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Aus der Stadt Bauern protestieren gegen Landesregierung
Hannover Aus der Stadt Bauern protestieren gegen Landesregierung
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00:15 21.09.2015
Von Andreas Schinkel
Protestierende Bauern in der Innenstadt – mit Masken als Landwirtschaftsminister Meyer und Ministerpräsident Weil. Quelle: dpa
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Hannover

So laut ist kaum eine andere Demonstration – und das fast ohne Trillerpfeifen. Exakt 131 Traktoren rumpeln hupend über Hannovers Cityring. Dahinter eine johlende Menge mit Plakaten auf denen markige Sprüche stehen wie „Nieder mit der Öko-Diktatur“. 3500 Landwirte folgten am Freitag dem Aufruf des Niedersächsischen Landvolks und protestierten gegen die rot-grüne Agrarpolitiker im Allgemeinen und Landwirtschaftsminister Christian Meyer (Grüne) im Besonderen ein. Vor dem Landwirtschaftsministerium zertrümmerte ein Protestler mit Meyer-Maske etliche Vasen und Tassen. Auf einem Plakat stand: „Die Agrarwende hinterlässt einen Scherbenhaufen.“

Fernsehbilder von aufgebrachten französischen Bauern drängen sich auf. „Ein bisschen Unterstützung aus Frankreich wäre nicht schlecht“, sagt Nicolas Bernard, Landwirt aus dem Kreis Gifhorn und Sohn eines Franzosen. Bernard trägt Rasterzöpfe, einen weiten Schlabberpulli und klobige Schuhe. Der 29-Jährige entspricht dem Stereotyp eines Ökobauern, er selbst redet lieber von „alternativer Landwirtschaft“. Der Gemüsebauer verzichtet auf Pestizide und schädliche Chemikalien. So richtig Bio sei das nicht, sagt er. „Aber aus ökonomischen Gründen kann ich mir nichts anderes leisten“. Zwar reihe er sich ein in den Protest gegen den Grünen Minister, aber im Grunde sei der „ganz okay“. Das eigentliche Problem sieht Bernard in den Discountern und den Bio-Billigmärkten. „Die Gesellschaft muss bereit sein, mehr Geld für Lebensmittel zu bezahlen“, sagt der junge Landwirt.

2000 Landwirte haben in der Innenstadt gegen die Politik der Landesregierung demonstriert.

Den Satz hört man an diesem sonnigen Vormittag aus vielen Mündern. Für Josef Bormann, Landwirt aus Machtsum bei Hildesheim, ist es aber nicht nur „die“ Gesellschaft, die sich ändern muss. „Die Bürokratie macht uns Bauern das leben schwer“, sagt er. So müsse er jetzt dokumentieren, dass es auf seinem Hof keine Kinderarbeit gebe und dass er keine Brandrodung betreibe. „So etwas gibt es doch seit Hundert Jahren nicht mehr“, sagt er kopfschüttelnd. Die meisten bürokratischen Vorgaben stammten aus Brüssel, aber die Landesregierung tue ihr Übriges. „Ganz Niedersachsen leidet unter einer Mäuseplage, aber die Regierung hat uns keine Ausnahmen für bestimmte Köder genehmigt – im Gegensatz zu anderen Bundesländern“, sagt Bormann.

Für die Landfrauen aus Cloppenburg ist das wie im Fußball. „Wir brauchen einen guten Coach, einer, der nicht gegen die Mannschaft spielt, wie Herr Minister Meyer“, sagt Landwirtin Mechthild Vorwerk. Das ständige Gerede des Ministers von Tierquälerei in den Ställen und Bodenverseuchung auf den Feldern könne sie nicht mehr hören. „Wir lieben unser Land. Das ist Teil unseres Berufs“, betont die Bäuerin. So einen wie Jogi Löw brauche man an der Spitze, nur eben als Politiker.

 

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