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Trauernde müssen Grab selbst ausheben

Juristisches Nachspiel Trauernde müssen Grab selbst ausheben

Weil die Friedhofsgärtner eine falsche Grube vorbereitet hatten, begann die Tochter der Verstorbenen während der Beerdigung damit, das Grab für die Urne ihrer Mutter auszuheben. Weil die Frau daraufhin dem Bestattungsunternehmen nur die Hälfte der Rechnung bezahlte, klagen jetzt die Bestatter.

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Der Friedhof von St. Marien war Ort des Dramas. Anwalt Michael Timpf vertritt Claudia Kassner aus Isernhagen.

Quelle: Zgoll

Hannover. Es war eine Beerdigung, wie sie niemand je erleben möchte. Nach der Trauerfeier in der Kapelle der St.-Marien-Kirche in Isernhagen KB bewegte sich die Schar der rund 20 Trauernden, die die Urne einer 89-Jährigen zu Grabe tragen wollten, zu deren letzter Ruhestätte. Doch sie wurden nicht zu dem sonnigen Platz geführt, den Claudia Kassner (57) für ihre verstorbene Mutter ausgesucht hatte, sondern zu einem mehrere Meter entfernten, im Schatten liegenden Loch. Eine Stunde lang warteten die Trauergäste vergeblich auf einen Friedhofsgärtner, der den Fehler korrigieren sollte, dann hoben sie an der vorgesehenen Stelle selbst eine 80 Zentimeter tiefe Grube aus.

Juristisches Nachspiel

Die Trauerfeier vom 22. April 2016, die etliche Anwesende bis ins Mark erschütterte, hat nun ein juristisches Nachspiel. Claudia Kassner überwies dem alteingesessenen Bestattungsbetrieb aus Isernhagen nur die Hälfte der in Rechnung gestellten 2058 Euro. Daraufhin verklagte die Firmenchefin die Tochter beim Amtsgericht Burgwedel auf Zahlung der fehlenden 1029 Euro plus Nebenkosten. Anwalt Michael Timpf, der die 57-Jährige vertritt, findet dies empörend: „Das Vorhaben, die Seniorin in Würde zur letzten Ruhe zu betten, endete in einer Katastrophe.“ Dass die Bestatterin nun den vollen Betrag eintreiben will, hält er für völlig unangemessen. Die Gemeinde Isernhagen immerhin hat darauf verzichtet, einen Gebührenbescheid zu erheben.

Tochter hebt Grab der Mutter aus

Die Tochter hatte bei der Beerdigung zunächst persönlich versucht, mit einem Schäufelchen das Loch an der richtigen Stelle auszuheben. Das aber mochte der Pastor nicht lange mitansehen und organisierte aus dem Gerätehaus einen Spaten. Zwei Männer vollendeten schließlich das Werk, das die aufgelöste Tochter begonnen hatte.

Alexander Kumlehn, Anwalt der Klägerin, sprach im gestrigen Prozess bei Zivilrichterin Kristina Manthey selbst von einer „unsäglichen Situation“ bei der Trauerfeier. Jedoch seien die Friedhofsgärtner Schuld am Ausheben der falschen Grube, nicht seine Mandantin. Ein Dokument aber beweist, dass die Bestatterin bei der Gemeinde den falschen Platz angab.

„Mich hat diese schreckliche Beerdigung wahnsinnig belastet“, sagt Claudia Kassner, „zumal sich die Bestatterin nie bei uns entschuldigt hat.“ Das Urteil wird am 17. Oktober erwartet.

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