Mit einem ohrenbetäubenden Knall fliegt die Tür auf. Dicht hintereinander stürmen 40 vermummte Beamte in das Lokal und rufen laut „Polizei“. Nur Sekunden nach Beginn des Zugriffs haben die Mitglieder der sogenannten Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit (BFE) die glatzköpfigen Besucher eines illegalen Neonazikonzerts unter Kontrolle. Sie drängen die alkoholisierten Randalierer in eine Ecke der Gaststätte und führen sie dann nach und nach einzeln ab. Als der Einsatzleiter sein Funkgerät zückt und plötzlich „Rechtsradikale“ und Polizisten friedlich zusammenstehen, wird klar, dass es sich bei dem Einsatz um ein Training handelt.
Erst vor einigen Wochen wurde die BFE der zweiten Bereitschaftspolizeihundertschaft Hannover gegründet. Mit der neuen Einheit reagiert die Zentrale Polizeidirektion Hannover auf die steigende Zahl der Einsätze bei Fußballspielen, Demonstrationen oder auch Konzerten der links- oder rechtsextremen Szene. Nach Angaben der Polizei steigt die Gewaltbereitschaft unter den Besuchern vieler solcher Veranstaltungen. „Wir haben es auf der Gegenseite mit gut ausgebildeten und hoch motivierten Straftätern zu tun“, sagt Hundertschaftsführer Uwe Reinert.
Um den schwierigen Anforderungen des Einsatzes gerecht zu werden, trainieren die Beamten der BFE regelmäßig unter realitätsnahen Bedingungen, sagt Hauptkommissar Günther Köster, Zugführer der hannoverschen Einheit. Am Dienstag simulierten die Beamten dafür auf einem ehemaligen Kasernengelände in der Kugelfangtrift ein illegales Neonazikonzert. So sollen die Beamten sowohl physisch als auch psychisch auf die enormen Belastungen vorbereitet werden. Und damit die Einsätze möglichst reibungslos verlaufen, würden die einzelnen Phasen eines solchen Zugriffs immer wiederholt „Die Übung macht’s“, sagt Köster.
Die BFE sind vor allem dafür gegründet worden, Gewalt- und Straftäter aus der links- und rechtsextremen Szene in einer Menschenmenge, etwa einer Demonstration, zu erkennen und festzunehmen. „Und zwar beweissicher“, sagt Uwe Reinert. Ziel sei nicht, die Täter nur kurzfristig aus dem Verkehr zu ziehen. „Sie sollen überführt werden.“ Deswegen sind die Beamten der BFE mit Kameras und Aufnahmegeräten ausgerüstet, mit denen sie die Gewaltausbrüche der Täter oder auch verbotene Zeichen an deren Kleidung dokumentieren. Die Bilder werden später als Beweismaterial herangezogen.
Aber die Aufnahmen haben noch einen weiteren Hintergrund. Immer häufiger werde der Polizei ein willkürliches Durchgreifen unterstellt. „Wir müssen ständig nachweisen, dass wir unsere Einsätze innerhalb der gesetzlichen Vorgaben durchführen“, sagt Uwe Reinert.
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Kommentare
Terrorismus??? Georg Kreisler – 04.11.09
Terroristen gegen die Armen, Terroristen gegen die Umwelt, Terroristen gegen das Leben aber nicht einer gegen den StaatDirk Henry – 04.11.09
Da geb ich dir Recht, die Entwicklung ist wirklich besorgniserregend, egal ob rechts- links- fußball- oder spaßradikale, Terrorgefahr usw.Da geht, vor allem gesellschaftlich, einiges Schief.
Aber das gerade zu biegen kann nicht Aufgabe der Polizei sein und ist auch nicht ihr Auftrag.
Sie muss quasi die Scherben aufsammeln und schlimmeres verhindern. Und wenn es nun diese BFE`s sind. Finde ich auch nicht unverhältnismäßig. Wenn man sich die potentiellen "Gegner" so ansieht.
Im Zweifel macht es die Polizei eh falsch, entweder macht sie zuwenig (Roter Stern Leipzig), dann wird geheult die Polizei hätte mal was machen müssen, oder sie macht zuviel (meinetwegen Jolly Roger Hamburg), dann wird auch geheult. Möchte ich nicht drin sitzen in dieser Zwickmühle.
SEK Dirk – 04.11.09
Ist ja klar, immer mehr Einsätze.Brauchst ja nur mal deinen Koffer oder Rucksack am HBF abstellen und weg gehen. Schon ist das SEK da. Am schlimmsten wärs, wenn noch dein Wecker darin tickt.
Wo entzwickeln wir uns bloss hin??
... ... – 04.11.09
BFE... war da nichts was?Fussballspiel Hamburg, friedliche Demo in Berlin.
Wird sich auch Hannover bald mit einer solchen Einheit schmücken können?
VHM Henry – 03.11.09
... wegen der ganzen zivilisierten Radikalen.BFE 321meins – 03.11.09
Hurra,noch eine Schlägertruppe in Uniform...
Vielleicht doch lieber qualifizierte und zivilisierte Polizisten ausbilden als noch mehr von diesen maskierten schwarzen Truppen auf die Straße zu stellen.
Verhältnismäßigkeit ist wahrlich nicht die Stärke der sogenannten BFE...