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Aus der Stadt Todesschuss: Video spricht gegen Notwehr
Hannover Aus der Stadt Todesschuss: Video spricht gegen Notwehr
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00:23 11.12.2015
Von Michael Zgoll
Benjamin Schmidt (v.l.), Matthias Waldraff und Fritz Willig mit Bassam A. (2.v.r.). Quelle: Nigel Treblin
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Hannover

Am 9. Juni 2015, nachts um 1.15 Uhr, erschoss der 41-jährige Kfz-Meister Bassam A. aus Anderten einen Menschen. Einen 18-Jährigen aus Moldawien, den er bei einem Einbruchsversuch mit drei Freunden ertappt hat. Seit Dienstag versucht das hannoversche Schwurgericht zu ergründen, ob der Familienvater aus Notwehr handelte. Ob er den Tod des jungen Mannes vor Wohnhaus und Autowerkstatt billigend in Kauf nahm, oder ob er ein Exempel statuieren wollte. Die Filmaufnahmen von zwei Überwachungskameras, die im Gerichtssaal gezeigt wurden, machten deutlich, warum sich Bassam A. wegen Totschlags verantworten muss.

Der Angeklagte wird von drei prominenten Anwälten vertreten: Matthias Waldraff, Fritz Willig und Benjamin Schmidt. Die Erklärungen, die sie für ihren Mandanten abgaben, gehen alle in die gleiche Richtung: A. habe in jener Nacht, als er vor dem Gebäude in der Lehrter Straße verdächtige Geräusche hörte, „panische Angst“ um sich, seine Frau und den vierjährigen Sohn gehabt. Er habe durch die Fenster schemenhaft vermummte Gestalten und einen Mann im roten Kapuzenpulli, mit einer schwarzen Pistole bewaffnet, gesehen, sei vor die Tür getreten, habe von einem der Eindringlinge den Ruf „Schieß“ gehört und daraufhin selbst gefeuert. „Todesangst“ habe ihn „überwältigt“, darum habe er nicht etwa die Polizei gerufen und sich versteckt. Oder Licht und Lärm gemacht. Jetzt werfe er sich ständig vor, einen Menschen getötet zu haben. Dies tue ihm „ehrlich und unendlich leid“, für alle Beteiligten.

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Der Prozess gegen den 41 Jahre alten Werkstattbesitzer Bassam A. hat mit einem Geständnis des Angeklagten begonnen.

Auf Filmaufnahmen im und vor dem Gebäude ist zu sehen, wie der Angeklagte gemessenen Schrittes und mit einer gewissen Entschlossenheit zur Haustür geht. In seiner rechten Hand hält er eine Neun-Millimeter-Pistole. A. hat sie just aus seinem Tresor geholt und auf dem Flur geladen. In seinem Haus bewahrt der Sportschütze mit Waffenschein vier Pistolen und neun Gewehre auf. In seiner Freizeit widmet er sich in einem Verein namens „Bang“ dem „dynamischen“ IPSC-Schießen, einer abgeschwächten, für Sportschützen zugelassenen Form des kampforientierten Combatschießens; A. gilt als treffsicherer Schütze. Er öffnet die Haustür, wendet sich gezielt nach links, geht leicht in die Knie und gibt in Combatschützen-Manier - beide Hände an der Waffe - einen Schuss ab. Er zögert nicht, stößt keinen Ruf aus, gibt keinen Warnschuss ab. Dann kontrolliert er kurz das Areal vor der Haustür, geht zurück ins Gebäude, wo seine Frau im Flur auf ihn wartet, und wählt den Notruf der Polizei. Bis die ersten Streifenbeamten eintreffen, Minuten später, bleibt die Haustür sperrangelweit offen stehen.

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Ein Einbruchsversuch hat einen 18-Jähriger in Hannover-Anderten mit dem Leben bezahlt.

Die vier Eindringlinge, nach einem Verwandtenbesuch erst seit zwei Wochen in Deutschland, laufen in Panik davon. Doch eine Kugel hat Maxim A. getroffen, unterhalb des Schulterblatts. 200 Meter entfernt, vor einem Supermarkt im Ohefeldweg, bricht er zusammen und stirbt wenige Stunden später im Krankenhaus.

Die Eltern des Opfers sind zum Prozess aus Moldawien angereist, die Mutter weint viel. Heute Abend findet vor der Anderter Autowerkstatt ein Ortstermin statt. Dann soll das Tatgeschehen nachgestellt werden, so genau wie möglich.

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