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Forschungskomplex

TiHo Hannover erhält Labore der Sicherheitsstufen 2 und 3

Von Juliane Kaune

Die Tierärztliche Hochschule in Hannover richtet in ihrem neuen Forschungskomplex Labore der Sicherheitsstufen 2 und 3 ein. Die MHH forscht schon seit 1999 in vergleichbaren Räumen.
Auf der Freifläche der TiHo am Bünteweg soll der Neubau entstehen.

Auf der Freifläche der TiHo am Bünteweg soll der Neubau entstehen.

© Uwe Dillenberg

Man denke nur an die Schweinegrippe. Als die Krankheit im vergangenen Jahr urplötzlich auftauchte, erst in Mexiko, dann auch hierzulande, und die Weltgesundheitsorganisation WHO schließlich eine Pandemie ausrief, wussten selbst Experten nicht genau, welche Gefahr von dem Virus H1N1 ausgeht. „Anfangs“, sagt Gerhard Greif, „nahm man sogar an, dass die Erreger unter die höchste Sicherheitsstufe 4 fallen.“ Am Ende stellte sich heraus, dass sie nicht gefährlicher sind als normale Grippeviren. Greif, Präsident der Tierärztlichen Hochschule (TiHo), führt das Beispiel an, um deutlich zu machen, dass es bei der Erforschung von Infektionskrankheiten häufig auch um unbekannte Größen geht, dass die Sicherheit im Vordergrund steht und die Labore der Forscher darum für die verschiedensten Fälle ausgerüstet sein müssen.

Wie berichtet, plant die TiHo, im nächsten Jahr einen 30 Millionen Euro teuren Forschungskomplex für Infektionsmedizin und Zoonoseforschung auf dem Campus Bünteweg zu errichten – 500 Meter von dem Tierimpfstoffzentrum entfernt, das der Pharmakonzern Boehringer baut. Während dieses zunächst nur mit Laboren der Sicherheitsstufe 2 ausgestattet sein soll, sind in dem auf Grundlagenforschung ausgerichteten TiHo-Neubau Labore geplant, die den Sicherheitsstufen 2 (S 2) und 3 (S 3) unterliegen. Gemäß der Definition des Gentechnikgesetzes geht von den Mikroorganismen, mit denen dort gearbeitet wird, ein geringes beziehungsweise mäßiges Risiko für die menschliche Gesundheit oder die Umwelt aus.

Die für den Umgang mit diesen Erregern vorgeschriebenen Sicherheitsvorkehrungen seien so hoch, dass eine Gefährung ausgeschlossen werden könne, sagt Greif. In S-3-Laboren gebe es besonders aufwendige Vorkehrungen: Es herrsche Unterdruck, zudem gebe es Sicherheitsschleusen und strenge Desinfektionsregeln.

Sobald Mikroorganismen zu Forschungszwecken analysiert oder gentechnisch verändert würden, gelten spezielle Vorsichtsmaßnahmen, erklärt Greif. Um jegliche Risiken auszuschließen, fielen daher nicht nur Erreger wie zum Beispiel das H5N1-Virus der Vogelgrippe unter die Sicherheitsstufe 3. Auch Kolibakterien oder Salmonellen, die immer wieder im Krankenhausalltag vorkämen, würden je nach Untersuchungsziel in die Stufen 2 oder 3 klassifiziert. „Während man sich in einer Klinik gelegentlich noch die Hand schüttelt, müssen im Labor ganz andere Sicherheitsbedingungen herrschen.“

Nach Auskunft des Gewerbeaufsichtsamts gibt es zurzeit an Hochschulen und Forschungsstätten in der Region Hannover 56 S-2-Labore, davon 39 an der Medizinischen Hochschule (MHH) und ein Dutzend an der TiHo. Drei der bisher registrierten S-3-Labore befinden sich auf dem MHH-Campus und im benachbarten „Twincore“, einer Forschungsstätte für Infektionsmedizin, die mit dem Helmholtz-Zentrum betrieben wird. Ein weiteres Labor dieser Sicherheitsstufe nutzt das zum Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit gehörende Veterinärinstitut am Eintrachtweg seit Herbst 2009.

Man habe für den neuen TiHo-Komplex Labore der Sicherheitsstufe 3 beantragt, um eine noch größere Bandbreite von Krankheiten erforschen zu können, erklärt Greif: „So dienen wir der Sicherheit der Tiere und damit auch der Menschen.“ Durch die Arbeit von Veterinärmedizinern sei es etwa gelungen, die Blauzungenkrankheit beim Rind, die aus exotischen Gefilden in unsere Breiten eingeschleppt wurde, zu bekämpfen. Noch vor drei Jahren habe man der Krankheit ratlos gegenübergestanden, heute gebe es hoch effektive Impfstoffe.

Zwei Millionen Euro investieren die Virologen der MHH in ein neues Forschungslabor der Sicherheitsstufe 3, das Mitte 2011 in Betrieb gehen soll – anders als bei dem von Anwohnern und Tierschützern attackierten Boehringer-Projekt ohne öffentliche Konflikte. Die Vorgängeranlage an der MHH werde schon seit 1999 betrieben, und noch nie habe es Zwischenfälle gegeben, bei denen es zu einer Gefährdung von Mitarbeitern, Anliegern oder Umwelt gekommen sei, betont Jürgen Mertsching, Beauftragter für biologische Sicherheit. In dem S-3-Labor beschäftigen sich die Forscher vor allem mit der Entwicklung eines Tuberkulose-Impfstoffs. Für Experimente mit Aidsviren oder den Erregern von Hepatitis C liegen die Sicherheitsstandards zwischen den Stufen 2 und 3. Mit Organismen, von denen nach dem Gesetz ein „hohes“ Risiko ausgeht, arbeite die MHH gar nicht, erklärt Mertsching. Labore mit Sicherheitsstufe 4, in denen an Viruserkrankungen wie Ebola oder Lassa geforscht wird, gebe es bisher nur im Tropeninstitut in Hamburg, an der Uni Marburg und im Friedrich-Loeffler-Institut auf der Insel Riems. Auch an der TiHo sind solche Labore künftig nicht geplant: „Dafür lege ich meine Hand ins Feuer“, sagt Greif.

Sicherheit in vier Stufen

Labore, in denen gentechnische Arbeiten vorgenommen werden, sind laut Gentechnikgesetz in vier Sicherheitsstufen eingeteilt.

Sicherheitsstufe 1: Gentechnische Arbeiten, bei denen nach dem Stand der Wissenschaft nicht von einem Risiko für die menschliche Gesundheit und die Umwelt auszugehen ist. Einfache Hygienestandards sind einzuhalten.
Sicherheitsstufe 2: Arbeiten, bei denen von einem geringen Risiko auszugehen ist. Es gibt Zugangskontrollen, an mikrobiologischen Werkbänken wird mit gezielter Luftzufuhr gearbeitet. Der Arbeitsplatz muss desinfiziert werden.
Sicherheitsstufe 3: Arbeiten, bei denen von einem mäßigen Risiko auszugehen ist. Im ganzen Labor herrscht Unterdruck, die Räume sind hermetisch abgeriegelt, Abluft muss gefiltert werden. Die Arbeitstische müssen säure-, laugen- und lösungsmittelbeständig sein. Es gibt eine Zugangsschleuse, Beobachtungsfenster sind vorgeschrieben.

Sicherheitsstufe 4: Arbeiten, bei denen von einem hohen Risiko auszugehen ist. Zu- und Abluft der Labore wird gefiltert, eine Spezialschleuse am Eingang ist obligatorisch. Gearbeitet wird an Sicherheitswerkbänken, die Unterdruckräume müssen komplett abgedichtet sein. Für das Personal gibt es besondere Desinfektionsduschen und Schutzanzüge.

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