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Trifft die Uni die Schuld am tödlichem Sturz?

Unglück am Conti-Hochhaus Trifft die Uni die Schuld am tödlichem Sturz?

Das Unglück geschah im Hochhaus am Königsworther Platz: Im November 2014 stürzte ein Mann aus dem 14. Stock in den Tod. Seine Witwe hat nun die Leibniz-Uni verklagt, das Geländer der Balkonbrüstung sei zu niedrig gewesen.

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Das Unglück geschah im Hochhaus am Königsworther Platz (l.): Das Opfer fiel aus 50 Metern in den rückwärtigen Hof. Jetzt sind die Fenster besser gesichert. Fotos: privat (2)

Hannover. Es war ein entsetzlicher Anblick, der sich den Ersthelfern am 27. November 2014 gegen 18 Uhr bot: Ein Mann lag zerschmettert im Innenhof des Conti-Hochhauses der Leibniz-Uni, nachdem er aus dem 14. Stock in den Tod gestürzt war. Offenbar hatte der 68-jährige Gasthörer im Anschluss an ein Kunstseminar noch Aufnahmen von Hannover gemacht - und beim Fotografieren an einer Balkonbrüstung das Gleichgewicht verloren. Nun erheben die Witwe und ihr Anwalt schwere Vorwürfe: Das Geländer sei unvorschriftsmäßig niedrig gewesen, außerdem habe die Uni die bodentiefen, wie Türen zu öffnenden Fenster nicht ausreichend gesichert. Am Mittwoch begann vor der 16. Zivilkammer des Landgerichts ein Prozess: Die 68-jährige Frau aus der List fordert knapp 31.000 Euro Schmerzensgeld und Schadensersatz.

2014 stürzte ein Mann aus dem 14. Stock des Conti-Hochhauses und verunglückte tödlich. 

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Laut Niedersächsischer Bauordnung, so Anwalt Hans-Georg Tillmann, muss eine Balkonbrüstung ab 12 Meter Gebäudehöhe mindestens 1,10 Meter hoch sein. Das Geländer im Fahrstuhl-Vorraum des 14. Stocks messe aber nur 1,01 Meter - bei einer Hochhaushöhe von 50 Metern. Nun habe es zwar eine lange Aluminiumlatte gegeben, die vor der Fensterfront in Halterungen steckte; jedoch sei diese nicht fixiert und leicht herausnehmbar gewesen. Eine solche Sicherung, so Tillmann, war völlig unzureichend, um auf die tödliche Gefahr jenseits der Scheiben hinzuweisen.

Nach dem Unglück hatte man die Aluleiste auf dem Fußboden liegend gefunden. Wer sie aus der Halterung entfernt hat, ist offen; Fingerabdrücke nahm die Polizei nicht. Die Fenster wären laut Zeugenaussagen aber gelegentlich offen gewesen, sagt der Anwalt.

"Ich muss die Schuldfrage geklärt haben"

Den Schmerzensgeldanspruch des Verstorbenen - der auf die Witwe übergehen würde - beziffert der Anwalt mit 15 000 Euro, für die Mandantin selbst fordert er 10.000 Euro. „Man kann sich wohl kaum ein schrecklicheres Gefühl vorstellen, als von einer Sekunde auf die andere mit seinem eigenen Tod konfrontiert zu werden, wenn man aus 50 Metern in die Tiefe fällt“, versucht er sich in die Gefühlswelt des Opfers hineinzuversetzen. Bei der Frau würden die Fantasien über das grauenvolle Zerschmettern des Körpers bis heute nachklingen, sie sei in tiefe Trauer und Depression verfallen. „Ich muss die Schuldfrage geklärt haben, ich kann so nicht weiterleben“, sagte die 68-Jährige.

Allerdings machte die Richterin der Witwe nicht viel Hoffnung. Sie bezweifelt, dass ein französischer Balkon mit 30 bis 40 Zentimeter Tiefe überhaupt ein regulärer Balkon ist. Auch sei mittels der Latte klar signalisiert worden, dass man die Fenster nicht öffnen solle.

Inzwischen hat die Uni die Glasfronten im Conti-Hochhaus wesentlich besser gesichert als früher. Die Griffe sind verschlossen, zudem verhindert ein fest verschraubtes Metallrohr ein Öffnen der Fenster. Der Prozess wird nächste Woche fortgesetzt.

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