Hannover. Die Firma Dr. Klein, die bereits seit zwei Wochen ohne Telefon ist, ist in der Landeshauptstadt kein Einzelfall. Auch der Textileinzelhändler Mira Michi ist ohne Telefon, sogar schon seit mehr als drei Wochen. „Wir stehen kurz vor dem Abgrund“, sagt Firmenchefin Anna Rusche. Das kleine Unternehmen betreibt in der Region insgesamt sieben Filialen und hat nicht nur Schwierigkeiten zu den Verkaufsstellen telefonisch Kontakt zu halten. Denn betroffen ist nicht nur das Telefon, sondern auch die Datenleitung.
„Wir haben große Probleme, an unsere Einnahmen zu kommen“, berichtet Rusche. Denn rund Dreiviertel der Kunden zahlten ihre Einkäufe mit der ec-Karte, aber die Daten kämen durch die fehlende Leitung gar nicht in der Firmenzentrale in der Lister Meile an – und könnten deshalb auch nicht bei den Geldinstituten geltend gemacht werden.
Nachdem zehn Tage in Folge kaum Geld in der Kasse der Firma mit 20 Mitarbeitern gelandet war, griff Rusche zu einer Notlösung: Jetzt baut alle paar Tage einer ihrer Mitarbeiter den Server im Büro aus und installiert ihn zu Hause an eine funktionierende Telefonleitung, um dann die elektronischen Daten an die Sparkasse weiterzuleiten.
Grund für die Misere ist nach Rusches Angaben der Umzug des Modehandelsunternehmens von der Sedanstraße zur Lister Meile. „Das sind nur 300 Meter Entfernung“, berichtet sie. Das Telekommunikationsunternehmen Vodafone habe es bisher nicht geregelt bekommen, die Leitung im neuen Büro zu schalten.
Rusche ist ungezählte Male mit telefonischen Beschwerden gescheitert. Vor zehn Tagen hat sie einen Anwalt eingeschaltet. Aber auch der hatte bisher keinen Erfolg. „Wir sind froh, wenn wir von Vodafone wegkommen“, sagt sie.
Erst einmal müssten Telefone und Datenleitung wieder funktionieren, sagt Rusche. Allerdings ist sie ratlos. Vodafone hat auf Anfrage der HAZ mitgeteilt, dass es einen Fehler beim Antrag gegeben habe. Wer für diesen Fehler verantwortlich ist, sei unklar, sagt ein Sprecher. Fest stehe, dass die Leitungen von Mira Michi nun endlich am 16. Februar geschaltet würden.
Im Fall der Finanzfirma Dr. Klein am Königsworther Platz lehnt die Telekom eine Verantwortung für den inzwischen entstandenen Schaden in Höhe von mehr als 30.000 Euro ab. „Der Kunde war zuvor bei mehreren Wettbewerbern“, sagte ein Telekom-Sprecher. Zwei der Wettbewerber hätten die Rufnummern aber noch nicht freigegeben, damit die Telekom sie auch freischalten könne.
Rainer Wilke, Geschäftsführer der Finanzfirma Dr. Klein in Hannover, ist davon überzeugt, dass diese Angaben der Telekom nicht stimmen. Denn das Unternehmen hat es seiner Ansicht nach versäumt, die bestehenden Verträge mit den anderen Anbietern rechtzeitig zu kündigen. „Das ist ein starkes Stück, jetzt anderen die Schuld in die Schuhe zu schieben“, sagt Wilke.
Matthias Klein
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