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Aus der Stadt Taubenfütterung bringt Anwohner in Rage
Hannover Aus der Stadt Taubenfütterung bringt Anwohner in Rage
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00:16 25.11.2017
Eigentümergemeinschaft prozessiert seit Jahren gegen Mieter, die Tauben/Krähen füttern Quelle: Fotos: 
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Hannover

Taubenplage im Heideviertel: Bereits mehrfach ist eine Mieterin am Heidering, die regelmäßig Tauben füttert, vom Amtsgericht Hannover zu Ordnungsgeldern verurteilt worden – ohne Erfolg. Jetzt hat die Eigentümergemeinschaft auf Entziehung von Wohneigentum geklagt – Streitwert 80.000 Euro. 

Seit mittlerweile 15 Jahren füttert eine Anwohnerin des Häuserblocks Heidering und Bergener Straße von ihrer Terrasse aus täglich verbotswidrig Tauben. Zu den drei Dutzend Vögeln gesellen sich seit einiger Zeit auch noch Krähen. Sogenannte Spikes auf den Dächern der Wohnanlage haben genauso wenig zum Erfolg geführt, wie klärende Gespräche mit der Vogelfreundin, die die Fütterungen bestreitet. „Abgesehen davon, dass der viele Taubenkot krankheitserregend ist, verdreckt er seit Jahren Fassaden, Balkongeländer und Markisen im gesamten Wohnblock“, sagt Anlieger Günter Hormann, der in der Anlage gegenüber der Vogelfreundin im dritten Stock wohnt. 

Die von den Anwohnern gefertigten Fotos zeigen, wie die Tauben sich in der Wohnanlage breit machen.

Bereits in den frühen Morgenstunden findet die erste Fütterung satt, davor fliegen die Vögel in Scharen zum Heidering. „Die machen auch ordentlich Krach und sind längst richtig domestiziert, von Scheu keine Spur“, betont Anliegerin Christine Melischek. Genau wie ihre Nachbarin Rita Fischer kann sie ihren Balkon vis-à-vis der Taubenfrau so gut wie nicht mehr nutzen. „Im Sommer sitzt hier schon seit Jahren kaum jemand mehr draußen.“ Die Wohnqualität im Heidering sei eindeutig gesunken. Die Taubenfütterin ist Mieterin, die Wohnung gehört ihren Eltern. Diese wurden als Vermieter bereits mehrfach von der Hausverwaltung aufgefordert, dafür zu sorgen, dass keine Vögel mehr mit Nahrung versorgt werden. Vergebens. 

Ein Schreiben an das Ordnungsamt der Stadt brachte die Anlieger nicht weiter. „Das Füttern von Tauben auf öffentlichen Plätzen ist verboten, betrifft das Füttern allerdings Privatgelände, haben wir als Stadt keine Handhabe“, erklärt Stadtsprecher Udo Möller. Schließlich entschlossen sich die Eigentümergemeinschaften vor drei Jahren zu einer Klage vor dem Amtsgericht. Zeugen brachten reichlich Fotos und Videos zum Thema Taubenterror mit, das Gericht befand, „dass durch das Auslegen von Vogelfutter die Nachbarn über Gebühr in ihren Rechten beeinträchtigt werden“. Zudem sei das Anlocken größerer Mengen von Tauben mit gesundheitlichen Risiken und Verschmutzungen der Anlage verbunden. 

Die Eigentümer hätten dafür zu sorgen, dass die Mieterin das Füttern unterlasse. Doch die Mieterin füttert weiter, zweimal sind Eltern und Tochter zu je 500 Euro Ordnungsgeld verurteilt worden. Die betagten Eltern der Taubenfreundin wohnen in Bothfeld und können nicht regelmäßig kontrollieren, ob das Füttern und Bereitstellen von Vogelfutter unterlassen wird. Daher hat die Eigentümergemeinschaft auf Entziehung des Wohneigentums geklagt. Gründe dafür können etwa eine schwere Verletzung der den anderen Eigentümern gegenüber obliegenden Pflichten oder wiederholter grober Verstoß gegen diese Pflichten trotz einer Abmahnung sein. „Solange die Mieterin hier wohnt, wird sich nichts an der Situation ändern“, da ist sich Anwohner Hormann sicher. 

Der Anwalt aus der Laatzener Kanzlei Willig der Familie betont, dass nach den Unterlassungsklagen aus dem Jahr 2015 keine Tiere mehr im Heidering gefüttert würden. Eindeutige Beweise gebe es nicht. Zwei rechtskräftige Beschlüsse des Amtsgerichts zeugen vom Gegenteil. Allerdings dürfte eine Zwangsenteignung mittlerweile wenig nutzen. „Die Wohnung zu verkaufen ist keine einfache Lösung, da die Tochter dort lebenslanges Wohnrecht genießt“, erklärt der Jurist. Die vielen Tauben und Krähen fühlen sich dort auch längst zu Hause.

Von Susanna Bauch

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