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Was war 2015 wirklich geplant in Hannover?

Terrorgefahr bei Länderspiel Was war 2015 wirklich geplant in Hannover?

Auch knapp ein Jahr nach den Ereignissen in Hannover ist noch unklar, wie die damalige Länderspielabsage einzuordnen ist. Was war wirklich geplant? Und wer war daran beteiligt? Was wir wissen und was nicht – ein Überblick.

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Das Gelände um das Stadion war weiträumig abgesperrt.

Quelle: Julian Stratenschulte/dpa

Hannover. Von den Behörden ist nicht viel zu erfahren. Von der Bundesanwaltschaft, die die Ermittlungen schnell übernommen hatte, heißt es auch heute nur: „Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen, deswegen geben wir keine weitere Auskunft“. Viele Mosaiksteine ergeben bisher folgendes Bild:

Mohamad Hasan K. – der Schüler aus Misburg

Der einzige Mann, den die Generalbundesanwaltschaft bis heute mit der Absage des Länderspiels in Verbindung bringen konnte, sitzt in Griechenland im Gefängnis. Mohamad Hasan K. soll versucht haben, nach Syrien zu gelangen, zur Terrormiliz Islamischer Staat. Davon gehen die deutschen Sicherheitsbehörden aus. Der heute 20-jährige Schüler aus Misburg war an jenem 17. November als Ordner im Stadion, obwohl er gar keinen Dienst hatte, wie sich später herausstellte. In der bereits geräumten HDI-Arena soll er einen jungen Mann gefilmt haben, der auf arabisch in die Kamera spricht. Zwei Worte werden die Terrorfahnder, die den Clip im sozialen Netzwerk Snapchat finden, deutlich verstehen: „Pray for Rakka“ und „al Daula al-Islamija“ - die Bezeichnung für die Terrorgruppe IS und deren erklärte Hauptstadt Rakka.

Das Länderspiel Deutschland-Niederlande ist abgesagt. Für die ganze Stadt wurden schärfere Sicherheitsmaßnahmen getroffen.

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Elf Monate nach der Absage ermittelt die Generalbundesanwaltschaft in dieser Sache gegen zwei namentlich bekannte Personen. Einer von ihnen ist Mohamad Hasan K., der das Video aus dem Stadion im Netz hochgeladen haben soll. So wurden die Behörden auf ihn aufmerksam. Bis September gab es gesicherte Informationen, dass K. sich in Deutschland aufhält. Das Landeskriminalamt (LKA) Niedersachsen ließ ihn beobachten. In Untersuchungshaft saß er nicht. Die Bundesanwaltschaft sah keine Fluchtgefahr.

Spuren zu Safia S.

Vom 20. Oktober an soll sich der 20-jährige K. vor dem Strafschutzsenat des Oberlandesgerichts in Celle verantworten - wegen eines anderen Vergehens. Er soll von den Plänen der Schülerin Safia S. gewusst haben, die im Februar einen Bundespolizisten im Hauptbahnhof schwer verletzte. Und er habe geschwiegen, wirft ihm der Bundesanwalt vor. Damit habe er sich der Mitwisserschaft einer staatsgefährdenden Straftat schuldig gemacht. Die Anklageschrift wurde am 28. August öffentlich, zwei Wochen später war der Misburger, der zwischenzeitlich nach Hildesheim umgezogen sein soll, nach Erkenntnisse des LKA noch da - und am 17. September plötzlich weg. Von Hannover aus soll K. nach Rumänien gereist sein. Weil ihn bulgarische Grenzer aber nicht passieren ließen, soll er versucht haben, über Griechenland in die Türkei und von dort nach Syrien zu gelangen. Ein internationaler Haftbefehl sorgte dafür, dass K. in Griechenland gefasst wurde. Wann er ausgeliefert wird, ist unklar. „Das kommt unter anderem darauf an, für welchen Behördenweg er sich entscheidet“, sagt ein Sprecher der Bundesanwaltschaft. Ob er einem einfachen Auslieferungsverfahren zustimmt oder alle juristischen Instanzen in Griechenland durchlaufen will. Wie es im Verfahren gegen K. um das abgesagte Länderspiel steht, ist nicht bekannt.

Wer ist Faiz A.?

Ist Faiz A. möglicherweise der Mann auf dem Video? Auch gegen ihn wird ermittelt. Der Name tauchte zum ersten Mal in dem Hinweis auf den Terroranschlag auf das Stadion auf, der von einem ausländischen Geheimdienst kam. Bislang hat der Name den Ermittler aber nicht weiter geholfen. Zum einen handelt es sich bei dem Nachnamen um einen in der arabischen Welt ähnlich weit verbreiteten Familiennamen wie Müller oder Schmidt in Deutschland. Es ist auch nicht ausgeschlossen, dass es sich um ein Pseudonym handelt - die Ermittlungen laufen hier derzeit de facto gegen unbekannt.

Verbindungen zum Salafismus

Fest steht, dass Mohamad Hasan K. ein Sympathisant des Salafismus ist - wie Einträge bei Facebook zeigen. Zudem hat er sich immer wieder an Koranverteilständen der Aktion „Lies!“ in der Innenstadt beteiligt. Dort und in der Moschee des deutschsprachigen Islamkreises hatte er auch Safia und ihren Bruder Saleh S. kennengelernt, der einige Monate in der Türkei in Haft saß, weil er ebenfalls zum IS nach Syrien wollte. Der Islamkreis distanziert sich in einer Stellungnahme von Gläubigen, die mit dem IS sympathisieren, und damit auch von Mohamad Hasan K. Man habe nicht gewusst, dass sich solche Personen in der Moschee träfen. „Wir werden weiterhin alles unternehmen, um solchen Tendenzen entgegenzuwirken“, heißt es in dem Schreiben.

Von Isabel Christian

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