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Mach dich mal locker, altes Schützenfest!

Tote Hose auf dem Festplatz in Hannover Mach dich mal locker, altes Schützenfest!

Das Schützenfest in Hannover gilt als das größte der Welt. Doch statt Menschenandrang und einer Stadt in Partystimmung gibt es Lücken am Ausmarschweg und tote Hose auf dem Festplatz. Größe sieht anders aus. Steckt das Schützenfest in der Traditionsfalle? Oder muss man einfach mal ehrlich sein und auch über Altes ganz neu denken, fragt Uwe Janssen.

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Quelle: Montage/HAZ

Hannover. Hannover ohne Schützenfest? Nein, das ist nicht denkbar. Es ist schließlich das weltgrößte, und wenn man etwas Weltgrößtes hat, sollte man das auch bewahren und nach außen anpreisen. Das Schützenfest ist eine Marke, und in einer Stadt wie Hannover, die jetzt - hoffentlich nur vorübergehend - Zweitligafußballstadt ist, sollte man Marken mit Strahlkraft pflegen. Und an ihnen arbeiten.

Denn diese „Weltgröße“ scheint zur Floskel zu verkommen und deckt sich kaum noch mit der Realität. Der Ausmarsch der Schützen ist nach wie vor stattlich in der Teilnehmerzahl, doch an mancher Ecke winkten auch bei dieser 487. Ausgabe die Schützen ins Leere. Auf dem Festplatz gibt es Stoßzeiten, in denen es brummt, aber sie werden weniger und kürzer. Die Zelte, früher nicht nur am Party-Dienstag vollgestopft mit feierndem Volk, sind halb leer. Nein, so ehrlich muss man sein: Ein Pflichttermin für die Bürger ist dieses weltgrößte Schützenfest nicht mehr. Das zeigen auch die Besucherzahlen. 

Zu langweilig, zu uncool

Dass es vergangenes Jahr zu heiß war und dieses Jahr zu kühl ist, taugt genau so wenig als Ausrede wie eine Fußball-Europameisterschaft. Eher muss man wohl sagen: zu langweilig, zu uncool. Man sollte das ernst nehmen und nicht wie so oft in solchen Fällen mit dem Argument des gelebten Wertkonservatismus totschlagen. Was nützt Nostalgie und Tradition bei einem Volksfest, wenn es das Volk nicht mehr interessiert? Oder kennen Sie jemanden, der ehrlich vom Schützenfest schwärmt?

Hannover, das wird sich in ein paar Wochen wieder zeigen, hat sich entschieden. Für das Maschseefest als gesellschaftliches Event, als Partymittelpunkt des Sommers, als Volksfest des Jahres, an dem man sein Geld lieber lässt als bei Achterbahn und Schießbude. Tolle Lage, tolles Flair, tolle Bands und - ganz wichtig - eine sehr hannoversche Angelegenheit. Das ist das Schützenfest ursprünglich auch mit seiner in den städtischen und umliegenden Vereinen verankerten Tradition. Aber die Schützen sind nach dem Ausmarschsonntag kaum noch zu sehen, und anschließend gilt, ähnlich wie beim Fußball: Entscheidend ist auf dem Platz.

Das hat die hannoversche Gastronomie am Maschsee längst verinnerlicht. Um den See haben sich die Gastronomen positioniert und ziehen ihre Gäste mit an diesen hochattraktiven Ort.

Warum gibt es kein Konzertzelt?

Auch auf dem Schützenplatz zapfen Wirte der Stadt, aber es sind zu wenige, um dem Fest Heimspielcharakter zu verleihen. Ist die Idee von Brauhaus-Gastronom Philipp Aulich, die Zahl der Buden auszudünnen und stattdessen eine mit dem Schützenwesen kompatible Messe auf dem Gelände anzusiedeln, so abwegig? Warum gibt es kein Konzertzelt? Warum spielt nicht Bosse auf dem Schützenfest? Oder Fettes Brot?

Man muss das Schützenfest nicht abschreiben, ganz und gar nicht. Doch der Abschied von Klaus Timaeus als Organisator ist ein guter Zeitpunkt, grundlegend über Neues nachzudenken und dabei auch vor dem mächtigen Begriff der Tradition nicht halt zu machen.

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Es hat ja schon Bewegung gegeben, die zeigt, dass Modernisierung nicht zwingend auch Entwertung des Althergebrachten bedeuten muss. Das Gay-Zelt, zunächst argwöhnisch beäugt, hat sich längst als jung, frisch und partykompatibel auf dem Schützenplatz etabliert. Der HAZ-Wettbewerb „Die Goldene Fanfare“, der gerade zum zweiten Mal das große Alt-Hanovera-Festzelt füllte, bringt mit seiner Mischung aus Dorffest und Contest die Tradition augenzwinkernd und ziemlich locker ins Event-Format. Genau so kann es gehen.

Diese Grundidee hoch zehn, das Ganze zeitgemäß vermarkten und in den richtigen Kanälen unters Volk bringen - wenn entlang solcher Fixpunkte ein bisschen Hipness entsteht und vor allem ein Hannover-Gefühl, kommt auch das Volk wieder zum Volksfest. Und es soll keiner sagen, dass die Stadt zwei davon nicht verträgt.

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