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ARD-Zweiteiler

„Tatort“ widmet sich Hannovers Rockerszene

Von Conrad von Meding

Es geht um Prostitution und Menschenhandel: Der neue Hannover-„Tatort“ greift aktuelle Themen auf – und kommt erstmals als Zweiteiler daher. Wann der Film im Fernsehen ausgestrahlt wird, ist noch offen.
Foto: Maria Furtwängler ermittelt wieder in Hannover.

Maria Furtwängler ermittelt wieder in Hannover.

© NDR

Hannover. Charlotte Lindholm ermittelt wieder in Hannover. Diesmal nimmt sich die beliebte „Tatort“-Kommissarin das Rotlichtmilieu vor, es geht um die Machenschaften einer Rockerbande und deren Verbandelung mit einflussreichen Kreisen in der Stadt. Damit greift das NDR-Team erneut ein hochaktuelles  gesellschaftspolitisches Thema auf – schon die Debatten um homosexuelle Fußballer und Ehrenmorde hatten Eingang in die Drehbücher für den „Tatort“ aus Niedersachsen gefunden. Diesmal gibt es sogar noch eine weitere Besonderheit: Erstmals wird ein norddeutscher „Tatort“ als Zweiteiler produziert. Drehbeginn ist im März, die Filmarbeiten werden rund 40 Tage lang in der Stadt Hannover, im Umland und in Weißrußland stattfinden.

NDR-Sprecherin Iris Bents bestätigte am Montag, dass es zwei Folgen geben wird, die an aufeinanderfolgenden Sonntagen ausgestrahlt werden sollen: Titel der ersten Folge: „Das Wegwerfmädchen“. In der Fortsetzung heißt der Titel dann: „Das goldene Band“.  Ermittlerin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) versucht in dem Film, den Tod einer 17-jährigen Osteuropäerin aufzuklären, die in Hannovers Müllverbrennungsanlage gefunden wurde. Am Handgelenk des Opfers ist ein rätselhaftes goldenes Band befestigt. Die Kommissarin – gehandicapt durch ihre unglückliche Liebesaffäre mit dem Journalisten Jan Liebermann (Benjamin Sadler) – gerät bei ihren Ermittlungen schnell an Uwe Koschnick, den Chef der gefürchteten Rockergang der „Hunnen“. Die Gang kontrolliert in Hannover offenbar das Rotlichtmilieu und hat mächtige Freunde in der Landeshauptstadt.

Ähnlichkeiten mit lebenden Personen und realen Handlungen scheinen nicht ganz zufällig zu sein. Immer wieder wurde in den  vergangenen Jahren der Einfluss der Rockergang Hells Angels im Kiez am Steintor angeprangert; mit der Frage, welche Macht die Rocker in Hannover wirklich haben, befassten sich auch viele überregionale Medien.

Ob sich das Krimi-Drehbuch an der Realität orientiert oder doch eher eine fiktive  Geschichte ohne allzu offensichtliche Bezüge zu tatsächlichen Gegebenheiten erzählt – dazu gab es am Montag aus Hamburg keine Stellungnahme. Für Charlotte Lindholm jedenfalls werde der neueste Fall auch zu ihrem gefährlichsten, heißt es beim NDR. Und dann ist noch zu erfahren, dass es die Hauptdarstellerin selbst war, die das Thema angeregt hat. „Maria Furtwängler, die Charlotte Lindholm spielt, ist an einem Novembersonntag 2010 mit der Idee auf NDR-Fernsehfilmchef Christian Granderath zugekommen. Sie schlug vor, einen ,Tatort‘ zu drehen, in dem Zwangsprostitution im Mittelpunkt steht“, teilt NDR-Sprecherin Bents auf Nachfrage mit.

Das Konzept zum Doppel-„Tatort“ sei wegen der Komplexität des Themas entstanden, heißt es beim NDR. Es handele sich um  eine „bewusste konzeptionelle Entscheidung, weil die spannende Geschichte am besten in zweimal 90 Minuten erzählt werden kann“, sagt Bents. Beide Drehbücher bauten zwar aufeinander auf, trotzdem könne jede Folge für sich alleine stehen.

Wann der Film (Regie: Franziska Meletzky, Redaktion: Daniela Mussgiller) im Fernsehen ausgestrahlt wird, ist noch offen.

Hannovers Hochstraße kommt ins Kino

Am 12. Mai ist Kinostart für „Die Vermissten“, ein Film mit André M. Hennicke, in dem Filmfans Hannover wiedererkennen werden: Einige Straßenszenen spielen auf der Raschplatz-Hochstraße. In dem Film geht es um Jugendliche, die sich dem demografischen Wandel entziehen und ältere Menschen mit ihren Problemen alleine lassen. „Keine leichte Kost“, wie Jochen Coldewey von der Filmförderanstalt Nordmedia am Montag einräumte, „aber ein guter Film.“ Der Streifen feiert auf der Berlinale Premiere, die am Freitag beginnt. Nordmedia hat das Filmprojekt finanziell unterstützt, gedreht wurde im Raum Hannover, Wolfsburg und Peine.

Bereits am Donnerstag nächster Woche startet in den Raschplatz-Kinos zudem „Sommer auf dem Land“ (Regie: Radek Wegrzyn). Eine Komödie, die eigentlich in Polen spielt, aber ebenfalls teilweise in Niedersachsen gedreht wurde. Im März läuft zudem „An enemy to die for“ (Regie: Peter Dalle) mit Axel Prahl an, für den unter anderem in Goslar gedreht wurde. Es geht um eine historische Spitzbergen-Expedition. Bundesweit gab es Schlagzeilen, weil der Film 1939 spielt und für die Dreharbeiten am Oberlandesgericht Hamburg öffentlich sichtbar Hakenkreuzfahnen aufgehängt wurden.

All diese Filme sind von der Nordmedia subventioniert worden, die im vergangenen Jahr gut zwölf Millionen Euro Filmfördergeld verteilt hat, wie Geschäftsführer Thomas Schäffer am Montag bekannt gab. Er betonte die wirtschaftlichen Effekte: Jeder Euro Fördergeld werde im Durchschnitt zu 171 Prozent in Niedersachsen/Bremen investiert.

Neuerdings gibt die Nordmedia auch Zuschüsse für das Entwickeln von Computerspielen – etwa das Socialgame „Kamicat Football 2012“ von der hannoverschen Spielschmiede Kamicat, das zuerst auf Facebook erscheinen soll. Außerdem im Förderprogramm: der erste dreidimensional animierte „Tarzan“-Film. Auch er kommt aus Hannover. Entwickler ist die Ambient-Produktion („Back to Gaya“, „Urmel aus dem Eis“). 2014 soll das 3-D-Projekt fertig sein, es kostet eine deutlich zweistellige Millionensumme.

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