Volltextsuche über das Angebot:

10 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
„Es ist schwer, den Richtigen zu finden“

TiHo-Präsident im Interview „Es ist schwer, den Richtigen zu finden“

Gerhard Greif steht seit 13 Jahren an der Spitze der Tierärztlichen Hochschule (TiHo). Im HAZ-Interview spricht der Präsident der Tierärztlichen Hochschule über Macht, Auftraggeber und die eigene Zukunft.

Voriger Artikel
Facebook-Fahndung nach brutalem Taxiräuber
Nächster Artikel
Zusteigen und anschnallen, bitte!

Gerhard Greif wurde erst vor wenigen Wochen für weitere acht Jahre im Amt des Präsidenten der TiHo bestätigt.

Quelle: Ralf Decker

Herr Greif, Sie sind nach Ihrer Wiederwahl vor wenigen Wochen mittlerweile der dienstälteste Hochschulpräsident in Niedersachsen. Sind Sie stolz auf Ihre Ausdauer?

Das träfe es nicht. Ich bin dankbar, einen Beitrag dazu zu leisten, dass die Tierärztliche Hochschule sich gut entwickelt. Als ich 2002 das erste Mal von den Gremien gewählt wurde, hatte die Politik gerade beschlossen,  in den Hochschulleitungen bundesweit für mehr Kontinuität zu sorgen und das Präsidentenamt einzuführen. Ein Jahr später haben wir die Stiftung ins Leben gerufen. Eine Idee, die der damalige Wissenschaftsminister Thomas Oppermann gefördert hat.

Was ist der Vorteil einer Stiftung?

Wir sind unabhängig und unsere Autonomie wurde gestärkt. Der Dienstherr ist die Stiftung und nicht mehr das Ministerium. Wir sind Bauherrin und berufen die Professoren selbst. 

Es klingt nach einer großen Machtfülle für den Mann an der Spitze der Hochschule.

Es sind vor allem viele Pflichten. Sie müssen sich um die Studierenden und Beschäftigten kümmern, um den Haushalt, die Liegenschaften, aber auch um aktuelle Bauprojekte.

Ein Stellvertreter wäre hilfreich. Warum ist der Posten des Vize-Präsidenten seit acht Jahren unbesetzt? Zwei Bewerbungsverfahren verliefen im Sande.

Die zuständigen Gremien, nicht ich, haben etliche Bewerber abgelehnt, die Verhandlungen waren nicht erfolgreich. Es ist schwer, den Richtigen oder die Richtige zu finden. Vor einem Jahr wurde aber beschlossen, die Stelle erneut auszuschreiben. Das Verfahren war bislang ausgesetzt, weil man zu Recht die Präsidentenwahl abwarten wollte.

Weil man erwartete, dass ein Neuer an die Spitze gewählt wird, der bei der Vize-Wahl mitreden sollte? Es heißt, die Professorenschaft sei heftig zerstritten und einige sähen es gern, wenn Sie abtreten würden? Was sagen Sie dazu?

Das wird sehr übertrieben. An jeder Hochschule gibt es unterschiedliche Meinungen über die inhaltliche Ausrichtung und über Forschungsschwerpunkte. Mag sein, dass einzelne Kollegen sich andere Schwerpunkte wünschen. Das ist normal. Wichtig ist, dass man weiß, wo man hin will.

Das ist die TiHo

Die Tierärztliche Hochschule ist eine Lehr- und Forschungsstätte mit langer Tradition: Sie wurde 1778 als Roß-Arzney-Schule gegründet und hat bis heute ihren eigenständigen Status als tiermedizinische Einrichtung bewahrt – damit nimmt sie bundesweit eine Sonderstellung ein. Zur TiHo, an der gut 1000 Beschäftigte arbeiten, gehören sechs fachübergreifende Zentren, sechs Kliniken, 19 Institute und drei Fachgebiete, die auf zwei Standorte in Hannover verteilt sind – am Bünteweg in Kirchrode und am Bischofsholer Damm im Stadtteil Bult.

Hinzu kommen Außenstellen in Ruthe bei Sarstedt, in Büsum in Schleswig-Holstein und in Bakum bei Vechta. Forschungsschwerpunkte sind Infektionsmedizin, Neurowissenschaften, Tiergesundheit und Lebensmittelqualität sowie Klinische Forschung. Rund 250 Plätze stehen jedes Jahr für Studienanfänger zur Verfügung – es bewerben sich stets weit mehr Interessierte.

Mehr als 2400 Studierende sind in den Studiengängen der TiHo eingeschrieben. Hinzu kommen die Bachelor-Studierenden der Biologie, die im Verbund mit der Leibniz-Universität und der Medizinischen Hochschule Hannover ausgebildet werden. Seit 2003 ist die TiHo eine Stiftungshochschule.  jk

Wo wollen Sie hin?

Wir sind die einzige selbstständige Tierärztliche Hochschule in Deutschland. Wir haben einen hohen Anspruch an die Qualität der Lehre, der Forschung und der Dienstleistung. Dem wollen wir auch weiterhin aufs Beste gerecht werden. Einer unserer Schwerpunkte ist die Vorbeugung und Behandlung von Infektionskrankheiten ...

... der Tiere ...

... und Menschen. Es geht immer um alle Lebewesen. Viele Krankheiten betreffen Menschen und Tiere gleichermaßen, zum Beispiel Salmonellose, Tollwut oder Tuberkulose.

Zur Person:

Gerhard Greif steht seit 13 Jahren an der Spitze der Tierärztlichen Hochschule (TiHo) – erst vor wenigen Wochen wurde der 63-Jährige für weitere acht Jahre im Amt des Präsidenten bestätigt.

Der gebürtige Hesse wuchs auf einem Bauernhof auf, studierte Agrarwissenschaften und Tiermedizin und arbeitete 20 Jahre lang in der Pharmaindustrie, bevor er 2002 nach Hannover kam.

Er gilt aufgrund seiner Managertätigkeit als gut vernetzt in der Wirtschaft – was ihm an der Hochschule nicht nur Freunde beschert.

Jedes Wochenende zieht er sich auf seinen landwirtschaftlichen Betrieb mit 60 Weidekühen in Oberhessen zurück. Er selbst beschreibt sich als Mann, der eine klare Sprache liebt.

Auf einer Liste über Rüstungsforschung in Niedersachsen ist die TiHo mit vier Projekten und einem Betrag von einer Million Euro vermerkt. Förderer war in allen vier Fällen die Bundeswehr. Worum ging es dabei?

Die Herkunft der Mittel ist kein Geheimnis. Bei einem der Bundeswehrprojekte ging es um die Frage, wie stark Meeressäugetiere wie Seehunde unter dem Unterwasserlärm vom Sonar der Schiffe leiden. Mal ging es um den Nachweis für Infektionserreger in Lebensmitteln und deren Vermeidung.

Nebenan forscht Boehringer. Sie arbeiten gut zusammen?

Ja, sehr gut. Unsere gemeinsamen Themen sind die Entwicklung und Zulassung von Impfstoffen für Tieren. Ich habe sehr für die Ansiedlung des Unternehmens geworben, auch weil ein forschendes Unternehmen wie Boehringer ein attraktiver Arbeitgeber für unsere Absolventen ist. Wir kooperieren auch mit anderen Pharmafirmen. Auch die Ernährungsindustrie ist ein wichtiger Partner für angewandte Forschung.

Was ist aus Ihrer Sicht das wichtigste Zukunftsprojekt der Hochschule?

Die Fertigstellung des neuen Forschungszentrums RIZ für 40 Millionen Euro aus Bundes- und Landesmitteln. Ein Gebäude mit 40 Laboren ist bereits seit September in Betrieb; der Rest folgt bis Jahresende. 100 Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen werden dort an Infektionskrankheiten forschen, die zwischen Tieren und Menschen übertragen werden können.

Zum Schluss: Sie sind jetzt 63 Jahre alt und für weitere acht Jahre gewählt. Viele sind nicht erfreut, dass sie demnächst erst mit 67 Jahren in Rente gehen dürfen. Sie machen das freiwillig. Bis zum 71. Geburtstag?

Das wäre unvernünftig. Ich erfülle meinen Dienst, so lange wie es sinnvoll ist.

Eine letzte Frage interessiert mich doch noch. Warum studieren eigentlich so viele Frauen Tiermedizin?

Weil es um die Sorge und Pflege von Tieren geht. Männer interessieren sich noch immer stärker für technische Berufe. Frauen sind hoch motiviert und engagiert.

Interview: Gabi Stief

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

doc6spb23ytq2b12aamlk4p
Neuer Vintage-Laden eröffnet in der List

Fotostrecke Hannover Aus der Stadt: Neuer Vintage-Laden eröffnet in der List