Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
"Du entkommst der Hitze nicht“

Hitze in Hannover "Du entkommst der Hitze nicht“

Einige Erfahrung mit der Sommerhitze haben die Pizzabäcker von Francesca & Fratelli an der Limmerstraße – schließlich kommen sie aus Sizilien. Sie empfehlen zur Abkühlung „Birra Moretti Limone“, eine Art Radler. Sandalen seien indes nicht angesagt: „Wer schön sein will, muss leiden“, sagt Antonino Pagano-Scorcio über seine Sportschuhe.

Voriger Artikel
Geschäftsleute nervt Podbi-Dauerbaustelle
Nächster Artikel
Hier bringt sich Udo Lindenberg in Tourneeform

Schweißtreibender Einsatz am Ofen: Pizzabäcker Carmelo Quartarone (links) und Antonino Pagano-Scorcio.

Quelle: Surrey

Hannover. Ein bisschen beneidet Carmelo Quartarone seinen Kollegen Nicola. Denn der macht gerade Urlaub auf Sizilien, in der Heimat. „Da ist es zwar mit 40 Grad noch heißer als hier“, sagt der Bäcker der Pizza-Manufaktur Francesca & Fratelli an der Limmerstraße. „Aber auf Sizilien ist die Hitze besser zu ertragen.“ Obwohl heiße Winde aus Richtung der Sahara über die Insel wehen. Denn die Luft, erklärt der 35-Jährige, ist viel trockener als in Norddeutschland.

Schweißperlen stehen Carmelo auf der Stirn. Vor der immer offenen Tür des Pizzaofens ist es etwa 65 Grad heiß - die Temperatur über dem Buchenfeuer liegt bei 420 Grad. Zweimal pro Schicht wechselt Carmelo das weiße Pizzabäcker-T-Shirt, drei Liter Wasser trinkt er. „Nein, einen Trick gegen die Hitze gibt es nicht“, sagt er und zuckt die Achseln, wie Italiener eben die Achseln zucken. „Sag Bescheid, wenn dir einer einfällt.“ Nach Feierabend trinkt er noch ein Bier, dann fällt er ins Bett.

"Du entkommst der Hitze nicht“

„Man muss es einfach ertragen“, empfiehlt Antonino Pagano-Scorcio. Wie die beiden Pizzabäcker stammt auch der Geschäftsführer der kleinen Pizzeria aus Sizilien. „Die Sonne ist dort extrem und verbrennt in der Mittagszeit alles“, sagt er. „Aber im Schatten findest du Kühle und Linderung.“ Das sei in Deutschland anders. „Hier ist die Luft schwül, du entkommst der Hitze nicht.“ Weil das eben so ist, essen die Leute momentan bis zum Abend auch wenig Pizza. Aber dann, wenn ein wenig Wind weht, ist die Limmerstraße voll von Menschen. Dann brummt das Geschäft.

Für diese Zeit hat Pagano-Scorcio das richtige Getränk, sagt er: Das „Birra Moretti Limone“ ist quasi das Radler Italiens, erklärt er. Nur zitroniger als das deutsche. Zwei Prozent Alkohol und „hundert Prozent italienische Limonen“, preist er an. Und Kunden, denen immer noch nicht nach warmem Essen zumute ist, könnten die Pizza ja auch kalt essen.

Das Personal der Pizzeria trägt fast ausnahmslos lange Hosen und geschlossene Schuhe. Sandalen kommen für einen modisch orientierten Italiener eben nicht infrage. „Ich bin ein Fan von Sportschuhen“, sagt Pagano-Scorcio. „Wer schön sein will, muss leiden.“ Eine Ausnahme macht da Nicola Pulvirent. Er kommt bei diesem Wetter gern in Crocs zur Arbeit, sagt der Geschäftsführer. Vielleicht trägt er die ja gerade auf Sizilien, am Ätna. Wo es erträglicher ist als an der Limmerstraße, vor dem Pizzaofen.

Kinder brauchen eine Kopfbedeckung und Wassereis

Mit am meisten unter der Hitze leiden Kinder. „Das liegt daran, dass sie nicht so viel schwitzen können wie Erwachsene und dadurch ihr Körper auch nicht so gut gekühlt wird“, sagt Kinderarzt Dr. Thomas Buck. Umso wichtiger sei es, darauf zu achten, dass den Kindern erst gar nicht zu warm werde. Am einfachsten erreichen Eltern das, indem sie den Tagesablauf den Temperaturen anpassen. „Ähnlich wie in Spanien oder Italien sollte man morgens mit den Kleinen rausgehen, am Mittag dann aber in kühlen, gern auch abgedunkelten Räumen etwas ruhen“, erklärt Kinderarzt Buck. Am Abend könne man dann die übliche Zubettgehzeit der Kinder nach hinten verlegen. Wenn es mittags doch einmal nach draußen geht, gilt es vor allem, die Kinder vor der Sonne zu schützen. „Da ist der mechanische Sonnenschutz besser als jede Sonnencreme“, sagt Buck. Das heißt, die Kinder sollten sich möglichst im Schatten aufhalten, leichte Kleidung mit langen Ärmeln und eine Kopfbedeckung tragen. „Kinder tauschen Wärme vor allem über den Kopf aus“, sagt Buck. Und natürlich sollten sie genügend Flüssigkeit aufnehmen, gerne auch in Form von selbstgemachtem Wassereis.

Für die Schützen wird‘s ein heißer Ausmarsch

Die Schützen können einem leidtun – dabei soll für sie der Sonntag doch der schönste Tag des Jahres werden. Dann starten Tausende zum traditionellen Schützenausmarsch durch die Stadt – in diesem Jahr vermutlich bei tropischen Temperaturen. Bis zu 37 Grad könnte es heiß werden – da wird das ordnungsgemäße Tragen einer Uniform zur echten Pflichterfüllung. Rund drei Stunden dauert der Zug für gewöhnlich. Weil der Verband Hannoverscher Schützenvereine indes ein Herz für seine Mitglieder hat, hat er den traditionellen Uniformzwang aufgehoben. Organisatorin Elke Schmiedeberg weiß, dass es in den Jacken „sehr warm“ werden kann. Sie selbst will allerdings der Hitze trotzen und in Uniform kommen. Dass es allerdings während des Schützenfestes heiß werden kann, ist für die Feiernden nichts Neues. Im Jahr 2006 maß man in den Festzelten bis zu 35 Grad – dem Bierfluss tat das nur gut, auch wenn Alkohol das denkbar schlechteste Mittel gegen große Wärme ist. 2010 meldete die HAZ-Schützenfestreporterin 36 Grad auf dem Platz, traf aber dennoch auf begeisterte Karrussellfans. Im vergangenen Jahr schwitzte Hannovers Prominenz beim Spanferkelessen zur Eröffnung – und zwar fröhlich.

Kalte Umschläge

Ähnlich wie Kindern macht auch Senioren die Hitze besonders zu schaffen. Denn mit dem Alter verringert sich die Fähigkeit des Körpers, zu schwitzen. Um das auszugleichen, sollten Senioren noch mehr darauf achten, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen. Um den älteren Menschen dabei etwas Abwechslung zu bieten, gibt es in Seniorenheimen an heißen Tagen oft ebenfalls Wassereis. Vor allem Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollten aber gerade bei der Abkühlung von außen vorsichtig sein. Statt sich komplett unter die kalte Dusche zu stellen, sollten sie sich lieber kalte Umschläge in den Nacken legen oder das erfrischende Nass über ihre Beine laufen lassen. Das geht schnell, ist nicht aufwendig und verhindert, dass die Senioren einen Schock bekommen. Von Geheimtipps wie Stützstrümpfen, die das Absacken des Blutes in die Beine verhindern sollen, raten Mediziner ganz ab. Ältere Menschen sollten dann lieber einfach mal die Füße hochlegen.

Voller Napf

Die Hitze kann nicht nur Menschen an die Grenzen ihrer Belastbarkeit bringen. Auch Tiere kämpfen im Sommer mit den hohen Temperaturen – jedes auf seine Weise. Hunde zum Beispiel schwitzen nicht. „Hunde kühlen sich mit Trinken und Hecheln“, sagt Birgitt Thiesmann von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten. Deshalb ist es besonders wichtig, immer genug Flüssigkeit für den Vierbeiner bereitzustellen und nur morgens und abends mit ihm spazieren zu gehen. Vor allem aber sollte man das Tier niemals im geparkten Auto lassen. Wird es dann doch einmal zu heiß für den besten Freund des Menschen, was Herrchen und Frauchen an einer tiefroten Zunge und Hecheln mit gestrecktem Hals erkennen können, sollte der Hund so schnell wie möglich zum Tierarzt. Davor hilft es, ihn mit feuchten Tüchern am Körper zu kühlen. Auch für alle anderen Tiere gilt: Sie brauchen Schatten, ausreichend Wasser und genügend frische Luft, auch in der Wohnung oder dem Haus.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

Die Mega 90er-Party in der TUI-Arena

Fun Factory, Captain Hollywood Projekt oder Culture Beat: Bei der Mega 90er-Party haben die Musikgrößen der Neunziger in der TUI-Arena die gute alte Zeit wieder aufleben lassen. Und das Publikum feierte ungenierte zu den Beats seiner Jugend.