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Trickdiebe für schuldig gesprochen

Falsche Polizisten Trickdiebe für schuldig gesprochen

Sie gaben sich als Polizisten aus, drangen in die Wohnungen betagter Bürger ein und erbeuteten unter anderem Geld und Schmuck. Jetzt wurden die beiden Trickdiebe, die in der Südstadt, Ricklingen und Bemerode unterwegs waren, für schuldig gesprochen.

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Robert B. (v. l.), die Verteidiger Karlheinz Hoppe und Fritz Willig sowie Silvio M.

Quelle: Florian Petrow

Hannover. Die beiden Männer klingelten an den Wohnungstüren betagter Bürger und gaben sich als Polizisten aus. Hatten sie erst einmal einen Fuß in die Räumlichkeiten in Südstadt, Ricklingen oder Bemerode gesetzt, lenkte ein Besucher die Senioren ab, während der andere Geld und Schmuck einsackte. Gestern wurden die Täter von einer Schöffenkammer am Amtsgericht wegen acht Fällen von gemeinschaftlichen schweren Diebstahls, wegen eines Diebstahlsversuchs sowie eines Falls von Computerbetrug schuldig gesprochen. Der 36-jährige Robert B. wurde zu zweieinhalb Jahren verurteilt (ohne Bewährung), der 34-jährige Silvio M. zu 22 Monaten (mit Bewährung) plus dem Ableisten von 200 Stunden gemeinnütziger Arbeit. Beide Männer saßen bereits ein halbes Jahr in U-Haft.

Die Masche der Betrüger, die zwischen Dezember 2015 und Februar 2016 auf Beutezug gingen, war immer ähnlich. Sie erklärten den Senioren, dass es in der Nachbarschaft zu Einbrüchen gekommen sei. Deshalb müsse die Kriminalpolizei überprüfen, ob Fenster und Türen gut gesichert und alle Wertsachen noch an ihrem Platz seien. Die meisten Opfer waren Frauen, die Altersspanne reichte von 72 bis 91 Jahre. Nun gab es durchaus Mieterinnen, die argwöhnisch waren und die Männer nicht in ihre Wohnungen lassen wollten. Doch wurden sie mit gutem Zureden und Drohungen zum Öffnen ihrer Türen überredet, auch hielten die Täter ihnen ihre angeblichen Polizeiausweise vor die Nase. Dass es sich dabei um ganz andere grün-weiße Karten handelte, bemerkten die oft sehbehinderten Senioren nicht.

Die Beute der beiden Trickdiebe schwankte zwischen 25 und 8000 Euro in bar, die meisten Beträge lagen im niedrigen dreistelligen Bereich. Einigen Frauen kamen auch liebgewonnene Ringe, Armbänder und Ketten abhanden, teils mehrere Tausend Euro wert. Treuherzig zeigten die Senioren den Betrügern ihre Verstecke - und mussten ihre Gutgläubigkeit teuer bezahlen. Mit einer Geldkarte konnten B. und M. 1000 Euro von einer Sparkasse in Groß-Buchholz abheben: Die PIN lag auch im Portemonnaie.

Beide Männer gestanden ihre Taten, darum mussten die Opfer nicht als Zeugen aussagen. Nur eine bestohlene Seniorin aus der List wohnte dem Prozess als Zuschauerin bei; sie beklagte, dass sie ihr Geld sehr wahrscheinlich nie wiedersehen werde. Robert B. ist nach eigenen Angaben Alkoholiker, Analphabet und Vater von sieben Kindern; im Bundeszentralregister finden sich 17 Einträge wegen Betrügereien, Diebstählen und Verkehrsdelikten. Silvio M. war bislang nicht vorbestraft, doch lebte der Mann mit dem Realschulabschluss ebenfalls von Sozialhilfe, und er ist spielsüchtig.

Die Vorsitzende Richterin nannte die Trickdiebstähle „schäbig“. Die Täter hätten sich schutzbedürftige Menschen als Opfer ausgesucht und den oft ausgeprägten Respekt von Senioren vor der Obrigkeit schamlos ausgenutzt. Auch würden viele der Opfer sicher bis an ihr Lebensende unter den psychischen und materiellen Folgen der Taten leiden.

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