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Tödliche Gefahr an Badeseen in der Region Hannover

Kind ertrunken Tödliche Gefahr an Badeseen in der Region Hannover

Die tödliche Gefahr am Badesee: Im Silbersee in Langenhagen bei Hannover ist am Sonnabend ein fünfjähriger Junge ertrunken. Die DLRG mahnt: Zu viele Kinder können nicht schwimmen.

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Sprung ins Wasser – oder lieber doch nicht? Viele Kinder können laut DLRG nicht schwimmen.

Quelle: dpa

Am Ende dauerte die Suche unter Wasser viel zu lange, am Ende kam jede Hilfe für das Kind zu spät. Ein fünfjähriger Junge ist am Sonnabend im Silbersee in Langenhagen ertrunken. Das Kind aus Hannover hatte am frühen Abend einige Stunden mit Angehörigen an dem beliebten Badesee verbracht. Gemeinsam mit anderen Kindern spielte der Junge am Strand. Als der Ball gegen 20 Uhr ins Wasser flog, nahm das Unglück seinen Lauf: Der Fünfjährige lief ins Wasser, um das Spielzeug zurückzuholen, plötzlich war er dann verschwunden.

Die Badeaufsicht war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr im Dienst. Zahlreiche Badegäste begannen sofort mit der Suche und tauchten durch den See. Erst nachdem Minuten vergangenen waren, wählte jemand den Notruf. Etwa eine Viertelstunde nach Verschwinden des Fünfjährigen bekamen zwei Frauen den Körper des Jungen zu fassen und zogen das leblose Kind ans Ufer. Feuerwehrleute konnten den Fünfjährigen zunächst wiederbeleben. Er verstarb wenige Stunden später im Krankenhaus.

Der Junge mit muslimischen Hintergrund soll Nichtschwimmer gewesen sein – wie so viele andere Kinder in Hannover. Die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) beklagt, dass Kinder häufig viel zu schlecht oder gar nicht schwimmen können, vor allem dann, wenn sie aus sozial schwachen Schichten kommen. „In den Stadtteilen, wo das Geld knapp ist oder andere Prioritäten gelten, lernen die Kinder nicht schwimmen“, sagt Volker Streeck, Sprecher der DLRG Hannover.

Nach einer Statistik der DLRG sind landesweit nur 56 Prozent der Viertklässler nach Ende der Grundschulzeit „sichere Schwimmer“, verfügen also über mehr als das Seepferdchen. Ralf Zimmermann vom Landesverband der DLRG spricht von „dramatischen Zahlen“, auch wenn Niedersachsen im Bundesvergleich noch gut dasteht. Die DLRG macht dafür unter anderem Versäumnisse in den Schulen und bei den Kommunen verantwortlich. „In der Schule beginnt der Schwimmunterricht zu spät und wird stiefmütterlich behandelt“, sagt Streeck. Es fehle an qualifiziertem Lehrpersonal und ausreichend Schwimmhallen. „Das kann gefährlich werden, schließlich gehen die Kinder trotzdem zum Baden in Gewässer.“

Demis Meloni, Chef der hannoverschen Schwimmschule „Wassermeloni“, macht ebenso wie die DLRG gravierende Unterschiede zwischen den sozialen Schichten aus. „Einkommensstarke, bildungsorientierte Eltern kümmern sich sogar wesentlich früher um den Schwimmunterricht ihrer Kinder als vor 20 Jahren“, sagt er. Häufig habe er es in seiner Schwimmschule mit Kinder zu tun, die mit fünf oder sechs Jahren das Schwimmabzeichen in Bronze absolvierten. „In der Altersklasse darüber aber ist das Kursangebot in Hannover nicht ausreichend“, sagt Meloni. Die Schulen hätten derweil keine Chance, das Defizit auszugleichen. „Bei einem Lehrer-Schüler-Verhältnis von eins zu 30 ist es für keinen Lehrer zu leisten, den Kindern Schwimmen beizubringen“, sagt er.

Neben knappen Kassen sind oft kulturelle Unterschiede der Grund dafür, dass Eltern ihre Kinder nicht in Schwimmkurse schicken. „Gerade muslimische Eltern fühlen sich in Gemeinschaftsduschen und -umkleiden unwohl und gehen daher nicht mit ihnen ins Schwimmbad“, sagt Nada Nangia, AWO-Fachbereichsleiterin für Migration und Integration. Darüber hinaus fehle vielen Eltern in sozial schwachen Stadtteilen das Geld. Allerdings, sagt Schwimmlehrer Meloni, nähmen viele Familien bestehende Hilfsangebote nicht in Anspruch.

Auch die Stadt und das niedersächsische Kultusministerium haben das Problem erkannt. Die Stadtverwaltung arbeitet daher zurzeit einen Prüfauftrag aus dem Rat ab, wie mehr Schwimmunterricht in Hannover gewährleistet werden kann. Die Landesregierung hat gemeinsam mit dem Landessportbund das Programm „Lernen braucht Bewegung“ aufgelegt. Dafür stellt das Land seit 2007 jährlich 500 000 Euro bereit, mit denen Schwimmkurse bezuschusst werden. „Erklärtes Ziel ist, dass möglichst jedes Kind am Ende seiner Grundschulzeit schwimmen kann“, sagt Kultusminister Bernd Althusmann. Auch DLRG und Landessportbund haben ein Programm namens „Rettungsring“ aufgelegt.

Der am Sonnabend verstorbene Junge war erst fünf Jahre alt. „Das ist das Alter, in dem wir mit den Kindern erst anfangen zu arbeiten“, sagte Rolf Garlisch, Vorsitzender der DLRG in Langenhagen. Eltern seien in der Pflicht, ihre Kinder an Naturseen niemals aus den Augen zu lassen. „Das Kind war im Schwimmerbereich unterwegs. Nichtschwimmer gehören da nicht hin.“

Felix Harbart 
und Vivien-Marie Drews

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