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Toilettenbau entzweit Anlieger am Opernplatz in Hannover

Streit um Bedürfnisanstalt Toilettenbau entzweit Anlieger am Opernplatz in Hannover

Die Stadt will das kleine Gebäude direkt am Lavesbau vor das Fenster des Intendanten stellen. Damit erreicht der Streit um das Stille Örtchen eine neue Stufe.

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Um den Standort einer öffentlichen Toilette am Opernplatz wird in Hannover derzeit heftig gestritten.

Quelle: Ralf Decker

Hannover. Nächstes Kapitel im innerstädtischen Toilettenstreit: Die Stadt will das geplante Bedürfnishäuschen jetzt vis-à-vis dem Arbeitszimmer des Opernintendanten platzieren. Landschaftsarchitekt Kamel Louafi, Erfinder des mit Millionenaufwand umgestalteten Platzes, schüttelt über diese Idee den Kopf. In der Oper ist man fassungslos. Intendant Michael Klügl ärgert sich nicht nur, dass für das Projekt die frisch gepflanzten Hecken auf dem Platz wieder herausgerissen werden müssen. „Es ist doch völlig klar, dass die Anlage schon nach wenigen Tagen für normale Menschen nicht mehr benutzbar sein wird“, sagt er. Zuvor war, wie berichtet, die bereits genehmigte Installation des Häuschens neben dem Marschner-Denkmal an Einsprüchen der Anlieger gescheitert. In der Oper vermutet man, dass die Stadt jetzt den Weg des geringsten Widerstands geht – und die Bedürfnisanstalt einfach neben eine der schönsten Landesimmobilien Hannovers platziert.

Die Geschichte des Problems ist eigentlich eine Geschichte des Erfolgs. Das von Hofbaumeister Laves geschaffene Operndreieck wird seit zwei Jahren nach Plänen des algerischen Landschaftsarchitekten Louafi (sein Büro ist in Berlin, er schuf in Hannover einst die Expo-Gärten) liebevoll aufgewertet. Hüfthohe Eibenhecken rahmen die Fläche, das große Sandsteinmahnmal ist zum Bestandteil der neuen, großen Boulevardachse geworden, die Rasenfläche vor der Börse ist zwar kleiner, dafür aber stilvoller angelegt. Die Konsequenz: Hannovers Bürger nutzen den Platz. Angestellte verbringen ihre Mittagspause in der Sonne, verliebte Paare turteln auf den Bänken, einkaufende Senioren nutzen das Gelände für Verschnaufpausen. Eine Gruppe aber benimmt sich flegelhaft daneben – und sorgt damit seit Anbeginn für Streit.

Die Oper müsse täglich einen Reinigungsservice ums Haus schicken, um den Unrat einzusammeln, berichtet Verwaltungsdirektor Jürgen Braasch. In den Treppenabgängen setzen sich Fixer ihre Spritzen, immer wieder wird die Fassade des wohl schönsten Lavesbauwerks in Hannover als Urinal missbraucht. „Es ist einfach nur ekelig“, sagt Klügl. Alle Appelle der Stadt, die nur 200 Meter entfernte öffentliche Toilette am Kröpcke zu benutzen, fruchteten bisher nicht. Jetzt soll der schwierigen Klientel für rund 10 000 Euro Steuergeld ein kostenloses Toilettenhaus auf den Platz gebaut werden.

Die Stadtentwässerung hat bei der Herstellerfirma Hering-Bau das Sonderexemplar einer ovalen Bedürfnisanstalt entwerfen lassen. Sie ist mit etwa drei mal vier Metern Grundfläche groß genug, um Toilette, Urinal, Handwaschbecken und Wickeltisch zu bieten, soll aber von außen deutlich zierlicher wirken als vergleichbare Bauwerke. Die anthrazitfarbene Metallverkleidung soll sich dezent in die Umgebung einpassen, das Innere barrierefrei und pflegeleicht sein. In der Stadtverwaltung soll man geneigt sein, die regelmäßige Wartung und Unterhaltung dem Werbeunternehmen DSM/Ströer zu überlassen, das auch die anderen öffentlichen Toiletten in der Stadt pflegt.

Der Einzige, der die Installation dieser Anlage effektiv verhindern könnte, will sich zurückhalten: Landschaftsarchitekt Louafi hat das Urheberrecht an der Platzgestaltung und könnte der Planung widersprechen. „Hannover muss selbst wissen, ob es diesen Platz so verschandeln will“, sagt er höflich. Er werde seine Zustimmung nicht geben. „Aber ich werde auch nicht offensiv dagegen vorgehen“, sagt er: „Die Zusammenarbeit mit dem Baudezernenten Bodemann ist so gut gewesen, dass ich nicht als Meckerer dastehen will“, sagt er. „Aber meine Haltung ist: Das ist das falsche Signal und der falsche Standort.“ Beispiele aus Berlin zeigten, dass problematische Zielgruppen ein derartiges Angebot ohnehin nicht annähmen. „Und es würde wohl keine andere Großstadt der Welt auf die Idee kommen, auf solch einem Platz ein Toilettenhaus zu errichten.“ Er plädiere – wenn überhaupt – für eine unterirdische Lösung.

Unterirdische Toilette könnte Probleme bereiten

Tatsächlich bewirtschaftet die städtische Tochtergesellschaft Union Boden die Operngarage direkt unter dem Platz. Sie verfügt über behindertengerechte Zugänge und ausreichend Stellflächen, von denen sich durchaus etwas Raum für eine kleine Toilettenanlage abzwacken ließe. Doch die Stadt fürchtet offenbar, dass eine unterirdische Bedürfnisanstalt problematische Nutzer anzieht. Ohnehin heißt es, dass die Stadtverwaltung gar nicht so glücklich über das gesamte Thema sein soll. Im vertraulichen Verwaltungsausschuss des Rates soll die Verwaltungsspitze dringend davon abgeraten haben, eine öffentliche Toilette am Platz zu bauen. Doch die Kommunalpolitiker sollen alle Bedenken mit 10:1 überstimmt haben. „Die wollen mit dem Bau der Toilette doch nur ihr Gewissen beruhigen“, sagt ein Verwaltungskenner.

Zu den Absurditäten der Geschichte gehört auch, dass ein Alternativstandort in der Sophienstraße am Einspruch der Denkmalschützer gescheitert ist. Die historischen Bauten in der Straße, etwa das Künstlerhaus oder die monumentalen Bankhäuser, könnten unter der Toilettenhausoptik leiden, sollen die Denkmalschützer vorgebracht haben und dass Sichtachsen versperrt würden. „Gilt das etwa nicht für das Opernhaus?“, fragt sich Intendant Klügl: „Das ist doch alles ein provinzieller Witz.“

Nächste Woche gibt es einen Gesprächstermin bei Oberbürgermeister Stephan Weil zum leidigen Thema Toilettenhaus. Intendant Klügl und Verwaltungsdirektor Braasch wollen dort ihre Bedenken noch mal vortragen. Sie setzen durchaus Hoffnung in ein Machtwort des Verwaltungschefs: Der hatte im Mai bereits die schon genehmigten Pläne gestoppt, das Toilettenhaus direkt an die Georgstraße neben die Standbilder zu stellen.

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