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Zooviertel

Tödliche Messerattacke auf Studentin in Hannover

Von Tobias Morchner

Am Donnerstagmorgen hat ein 27-Jähriger seine 22 Jahre alte Lebensgefährtin in ihrer Dachgeschosswohnung in der Kirchwender Straße im Zooviertel von Hannover erstochen. Die Polizei konnte den flüchtigen Täter am Mittag festnehmen - er hat die Tat gestanden.
Vor dem Wohnhaus der getöteten Studentin in Hannover versuchen Polizisten in Schutzanzügen, den Tathergang zu rekonstruieren.

Vor dem Wohnhaus der getöteten Studentin versuchen Polizisten in Schutzanzügen, den Tathergang zu rekonstruieren.

© Tim Schaarschmidt

Miguel W.s Flucht dauerte nur sechs Stunden. Ein Mobiles Einsatzkommando (MEK) hatte ihn am Donnerstagmittag in Mellendorf als mutmaßlichen Mörder der Studentin Joanna S. festgenommen. Der 27-Jährige hatte gegen 6.30 Uhr seine 22 Jahre alte Freundin in deren Dachgeschosswohnung in der Kirchwender Straße im Zooviertel mit zahlreichen Messerstichen tödlich verletzt. Inzwischen hat W. ein umfassendes Geständnis abgelegt.

Der Tat soll ein lauter Streit vorausgegangen sein. Nach der tödlichen Messerattacke ergriff Miguel W., der einen deutschen Pass, aber brasilianische Wurzeln hat, die Flucht. Auf dem Weg in die Wedemark schickte er einem Verwandten eine Kurzmitteilung per Handy, in der er von der Bluttat berichtete. Der Empfänger der Nachricht alarmierte sofort die Polizei. Die Beamten brachen gegen 7 Uhr die Wohnungstür der Studentin auf und entdeckten den Leichnam von Joanna S. blutüberströmt im Schlafzimmer. Die Tatwaffe lag neben ihr auf dem Boden. Die Ermittler leiteten sofort eine groß angelegte Fahndung nach dem Flüchtigen ein. Sie erkundigten sich bei den Nachbarn, fragten in einer nahe gelegenen Bäckerei und in einem italienischen Imbiss nach Hinweisen zu dem 27-Jährigen. Zielfahnder fuhren parallel dazu zum Hauptbahnhof und zeigten Reisenden ein Foto des Gesuchten, in der Hoffnung, neue Erkenntnisse über den Verbleib des Täters zu gewinnen. Einer der Hinweise führte schließlich nach Mellendorf. Dort passte die Polizei den 27-Jährigen gegen 12.20 Uhr ab und führte ihn schließlich ab. Der Tatverdächtige leistete keinen Widerstand.

Miguel W., der an der Hochschule für Musik, Theater und Medien Journalistik studierte, ist bei der Polizei als Gewalttäter bekannt. Er soll unter anderem deshalb mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sein, weil er mehrfach seine Partnerinnen geschlagen hatte. Er galt als umgänglicher Typ, der aber in Konfliktsituationen regelmäßig die Beherrschung verlor. Die Ermittler vermuten, dass dieser Umstand auch am Donnerstag eine zentrale Rolle gespielt haben könnte. „Beziehungsstreitigkeiten“ kämen als Motiv in Betracht hieß es seitens der Behörde. Joanna S., eine Deutsche mit asiatischem Migrationshintergrund, hatte offenbar vor, sich von ihrem Freund trennen. Die Gründe dafür sind noch unklar. Offensichtlich wollte der Deutsch-Brasilianer diesen Umstand nicht wahrhaben, rastete aus und richtete in der Wohnung das Blutbad an.

Die Nachbarn, die von den Vorfällen auch Stunden nach der Tat noch geschockt waren, beschrieben die 22-Jährige als höfliche, stets freundliche junge Frau. Sie wohnte erst etwa ein halbes Jahr in der Kirchwender Straße, studierte an der Leibniz Universität Landschaftsarchitektur im dritten Semester. „Wir haben ansonsten nicht viel von ihr gemerkt, außer wenn sie mal Pakete bei uns abgeholt oder sich Stühle geliehen hat, weil ihre Eltern zu Besuch kamen“, erzählte ein Nachbar. Für den Donnerstagmorgen war die 22-Jährige mit einer Kommilitonin zum Frühstück bei sich zu Hause verabredet. Als der jungen Frau vor dem Wohnhaus des Opfers die Nachricht vom gewaltsamen Tod ihrer Freundin überbracht wurde, erlitt sie einen Schock.

Am Nachmittag wurde der Leichnam der jungen Frau in die Gerichtsmedizin gebracht und dort obduziert. Am Abend stand bereits das offizielle Ergebnis der Autopsie fest. „Die 22-Jährige ist durch mehrere Messerstiche in den Oberkörper getötet worden“, teilte eine Polizeisprecherin mit. Miguel W., der sich im Internet als „nett, lustig“ und als Mensch mit „viel Lebensfreude“ charakterisiert, wird heute dem Haftrichter vorgeführt. Dann fällt die Entscheidung, ob er die Zeit bis zum Beginn des Prozesses in Untersuchungshaft oder in Freiheit verbringen darf. Die Nacht über blieb der bekennende Anhänger der Hannover Scorpions und Freund von Hip-Hop- und R ’n’ B-Musik in einer Gewahrsamszelle der Polizeidirektion. Derzeit wird geprüft, ob er während der Tat unter dem Einfluss von Alkohol oder Betäubungsmitteln stand.

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