen ausgekocht. Wenn sie wach ist, beansprucht sie die volle Aufmerksamkeit fürs Füttern, Baden, Wickeln. „Manchmal fahren wir auch zu viert in die Stadt, um einzukaufen oder Ärzte aufzusuchen“, sagt ihre Mutter. Dann schiebt die Elternassistentin den Kinderwagen und die Pflegerin Hediye Krüger im Rollstuhl.

„An den Wochenenden machen wir das alles zu dritt. Dann schiebe ich den Rollstuhl, während Clara im Tragetuch auf dem Schoß ihrer Mutter liegt“, beschreibt es Steen Krüger, wenn die Familie allein einkaufen oder spazieren geht. Die Elternassistenz bedeutet für das Paar ein großes Stück Lebensqualität. „Wenn das nicht geklappt hätte, hätte ich die Elternzeit komplett übernehmen müssen“, erzählt der junge Vater, der die ersten zweieinhalb Monate bei seiner Familie geblieben ist. „Aber einer muss ja das Geld verdienen, andernfalls hätten wir Hartz IV beantragen müssen.“

Weil Familie Krüger offenbar die erste in Hannover ist, die für die schwerstbehinderte Hediye im Rahmen der Eingliederungshilfe eine Elternassistenz beantragt hat, geriet das Antragsverfahren zu einer Zitterpartie. „Das war schon eine Schlacht“, sagt der Familienvater. „Wir mussten fünf Anträge gleichzeitig stellen, die sich auch noch alle bedingten.“ Vor allem die Sache mit der Elternassistenz sei problematisch gewesen, „weil wir da gewissermaßen Vorreiter waren“, erzählt der 31-Jährige. „Ich hatte schon befürchtet, dass wir diese Unterstützung hätten einklagen müssen. Aber zum Glück war in dieser Frage schon 2009 ein wegweisendes Urteil vom Verwaltungsgericht Minden gefällt worden.“

Auch Stefan Kählig, Geschäftsführer des ambulanten Pflegedienstes der gemeinnützigen Annastift Leben und Lernen GmbH, hat in dieser Frage Neuland betreten und extra zwei examinierte Kinderpflegerinnen eingestellt, um die Anforderungen erfüllen zu können. „Ich freue mich sehr, dass wir der erste Anbieter sind, der diese Aufgabe in Hannover übernimmt. Für uns ist das eine schöne Arbeit“, schwärmt Kählig, der Claras Eltern seit Jahren kennt. Steen Krüger war 2001 Zivildienstleistender im Annastift. „Und Clara ist ein echter Goldschatz.“

Claras Eltern hoffen nun, dass der nächste Antrag auf Elternassistenz schneller bewilligt wird als beim ersten Mal. Dass sie diese Form der Unterstützung vorerst weiter benötigen, steht fest. „Auch wenn Clara laufen kann, wird meine Frau sie in den ersten Jahren nicht festhalten können, wenn sie zum Beispiel auf die Straße rennt“, gibt Steen Krüger zu bedenken.

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