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Tausende Sozialwohnungen
 fehlen in der Region

Preiswerter Wohnraum Tausende Sozialwohnungen
 fehlen in der Region

In der Region Hannover fehlen nach Ansicht von Experten auf mittlere Sicht Tausende von Sozialwohnungen. Regions-Sozialdezernent Erwin Jordan macht dafür auch die Wohnungswirtschaft verantwortlich. Sie rufe längst nicht so viele Fördergelder ab, wie sie könnte.

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Es wird gebaut – aber nicht genug. Wie hier am Klagesmarkt hält die Stadt bestimmte Kontingente in Neubauten für Sozialwohnungen frei. 

Quelle: Insa Cathérine Hagemann

Hannover. Viele Städte in der Region kommen mit dem Bau preiswerter Wohnungen nicht hinterher. Regions-Sozialdezernent Erwin Jordan macht dafür auch den Unwillen der Wohnungswirtschaft verantwortlich. In einem Interview mit dem Straßenmagazin „Asphalt“ wirft er der Wohnungswirtschaft jetzt vor, das soziale Problem zu ignorieren. „Die besonders einkommensschwache Gruppe wird im Moment kaum bedacht.“ Um dies zu ändern, biete die Region seit Anfang des Jahres ein Förderprogramm mit einer Mietpreisbindung von 5,40 Euro pro Quadratmeter an. Die Resonanz sei jedoch gering.

Auch das Pestel-Institut in Hannover warnt vor einem dramatischen Mangel an preiswerten Wohnraum. „Das bezahlbare Angebot für Geringverdiener reicht bereits heute hinten und vorn nicht“, beklagt Institutsleiter Matthias Günther gegenüber der HAZ. Durch den Zuzug von Zuwanderern verschärfe sich das Problem. Für die Unterbringung von 10 000 Flüchtlingen müssten rein rechnerisch etwa 4000 neue Wohnungen gebaut werden. Derzeit plane die Stadt gerade einmal 600 Wohnungen pro Jahr, davon 150 mit Mieten unter sechs Euro pro Quadratmeter. „Es muss mehr geschehen“, sagt Günther.

Förderprogramm deckt Bedarf nicht

Trotz aller Appelle ruft kaum ein Unternehmen die Fördermöglichkeiten der Region ab - während ein ähnliches Programm in der Stadt Hannover stark nachgefragt wird, aber den Bedarf trotzdem nicht decken kann. Nach Informationen dieser Zeitung wurden die Zuschüsse seit dem Start des Regionsprogramms gerade einmal für zwei Objekte beantragt. Stattdessen bevorzugt die Wohnungswirtschaft eine Variante des Landesförderprogramms, das eine Mietpreisbindung von 7 Euro statt von 5,40 Euro verlangt. 295 neue Wohnungen wurden mit Landesdarlehen im vergangenen Jahr im Umland und in der Stadt gebaut. Die meisten Unternehmen nutzen dabei zudem die rechtliche Möglichkeit, die Mietpreisbindung alternativ auf alte Wohnungen aus dem eigenen Bestand umzuwidmen - was häufig bei Mieten von 5 oder 6 Euro zu einer Mieterhöhung auf 7 Euro führt, während in den neuen geförderten Wohnungen die Miete frei kalkuliert werden kann.

Zusätzlich zu den Förderprogrammen plant die Region, demnächst Vermieter zu suchen, die der Region gegen Geld das Recht einräumen, „Leute unterzubringen, die die Wohnungen brauchen“. Die Stadt Hannover nutzt vor allem ihren Grundbesitz, um den Markt zu steuern. Wer ein städtisches Grundstück kauft, muss einen gewissen Prozentsatz an Sozialwohnungen bauen. Aktuell verfügt die Stadt noch über rund 23 400 Wohnungen vornehmlich in Problemvierteln wie Vahrenheide oder Mühlenberg. Bei rund 19 300 wird das Belegungsrecht genutzt.

Wissenschaftler Günther kritisiert,den Ausstieg aus dem sozialen Wohnungsbau. „Die Stadt hat sich erpressbar gemacht“, sagt Günther. Wenn es um die Unterbringung von Flüchtlingen und unteren Einkommensschichten gehe, könne der Markt mittlerweile den Kommunen den Preis diktieren. Unterdessen haben auch Studenten große Mühe, zum Semesterstart eine Bleibe zu finden. Derzeit stehen 1785 junge Leute auf der Warteliste für einen Wohnheimplatz.

Keine preiswerten Wohnungen im Bredero

Im Bredero-Hochhaus am Raschplatz sollen nun doch keine Sozialwohnungen gebaut werden. Das haben die Ratspolitiker im Bauausschuss beschlossen. Die lange ersehnte Modernisierung des Siebzigerjahre-Hochhauses solle dem Investor nicht mit zusätzlichen Auflagen erschwert werden. Die Ratspolitiker stellen sich damit gegen eine Forderung des Bezirksrats Mitte, 20 Prozent der Wohnungen besonders preiswert für bedürftige Mieter anzubieten.
Derartige Ausnahmen allerdings soll es etwa bei der Bebauung der Wasserstadt in Limmer und bei der Erweiterung der Kronsberg-Neubebauung nicht geben, stellte SPD-Baupolitiker Ewald Nagel klar. Die Stadt hat ein eigenes Förderprogramm für preiswerte Wohnungen aufgelegt. Entstehen auf einem städtischen Grundstück Neubauten oder muss Baurecht geändert werden, kann die Stadt verlangen, einen Teil der Wohnungen zu niedrigen Mieten anzubieten. med     

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