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Aus der Stadt Tote Prostituierte aus Hannover: Dirk K. bestreitet Tat
Hannover Aus der Stadt Tote Prostituierte aus Hannover: Dirk K. bestreitet Tat
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22:26 03.03.2010
Von Sonja Fröhlich
Der Angeklagte Dirk K. (rechts) sitzt neben seinem Anwalt Jörg Feldmann auf der Anklagebank. Quelle: dpa
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Der Angeklagte bemüht sich um einen seriösen Eindruck. Während sich vor ihm ein Tross von Kameraleuten und Fotografen aufbaut, faltet er die Hände auf dem Tisch und sucht das Gespräch mit seinem Anwalt. Dirk K. trägt ein weißes Hemd, eine schwarze Krawatte und einen anthrazitfarbenen Anzug mit feinen Nadelstreifen, der Falten schlägt und in dem ein Mann wie er, mit kurz geschorenen Haaren und einer Tätowierung im Nacken, verkleidet wirkt. Auf den ersten Blick wirkt der 39-Jährige gefasst, doch seine Hände, die er ständig knetet, bis die Knöchel fast weiß anlaufen, verraten seinen inneren Aufruhr. Im Prozess gegen ihn vor dem Landgericht in Verden will er aber schweigen.

Staatsanwalt Marc Kranen wirft dem gebürtigen Hannoveraner vor, am Abend des 4. August 2008 seine frühere Freundin Simone Müller getötet zu haben: „Er würgte seine Lebensgefährtin, die in Hannover der Straßenprostitution nachging, in Tötungsabsicht und versetzte ihr Faustschläge, sodass sie infolgedessen starb“, sagte Kranen am Mittwoch beim Auftakt des Totschlagsprozesses. Im Anschluss an die Tat soll Dirk K. die 31-Jährige auf einem Betriebsgelände in Wunstorf-Luthe vergraben haben. Zwei Jahre später entdeckte ein Baggerfahrer dort ihre Leiche. Als Motiv kommt möglicherweise infrage, dass sich Simone Müller von dem Arbeitslosen trennen wollte. Es ist nicht die Tat an sich, es sind vielmehr die Umstände, die diesen Prozess spektakulär machen. Die Ermittler der Polizei hatten den Fall nach zwei Jahren noch einmal aufgerollt und der Staatsanwaltschaft bedeutende Indizien geliefert. 14 Sachverständige und 72 Zeugen hat die Anklagebehörde aufgelistet. Das Gericht hat sich auf einen langwierigen Indizienprozess eingestellt, für den zunächst 25 Verhandlungstage angesetzt sind.

Wie erwartet stritt Dirk K. am Mittwoch ab, seine frühere Freundin getötet zu haben. Sein Anwalt Jörg Feldmann trug dem Gericht eine zehnseitige Erklärung vor. Darin bezeichnete er den arbeitslosen K. als eine Art Beschützer für die Prostituierte, mit der K. beruflich eine „enge Zusammenarbeit“ gepflegt habe. Am Abend der Tat habe K. seine Freundin in dem gemeinsamen Auto wie gewohnt zum Straßenstrich an der Herschelstraße gebracht und dann von der gegenüberliegenden Nikolaistraße aus beobachtet, wie sie zu dem ersten Freier des Abends ins Auto gestiegen sei. Danach will er sie nicht mehr gesehen haben. Sein Mandant glaube, ein unbekannter Freier sei für den Tod der Frau verantwortlich. Das, was der Anwalt verliest, klingt wie eine Reihe von Rechtfertigungen. Sie sollen wohl die Wiedersprüche zuvor getroffener Aussagen glätten und zu erwartende Vorwürfe abschwächen.

Zum Alibi seines Mandanten sagte Feldmann: „Er hat keine genaue Erinnerung daran, ob er das Fahrzeug gewaschen hat oder DVD-Filme aus einer Videothek geholt hat oder mit dem Hund spazieren gegangen ist.“ Für K. habe es sich um einen völlig normalen Abend auf dem Straßenstrich in Hannover gehandelt, begründete der Verteidiger.

Als Simone Müller später nicht zu einem verabredeten Treffpunkt gekommen war, will sich der Angeklagte auf die Suche nach ihr begeben haben. In verzweifelter Stimmung sei er in der Nacht in die gemeinsame Wohnung nach Schwarmstedt-Engehausen gefahren, dort habe er laut geweint und damit die Tochter von Simone Müller geweckt. „In dieser Situation ist es möglicherweise zu Äußerungen gegenüber dem Kind gekommen, welche von dem Mädchen missverstanden worden sind“, führte der Anwalt aus.

Die Zwölfjährige gilt als eine der Hauptbelastungszeugen in dem Verfahren. Wie sie der Polizei sagte, habe Dirk K. ihr erzählt, die Mutter blutend in der Nähe eines Flusses oder Kanals gefunden zu haben. Später soll er dem Mädchen unter Gewalteinwirkung gedroht haben, noch härter zuzuschlagen, wenn es erzähle, was mit der Mutter geschehen sei. Das Kind lebt mittlerweile an einem geheimen Ort. Das Gericht sprach sich am Mittwoch dafür aus, die junge Zeugin per Videoübertragung vernehmen zu wollen.

Das Kind sei schwer traumatisiert, erklärte Opferanwältin Christina Zemann-Waldraff. Ihr Mann Matthias Waldraff, der die Mutter der Getöteten in der Nebenklage vertritt, richtete bereits gestern scharfe Töne an den Angeklagten: „Ich glaube Ihnen nicht“, sagte Waldraff im Hinblick auf neue Gutachten, die Dirk K. weiter belasten sollen. Offenbar setzt der Anwalt darauf, dass der Angeklagte dem Druck des Verfahrens nicht standhalten kann und früher oder später ein Geständnis ablegen wird.

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