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Aus der Stadt Die Uhr läuft
Hannover Aus der Stadt Die Uhr läuft
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00:37 16.08.2014
Von Mathias Klein
Gibt es Licht am Ende des Tunnels? Ein Taxi gestern im Posttunnel unter dem Hauptbahnhof. Quelle: Philipp von Ditfurth
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Hannover

Edith Seifert ist viel mit dem Taxi unterwegs. Arztbesuche oder Fahrten zu Freundinnen, das muss die Frau aus der List trotz ihrer schmalen Rente mit den Fahrzeugen mit Chauffeur erledigen. „Ich bin zu Fuß sehr schlecht unterwegs“, berichtet die 89-Jährige. Sie ist auf den Rollator angewiesen, mit dem man in die grünen Stadtbahnwagen nicht so einfach einsteigen kann. „Ich bleibe da oft hängen“, berichtet sie. Bei Regen oder bei weiteren Strecken nimmt sie auf jeden Fall das Taxi. „Anders geht es nicht.“

Als Edith Seifert gestern Morgen in der HAZ von der beantragten Preiserhöhung um 25 Prozent las, musste sie sich erst einmal die Augen reiben. „Das ist eine Unverschämtheit“, sagt sie. Der Gebührenanstieg treffe vor allem ältere Menschen, die auf Taxis angewiesen seien, meint sie.

Umfrage von Lovis Krüger

Der Gesamtverband Verkehrsgewerbe Niedersachsen (GVN), der die Taxiunternehmer vertritt, hat eine andere Sicht der Dinge. 25 Prozent müssten die Preise für die Taxifahrten in Hannover steigen, damit die Taxiunternehmer den Mindestlohn zahlen können, sagt Gunther Zimmermann vom GVN. Nur dann könnten die Taxiunternehmer den Chauffeuren auch die gesetzlich vorgeschriebenen 8,50 Euro pro Stunde zahlen. Derzeit verdient ein Taxifahrer, der die ganze Woche unterwegs ist, fünf bis sechs Euro die Stunde, Aushilfen, die nur an den Wochenenden fahren, kommen in Hannover auch auf zehn Euro Stundenlohn.

So, wie es derzeit aussieht, wird der Verband den satten Preisaufschlag nicht durchsetzen können. Denn aus beiden großen Ratsfraktionen kam bereits ein klares Nein. Selbst wenn sich die Meinung noch einmal ändern würde, wäre die Zeit für die nötige Zustimmung durch die Ratsgremien knapp. Das Thema ist für die Sitzung des Finanzausschusses am 8. Oktober vorgesehen, am 20. November könnte dann der Rat eine neue Preisgestaltung beschließen - die dann am 1. Januar in Kraft treten könnte. Viel Luft für zusätzliche Diskussionen bleibt da nicht.

Sonderfall schwarze Taxis

In Hannover gibt es derzeit noch 25 Taxis, die besonders auffallen: Statt cremeweiß wie die anderen 625 Taxis sind sie schwarz lackiert. Die sogenannten schwarzen Taxis gehören dem Unternehmen Mein Taxi 434343. Gerade erst hat die Firma – wie berichtet – allen ihren 65 Fahrern zum 31. Dezember dieses Jahres gekündigt, weil sie den Mindestlohn nicht zahlen kann.

„Bei einem Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde gibt es das Unternehmen am 1. Januar nicht mehr“, sagt Geschäftsführer Thomas Nipp. Etwa die Hälfte der Mitarbeiter klagt gegen die Kündigung, heute Vormittag sollen die Klagen gesammelt dem Arbeitsgericht übergeben werden. „Wenn dann der Verkehr auf der Ellernstraße mal ein paar Minuten ruht, ist das auch in Ordnung“, sagt Betriebsrat Frank Winsemann.

Mein Taxi 434343 gilt in Hannover als das Vorzeigeunternehmen in der Taxibranche. Es gibt einen Betriebsrat, die Fahrer sind keine Subunternehmer. Und im Gegensatz zu zahlreichen anderen Unternehmen wird auch im Krankheitsfall weiter bezahlt. mak

Wie es weitergeht, wenn die Politik ernst macht und die höheren Preise ablehnt, ist unklar. Ein erstes Unternehmen, die schwarzen Taxis von Mein Taxi 434343, hat bereits seinen 65 Fahrern zum 31. Dezember gekündigt, Insider erwarten in Hannover weitere Kündigungen. „Das wäre dann einfach eine Marktbereinigung“, sagt ein Kenner der Szene. Denn schon lange ist es ein offenes Geheimnis, dass es in Hannover zu viele Taxis gibt. In der Landeshauptstadt gibt es rund 650 Konzessionen - und genauso viele Taxis sind auch unterwegs.

Früher galt die Faustformel: ein Taxi auf 1000 Einwohner. „Aber das kann man in Hannover nicht anwenden“, stellt Peter Größer fest. Der Taxifahrer ist zugleich Vorstand des Taxifahrervereins, der die Interessen der Chauffeure vertritt. Zum einen befinde sich in Hannover der Flughafen, von dem es zahlreiche lukrative Fahrten gebe, nicht innerhalb des Stadtgebietes, erläutert Größer. Außerdem habe Hannover ein besonders gutes Netz aus Bussen und Stadtbahnen. „Wir haben 250 Autos zu viel“, ist seine Meinung.

Höhere Lohne im Umland

Seit fünf Jahren fordere sein Verband von den Taxiunternehmern, Konzessionen abzugeben und Autos stillzulegen. „Das hat man in anderen Städten erfolgreich praktiziert“, berichtet er. Wenn es deutlich weniger Taxis gebe, würden die Fahrer auch ohne Preiserhöhung mit dem Mindestlohn bezahlt werden. Und die Kunden müssten trotzdem nicht länger auf einen Wagen warten. Als Beispiel nennt er Orte in der Nachbarschaft wie zum Beispiel Burgwedel oder Sarstedt. „Im Umland wird deutlich über Mindestlohn gezahlt“, berichtet er.

„Das liegt daran, dass die Fahrer dort einfach ausreichend zu tun haben.“ Im Grunde gehe es dem Taxigewerbe gar nicht schlecht, meint Größer. „Wenn die Zahl der Taxis dem tatsächlichen Bedarf angepasst ist, läuft es gut“, betont er.

Jetzt mit dem Mindestlohn für höhere Fahrpreise zu argumentieren, ist aus Größers Sicht unaufrichtig. Denn schon seit Jahren hätten die Unternehmen die Möglichkeit gehabt, mit der Gewerkschaft ver.di einen Tarifvertrag abzuschließen. „Jetzt gegenüber der Öffentlichkeit so zu argumentieren ist ein Unding und zeugt von der Arroganz der Taxiunternehmer“, sagt Größer.

Taxikundin Edith Seifert jedenfalls sagt der Branche einen weiteren Rückgang an Fahrgästen voraus, wenn es zu der Preiserhöhung kommt. „Schon jetzt muss man sich beim Taxifahren über vieles ärgern“, berichtet sie. Etwa wenn eine Fahrt vom Aegi in die List bei dem einen Fahrer plötzlich 23 Euro koste, bei einem anderen aber nur 13 Euro.

Die 89-Jährige hat auch von Bekannten gehört, dass immer weniger Menschen mit dem Taxi fahren wollen. Für sie keine Alternative - ohne Taxi geht es nicht.

So werden Taxifahrer bezahlt

Nach dem Fahrpersonalgesetz ist es nicht erlaubt, Taxifahrer mit einer Provision, also einer Beteiligung an den Einnahmen ihrer Fahrten zu entlohnen. Trotzdem wird dieses in Hannover und auch in zahlreichen anderen Großstädten Deutschlands so gehandhabt, berichtet Peter Größer vom Taxifahrerverein. In Hannover erhalten die Fahrer nach Angaben von Größer rund 30 bis 40 Prozent der Umsätze als Entlohnung.

Die Fahrer sind häufig als Subunternehmer unterwegs und müssen sich daher auch noch selbst um die Aufträge kümmern. Ein Fahrer kommt damit auf einen Stundenlohn von fünf bis sechs Euro. Fahrer, die nur an den Wochenenden als Aushilfe arbeiten, verdienen zumeist mehr, weil Taxis vor allem in den Nächten zu Sonnabend und Sonntag begehrter sind als an den Wochentagen.

Im Umland bezahlen die Unternehmer die Fahrer schon jetzt in der Regel nach Stunden, die sie hinterm Steuer sitzen. Dabei kommen Stundenlöhne heraus, die in einigen Fällen doppelt so hoch wie in der Landeshauptstadt oder noch höher sind. mak

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