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Trauer in Hannover um getötete Soldaten

Anschlag in Afghanistan Trauer in Hannover um getötete Soldaten

Drei deutsche Soldaten sind in Afghanistan ums Leben gekommen. Am Freitag findet die Trauerfeier in Hannover-Sahlkamp statt. Der ökumenische Gottesdienst beginnt um 12 Uhr, das Verteidigungsministerium erwartet etwa 600 Gäste.

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Vor der Scharnhorst-Kaserne in Bothfeld weht die Flagge auf halbmast. Einer der drei verstorbenen Soldaten war Angehöriger des Feldjägerbataillons 152.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Schon bevor die Soldaten der 1. Panzerdivision im Januar am Flughafen in Langenhagen die Maschinen in Richtung Afghanistan bestiegen, war alles vorbereitet – für den Fall der Fälle, den sich niemand vorstellen mochte. Bereits im Herbst hatten Stabsangehörige der Division zahlreiche Kirchen in Hannover besichtigt, Punkt für Punkt planten sie den möglichen Ablauf einer möglichen Trauerfeier. Stets in der Hoffnung, dass all das am Ende nicht gebraucht werden würde. Stets in der Hoffnung, dass alle Soldaten unversehrt aus dem Einsatz am Hindukusch zurückkehren werden.

Am vergangenen Mittwoch hat sich diese Hoffnung zerschlagen. Ein 33-jähriger Hauptmann starb nahe Kundus bei einem Sprengstoffangriff auf eine Bundeswehrpatrouille. Am Sonnabend forderte der Einsatz der Internationalen Schutztruppe (Isaf) in Afghanistan zwei weitere deutsche Todesopfer: Ein 43-jähriger Major aus Kastellaun in Rheinland-Pfalz und ein 31-jähriger Hauptfeldwebel aus Wildeshausen im Kreis Oldenburg kamen bei einem Anschlag der Taliban auf den Gouverneurspalast in der Stadt Taloqan ums Leben. Beide Soldaten gehörten zur 1. Panzerdivision und zu den engsten Mitarbeitern von Divisionskommandeur Markus Kneip, der bei dem Anschlag verletzt wurde – wie auch fünf weitere Soldaten. Im Januar erst hatte Kneip die Kurt-Schumacher-Kaserne an der Hans-Böckler-Allee verlassen, um in Afghanistan für ein Jahr das Regionalkommando Nord der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe zu führen. In den vergangenen Monaten wurde er fast rund um die Uhr von den beiden nun ums Leben gekommenen Soldaten begleitet.

Die radikal-islamischen Taliban haben am Sonnabend in Tachar, der Haupstadt der nordafghanischen Provinz Talokan, mindestens sieben Menschen getötet, darunter auch zwei Soldaten der Bundeswehr.

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Die zentrale Trauerfeier für die drei gefallenen Bundeswehrsoldaten soll am Freitag in der Epiphanias-Kirche in Hannover-Sahlkamp stattfinden. Der ökumenische Gottesdienst beginnt um 12 Uhr, das Verteidigungsministerium erwartet etwa 600 Gäste. Für die Öffentlichkeit wird die Veranstaltung auf Großbildleinwänden übertragen, die in der Nähe der Kirche aufgestellt werden. Wahrscheinlich wird das Fernsehen live von der Trauerfeier berichten. Einzelheiten über den Ablauf der Veranstaltung will das Verteidigungsministerium im Laufe des Dienstags bekannt geben.

Generalmajor Kneip soll in den kommenden Tagen zur medizinischen Versorgung nach Deutschland ausgeflogen werden und wird am Freitag an der Trauerfeier in Hannover teilnehmen. Bei dem gefallenen Hauptfeldwebel handelt es sich um einen Feldjäger, der für Kneips Sicherheit zuständig war. Der Einsatz als Personenschützer in Afghanistan gilt als ausgesprochen schwierige und kräftezehrende Aufgabe, die ein hohes Maß an Konzentration erfordert. Die Ausbildung der Feldjäger erfolgt seit 2009 in Hannover an der Schule für Feldjäger und Stabsdienst in der Emmich-Cambrai-Kaserne in Vahrenheide; die Soldaten kehren häufig schwer erschöpft aus dem Einsatz zurück.

Nach den Todesfällen in Afghanistan ist vorerst nicht geplant, das für den 8. Juli geplante Sommerbiwak abzusagen. An diesem Tag lädt die 1. Panzerdivision wieder Tausende Gäste zu der Traditionsveranstaltung in Hannover ein. Generalmajor Kneip wird voraussichtlich nicht daran teilnehmen. Er möchte so schnell wir möglich nach Afghanistan zurückkehren, um dort seine Aufgabe als Regionalkommandeur fortzusetzen.

Größter Verband des Heeres

Als sogenannter Leitverband stellt die 1. Panzerdivision den Großteil der rund 10.000 Bundeswehrsoldaten, die in diesem Jahr in den Auslandseinsatz gehen. Der Stab – also die Führung der Division – hat seinen Sitz in der Kurt-Schumacher-Kaserne in Hannover. Seit Dezember 2008 hat Generalmajor Markus Kneip das Kommando über den Großverband. Während die meisten Soldaten maximal sechs Monate am Hindukusch bleiben, wird er selbst das gesamte Jahr in Afghanistan verbringen. Kneip führt dort das Regionalkommando Nord der Internationalen Afghanistan-Schutztruppe (Isaf) mit insgesamt 11.000 Soldaten, darunter rund 5000 Deutsche. Er hat bereits im Jahr 2006 als erster deutscher Regionalkommandeur in Nordafghanistan Einsatzerfahrungen gesammelt.

Mit rund 22.000 Soldaten ist die 1. Panzerdivision der größte Verband des deutschen Heeres. Dem Stab in Hannover gehören etwa 250 Soldaten an, hinzu kommen weitere 150 Soldaten der Stabskompanie, die die Divisionsführung bei ihrer Arbeit unterstützen. Die zwölf Standorte der 1. Panzerdivision sind auf fünf Bundesländer verteilt. Im Januar verabschiedete der damalige Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg die 1. Panzerdivision mit einer Ansprache im niedersächsischen Landtag in den Auslandseinsatz. Generalmajor Kneip sprach damals deutliche Worte zu seinen Soldaten: „Führen Sie Ihre Soldaten gut. Mit Fürsorge und durch Ihr eigenes Vorbild, im Kampf robust und entschlossen, mit unermüdlichem Kümmern und gegenseitigem Vertrauen.“ Ende Juni findet ein Kontingentwechsel statt. Tausende Soldaten werden dann aus dem Einsatz zurückkehren und am Flughafen in Langenhagen erwartet.

Vivien-Marie Drews und Klaus von der Brelie

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