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Musik

Teilnehmer des "Hören"-Wettbewerbs spielen sich warm


Beim „Hören“-Wettbewerb in Hannover treten Studenten mit ganz unterschiedlichen Songs gegeneinander an – und machen jetzt schon einmal Werbung für sich.
Sustar: In ihrem Song „Radio“ singt die Sustar-Frontfrau Susann Thimm passend zum Wettbewerb, dass sie bald in jedem Radio zu hören sein wird. Die selbstbewusste 24-Jährige will Musikerin werden. „Für mich gibt es nichts anderes“, sagt sie. Dass sie die Stimme und die richtige Band dazu hat, will die Nordstädterin nun beim „Hören“-Contest beweisen.

Sustar: In ihrem Song „Radio“ singt die Sustar-Frontfrau Susann Thimm passend zum Wettbewerb, dass sie bald in jedem Radio zu hören sein wird.

© Martin Steiner

Würden gute Werbematerialien allein auch einen guten Musiker ausmachen, man müsste die Teilnehmer des Musikwettbewerbs „Hören 2010“ mit Preisen überschütten. Die elf Bands und Einzelmusiker der Hochschule für Musik und Theater Hannover (HMTH), die am 29. Januar im Pavillon mit eigenen Kompositionen gegeneinander antreten, stellten am Mittwoch auf der Pressekonferenz zum zweiten Song Contest seiner Art kleine Kunstwerke vor, um auf ihre Musik aufmerksam zu machen.

Mit Werbematerialien, die den Stil der Musiker sehr deutlich unterstreichen. Da ist zum Beispiel Tabea Elkarra (22), die schon mit 15 Jahren für Gesangsaufnahmen im Studio stand und seitdem an ihrer Solokarriere arbeitet. Sie geht mit dem gefühlvollen „Feel Like I’m In Jail“ ins Rennen, einer Ballade, die ausdrücken soll, dass mit Gottes Hilfe immer eine Lösung für Probleme, Sorgen und Ängste gefunden werden kann. Ein Lied für’s Herz also. Da erscheint es konsequent, dass sie ihrer Vita ein Wärmekissen in Herzform beilegt.

Anders die Band „Noisome Paste“. Die sechs hannoverschen Musiker, die in einer gemeinsamen Wohngemeinschaft wohnen, setzen bei ihrem Stück „New Ways“ auf groovenden, harten, progressiven Rock und legen ihrer Promotion-CD vorsichtshalber Ohrstöpsel bei. Und das Elektropop-Duo Goldkind hat seine kleine CD mit dem Song „Kammerflimmern“ direkt in eine goldene, glitzernde Plastik-Weihnachtskugel verpackt – ähnlich schrill wie ihr Auftritt bei der Pressekonferenz, bei dem Sängerin Jana Grobe (26) über Eis in französischen Zoos sinniert, während Musiker Julius Martinek (26) mit Sonnenbrille und streng gegelten Haaren gar nichts sagt und lieber hinter seinem Laptop versteckt bleibt.

Es ist genau diese Mischung aus extrovertierten Künstlern und authentischen Musikern, die den Wettbewerb „Hören“ auch in diesem Jahr ausmacht und die nicht nur in der stilistischen Vielfalt an den „Eurovision Song Contest“ erinnert. Kein Zufall, gilt doch Irving Wolther (40), Initiator des Wettbewerbs und Dozent am Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung, selbst als Experte für Songwettbewerbe. „Ich glaube, der große Contest könnte viel von uns lernen“, sagte Wolther. „Denn bei uns steht noch die Komposition im Mittelpunkt und nicht die reine Show.“

Damit das auch bei der zweiten Ausgabe des Wettbewerbs so bleibt, wurde eine Fachjury zusammengestellt, die sich ebenfalls mit dem „Eurovision Song Contest“ gut auskennt. So sitzt neben Musikexperten wie Peter Wittkamp (28) von Universal Music und der Musikjournalistin Britta Helm (24) auch der NDR-Moderator Peter Urban (61) in der Jury. Urban ist wie Tim Frühling (34) Fernsehkommentator des „Eurovision Song Contest“. Nun werden beide Kommentatoren gemeinsam die Musiker aus Hannover bewerten.

Dass es überhaupt einen Wettbewerb für Studenten der Hochschule für Musik und Theater Hannover (HMTH) gibt, ist einem Zusammenschluss gleich mehrerer Institute geschuldet. So kooperiert die HMTH für „Hören“ mit dem Institut für Journalistik und Kommunikationsforschung und dem Popinstitut.

Nach der mit 500 Gästen sehr gut besuchten Premiere im Musikzentrum im vergangenen Jahr sind beim Abend im Pavillon auch erstmalig die Berufsbildenden Schulen für Multimedia dabei. Studenten sind also nicht nur für die musikalischen Beiträge zuständig, sondern organisieren auch die Pressearbeit, die Aufnahmen der Show, die Künstlerbetreuung und die Veranstaltung im Pavillon selbst. „Wir legen großen Wert darauf, dass Studenten eigene Erfahrungen im Veranstaltungsbereich sammeln, einfach indem sie selbst zum Veranstalter werden“, sagt Wolther. Und der Moderator des Wettbewerbs, Rapper Spax (36), ergänzt: „Häufig vergessen Künstler, wenn sie bekannt geworden sind, wie viele Menschen für einen guten Auftritt vom Licht bis zur Öffentlichkeitsarbeit nötig sind – die Teilnehmer des Wettbewerbs hoffentlich nicht.“ Da klatschen die Pressebeauftragten im Pavillon.

Und als der Rapper noch dafür wirbt, möglichst ehrliche Bandprojekte abseits des Mainstreams mit authentischem Charme zu fördern, klatschen selbst die Künstler, die alle an den Sieg und an eine Karriere als Musiker glauben. Ob der Mut zum unprätentiösen Musikvortrag aber auch die Jury überzeugt, können Besucher für 7 Euro am 29. Januar im Pavillon an der Lister Meile erfahren. Ab 20 Uhr helfen nämlich auch keine Werbematerialien mehr.

Von Jan Sedelies

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