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Aus der Stadt Tödliche Waffen oder Sammlerstücke?
Hannover Aus der Stadt Tödliche Waffen oder Sammlerstücke?
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20:48 11.11.2013
Von Michael Zgoll
Auf den Tischen liegen Gewehre, Maschinenpistolen und Handgranaten. Quelle: Rainer Droese
Hannover

Die Waffen sollen dem 70-jährigen Waffennarren Uwe G. gehören, der sich vor dem Landgericht Hannover wegen Verbrechen nach dem Kriegswaffenkontrollgesetz und Verstoßes gegen das Waffengesetz verantworten muss. Der Angeklagte mit grauer Mähne, Rauschebart und Kapuze erinnert ein wenig an den Berggeist Rübezahl, doch Handschellen trug dieser gewiss nie.

G. verkneift sich jegliche öffentliche Äußerung, aber in einigen Bemerkungen seines Anwalts Christian J. Neumann schimmert dessen Verteidigungsstrategie durch. Mit dem im November 2012 entdeckten Waffenlager in der Löwenstraße will Uwe G. nichts zu tun haben; für diese Wohnung habe er keinen Vertrag unterschrieben und die Miete sei regelmäßig in bar eingezahlt worden. Viele der Schusswaffen, die die Polizei in der von G. gemieteten Wohnung in der Kronenstraße gefunden hat, sollen nur - funktionslose - Liebhaberstücke sein. Mit Waffenhandel, so Neumann, habe sein Mandant nichts zu schaffen.

Ein Experte des LKA erläutert der Kammer, welch tödliche Last auf vier langen Tischen ausgebreitet ist. Eine Büchse mit Ständer stammt aus dem 19. Jahrhundert, der Revolver Baujahr 1922 liegt neben der Wehrmachtspistole mit Hakenkreuz. Kalaschnikows und Uzi-Maschinenpistolen sind ordentlich aufgereiht, eine schwarze Panzerfaust sticht ebenso heraus wie ein silberfarbener Damenrevolver, und eine nur sechs Zentimeter langes Signalpistole löst allgemeines Erstaunen aus. Viele Schusswaffen sind nicht vollständig: Hier fehlt der Verschluss, dort der Griff, anderswo ein Lauf. Doch der Blick fällt auch auf Handgranaten, und Munition stapelt sich kartonweise. 17 600 Schuss hat das LKA bislang untersucht.

Gerichtstermin mit Panzerfaust und Maschinenpistolen: Im Prozess gegen einen mutmaßlichen Waffenhändler hat das Landgericht Hannover am Montag inmitten des beschlagnahmten Waffenarsenals verhandelt.

Viele der in den beiden Wohnungen gefundenen Flinten, erläutert der Sachverständige, seien irgendwann unbrauchbar gemacht worden - etwa durch das Fräsen von Löchern in den Lauf. Der Handel mit zum Töten ungeeigneten Deko-Waffen könne sogar legal sein, doch bewege man sich hier in einer Grauzone. Einige Handfeuerwaffen wurden mit Hilfe von Spezialwerkzeug und Schweißgerät auch wieder repariert, abgesehen von gut gepflegten Schießeisen im Originalzustand. „Hier liegen auf jeden Fall etliche voll funktionsfähige Waffen“, stellt der LKA-Experte klar. Das eigentliche Gutachten wird er dem Gericht aber erst Ende November präsentieren.

In der Vorwoche hatte sich die Kammer unter Vorsitz von Gabriele Immen per Lichtbilderschau und Befragung von Kripo-Beamten ein Bild davon gemacht, auf welches unglaubliche Durcheinander die Ermittler im November in Zooviertel und Oststadt gestoßen waren. Neben Schmuck, Bargeld, Waffen und Munition stießen sie auch auf Feuerwerkskörper in rauen Mengen. Hätte es in einer der Wohnungen einen Brand gegeben, so ein Polizist, wären Teile des Hauses in die Luft geflogen.

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