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Aus der Stadt Tausende treffen sich auf dem Messegelände
Hannover Aus der Stadt Tausende treffen sich auf dem Messegelände
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00:15 30.08.2016
Von Simon Benne
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Hannover

Die Messehalle ist voll, Tausende sitzen auf Papphockern, und eine Band jazzt schon morgens auf der Bühne, vor der das Publikum auf den Landesbischof wartet. Es ist ein wenig wie 2005, als hier der Kirchentag über die Bühne ging - nur übersichtlicher. Rund 4000 ehrenamtlich Engagierte aus der ganzen Landeskirche Hannovers haben sich in der Messehalle versammelt, zum ersten Ehrenamtlichentag seit sechs Jahren - "um sich auszutauschen, miteinander ins Gespräch zu kommen, voneinander zu lernen und sich anregen zu lassen", wie Synodenpräsident Matthias Kannengießer sagt.

Kirchenvorsteher und Flüchtlingshelfer sind gekommen, Frauenkreisleiterinnen und Posaunenchoraktivisten. Lauter Leute, die dafür sorgen, dass in der Kirche und überhaupt im Land etwas voran geht. Auf dem Programm stehen Vorträge und Workshops, Mitmachaktionen und ein Abendmahlsgottesdienst. "Wo unser Handeln vom Herzen kommt, ist Gott darin verborgen", singt der Liedermacher Fritz Baltruweit, ehe Landesbischof Ralf Meister zur Bibelarbeit auf die Bühne tritt. Er spricht über die Bergpredigt; über die Vögel, die nicht säen oder ernten und mit Gottes Hilfe doch ganz gut über die Runden kommen. In einem "Sommer der Sorgen", wie er mit Blick auf Anschläge und politische Wirren sagt, liege darin ein Quell der Hoffnung. "Wir hier zusammen bilden einen großen, lebendigen Teil unserer Kirche", ruft Meister den Ehrenamtlichen zu - und würdigt besonders diejenigen, die sich für Flüchtlinge engagieren.

Die Veranstaltung ist auch ein Stück Selbstvergewisserkung. "So ein Ehrenamtlichentag ist eine Form der Anerkennung. Es gibt Kraft zu sehen, dass man eine Gemeinschaft mit vielen Gleichgesinnten bildet", sagt Gisela Vonhoff aus Letter. In der St.-Michael-Kirche mischt die 78-Jährige dort beim Seniorenbesuchsdienst mit. "Viele ältere sind allein und freuen sich, wenn zum Geburtstag jemand vorbeischaut", sagt sie. Sie selbst ist 78 Jahre alt. "Wir suchen auch jüngere, aber die stehen oft im Berufsleben und haben keine Zeit."

Die dominierende Haarfarbe bei dem großen Protestantentreffen ist grau, der typische Ehrenamtliche ist eine Frau und um die 60 Jahre alt. Der Agilität der Engagierten tut das keinen Abbruch. Auf dem "Markt der Möglichkeiten" flanieren sie zwischen Dutzenden von Ständen hindurch. Das Projekt "Kirche unterwegs" zeigt, wie man Gottesdienste auf Campingplätzen organisiert. Das Haus Kirchlicher Dienste erklärt, wie es sich mit den Rechten verhält, wenn eine Gemeinde Kinofilme öffentlich vorführen will. Es gibt Broschüren über "PilgerInnenwege zu Lüneburger Frauenklöstern" und zur Lernwerkstatt für Flüchtlinge.

"Hier kann man viele neue Ideen sammeln", sagt Anke Kochsiek, die sich als Kreisfrauenbeauftragte in Wesermünde engagiert. "Das ist hier wie ein kleiner Kirchentag", sagt Reinhold Bühne, der in Rotenburg / Wümme Prädikant ist: "Man nimmt viele Anregungen für die Gemeindearbeit mit nach Hause." Viele Ehrenamtliche gehen mit diesem Blick durch den Tag: Sie halten vor allem danach Ausschau, wie sie ihren Einsatz für andere noch besser machen können.

Ein Highlight des Tages ist der Auftritt von Margot Käßmann, die Ralf Meister als "unsere Landesbischöfin" ankündigt. Souverän und locker spricht die Luther-Botschafterin über das Reformationsjubiläum im kommenden Jahr: "Weltoffen wollen wir feiern", sagt sie. Das Fest solle kein anti-katholisches Event werden: "Gerade in einer säkularisierten Welt wissen wir, dass uns mehr verbindet als uns trennt." Käßmann ist für Toleranz und gegen Fundamentalismus. "Alle Menschen sind vor Gott gleich, weil jeder Mensch einen Schimmer von Gottes Ebenbild in sich trägt", sagt sie unter großem Beifall der Besucher. Vielleicht ist dieser Satz so etwas wie ein gemeinsamer Nenner aller Ehrenamtlichen in der Kirche.

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