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Die Südstadt wird zu Mittelerde

Tolkien-Tage in Hannover Die Südstadt wird zu Mittelerde

Für Tolkien-Fans ist Mittelerde überall – auch in Niedersachsen. Und vor allem am Wochenende: Dann organisiert der Stammtisch der Hobbits und Elben ein Festival mit Vorträgen, Elbentanzkursen und Rollenspielworkshops in der Südstadt.

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Quelle: Warner Bros.

Hannover. Ulrich Hacke ist der Kartograf. Na ja, eigentlich ist er Informatiker und pflegt für die Evangelische Kirche Deutschlands die Internetseiten. Aber wenn Hacke sich nach Feierabend seiner Leidenschaft, dem Werk des britischen Fantasyautors J.R.R. Tolkien, zuwendet, dann ist er der Kartograf. Anders gesagt: Wer sich in Mittelerde verlaufen hat, sollte Ulrich Hacke anrufen. Er hilft raus.

Ein Faible für alte Landkarten habe er immer schon gehabt, sagt er. Ein historischer Atlas von Mittelerde hat dann seine Neugier geweckt. Erkenntnis: Das Land der Hobbits, Elben, Zwerge, Menschen und Orks ist ziemlich groß, oder wie es Hacke ausdrückt: „Selbst wenn man so ein schönes Verkehrsmittel wie einen Adler hat, braucht man ein paar Tage.“

Tolkien-Stammtisch trifft sich zweimal im Monat

Fest steht: Hacke ist Experte. In Hannover nicht der einzige. Wer dem Werk des Schriftstellers auch jenseits des Kino- oder Heimkinosessels auf den Grund gehen will, besucht den Tolkien-Stammtisch Hannover, dem der 43-Jährige vorsteht. An jedem zweiten Freitag im Monat treffen sich bis zu 30 Zugeneigte im Clubzimmer eines Kleefelder Restaurants. Studenten, Verkäufer, Akademiker, Anfang 20 bis Mitte 70, leichter Frauenüberhang. Weiteste Anreise: Braunschweig - aus traditionell hannoverscher Sicht das Mordor Niedersachsens. Aber am Stammtisch versteht man sich bestens. Chef Hacke hat sogar seine Frau hier kennengelernt. Tolkien sei Dank.

Das Forum vereint Mitglieder der Deutschen Tolkien Gesellschaft und einfach Tolkien-Freunde. Man trifft sich zum Lesen, Diskutieren, Analysieren oder um unterschiedliche Übersetzungen zu vergleichen. Ab und zu gibt es Exkursionen, gerade war der Stammtisch in Oxford. Die Gruppe ist viel mehr Literaturzirkel als Kostümkreis. Nerds ja, keine Freaks. Fans halt. Hier und da geht es schon ans Eingemachte. „Wir haben eine Frau am Stammtisch, die angefangen hat, Elbisch zu lernen und sich auch mit der Grammatik auseinanderzusetzen. Sie hat Grußkarten auf Elbisch geschrieben.“ Hacke hat von einer Gruppe erfahren, die den „orkischen Infinitiv“ herausgearbeitet hat. „Das ist schon ein bisschen grenzwertig.“ Faszinierend findet er’s trotzdem. Hacke selbst hat ein Buch geschrieben. Es heißt „Pauschalreisen nach Mittelerde“. Ein moderner Urlaubsführer durch Hackes altes Lieblingsland. Teil vier heißt „Superschnäppchen für Frühbucher“.

Es ist Tolkien-Tag

Bei den momentanen Treffen wird gemeinsam das „Silmarillion“ gelesen, die Vorgeschichte zum „Hobbit“, eine Art Altes Testament im tolkienschen Kosmos. „Ein schweres Werk. Wenn man es sich gemeinsam erschließt, wird es einfacher“, sagt Hacke. Doch die Gruppe weitet gelegentlich auch den Blick: „Es geht auch mal um Fantasyliteratur im Allgemeinen oder um Science Fiction. Auch der neue „Star Wars“-Film ist bei uns ein Thema.“

Doch im Moment kann es nur einen geben. Denn einmal im Jahr, an diesem Wochenende nämlich, geht’s für die Tolkien-Gefährten so richtig rund: Es ist Tolkien-Tag. Da wird aus Hacke auch schon mal der Herr der Augenringe, es ist „richtig schlauchig“, weil es so viel vorzubereiten gibt.

Serviert werden „Ork-Ohren“ 

Dafür wird die Pauluskirche in der Südstädter Meterstraße für ein Wochenende vermittelerdet. In den umbenannten Räumen „Rohan“, „Bree“ und im Saal „Auenland“ gibt es am Sonnabend von 11 bis 17.30 Uhr sowie am Sonntag von 10 bis 17.30 Uhr Vorträge, Elbentanzkurse, Rollenspielworkshops oder Schmuckbasteln für Kinder - und passendes Essen: In der Küche werden unter anderem „Ork-Ohren“ serviert. Klingt mäßig appetitlich, ist aber kein Originalrezept, sondern ein Sandwich: „Haben wir uns ausgedacht“, sagt Hacke. Fantasy eben.

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