Als die sechs Schülerinnen an der Haltestelle Steintor neben einem älteren Herrn mit Schiebermütze Platz nehmen, die Augen schließen und regungslos auf ihrem Platz verharren, schaut der sich zunächst ein wenig verwundert um. Schließlich verlässt er verdutzt seinen Platz. Die jungen Frauen haben nicht wirklich ein Nickerchen auf den Bänken der Haltestelle gemacht. Sie sind Teil des Projekts „Erlebnisreisen“ des Kinder- und Jugendtheaterfestivals „Hart am Wind.“
In den Stadtbahnlinien 5, 6 und 11 sowie in dem Bus 121 begleiten jugendliche Laienschauspieler in Kleingruppen noch bis Donnerstag, 25. Februar, zwischen 16 und 18 Uhr Fahrgäste der Üstra. „Wir wollen den Menschen ein kleines Lächeln entlocken und natürlich auch ein wenig verstörend wirken“, sagt Günter Kömmet, leitender Theaterpädagoge des Schauspielhauses. Gemeinsam mit elf Jugendlichen hat Kömmet kleine fünf bis zehnminütige Auftritte eingeprobt. Da sollen Handmassagen angeboten werden, kurze Gedichte von Bertolt Brecht und Joachim Ringelnatz rezitiert und Glücksbotschaften verteilt werden. „Die Jugendlichen sollen den Kontakt mit Fahrgästen gezielt suchen“, sagt Kömmet. „Was dann passiert kann man natürlich nicht proben. Das ist Improvisation.“
Für Verwunderung bei den Fahrgästen sorgte die Aktion gestern allemal. Eine ältere Dame etwa zeigte sich entzückt, als Carolin Schneider ihr einen Luftballon mit der Aufschrift „Habe einen schönen Tag“ überreichte. Und ein junges Paar grinste breit, als Deborah Paluch und Johanna Bank die Haltestelle Steintor mit großen Seifenblasen füllten. „Wenn ein Fahrgast abends nach Hause kommt und von einem skurrilen Erlebnis in der Bahn erzählt, haben wir unser Ziel erreicht“, sagt Kömmet.
Für das Spiel im öffentlichen Raum hat der Theaterpädagoge sich bewusst für Aktionen in Bussen und Bahnen entschieden. „U-Bahnen sind so etwas wie die Schiffe der Stadt und das passt gut zu dem Motto des Festivals“, sagt er. Handzettel für die Veranstaltung will Kömmet jedoch nicht verteilen lassen. „Es soll keine Werbeaktion sein.“ Und das war auch ein Anliegen der Üstra. „Wir wollten nicht, dass die Jugendlichen mit Werbebannern durch die Bahnen ziehen und Fahrgäste stören“, sagt Anke Voigt von der Üstra. „Aber mit den liebevollen Aktionen wird die Fahrt ja verschönert.“
Stefanie Nickel
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