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„Manche Kunden haben einfach Angst“

Trinkerszene am Raschplatz „Manche Kunden haben einfach Angst“

Scharfer Geruch, Bierbüchsen und eine beklemmende Atmosphäre: Die Trinkerszene am Raschplatz macht Passanten und Geschäftsleuten zunehmend zu schaffen. Einige fordern hinter vorgehaltener Hand mehr Platzverweise, andere ein Alkoholverbot.

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„Kein öffentlicher Raum mehr“: Zwischen anderen Passanten lagern am Raschplatz Gruppen von Trinkern.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Man muss nicht sonderlich empfindsam sein, um sich hier unwohl zu fühlen. „Hier herrscht wirklich eine beklemmende Atmosphäre“, sagt eine Passantin, die gerade aus dem Hauptbahnhof kommt. Auf dem Weg hinaus auf den Raschplatz hat sie ihren Schritt beschleunigt, den Blick gesenkt und die Handtasche fest an sich gepresst. „Ein echtes Spießrutenlaufen“, sagt sie leise.

Auf der breiten Treppe lagern Dutzende von Männern in kleinen Gruppen. Viele halten Bierbüchsen in der Hand, eine Flasche kreist. Auf der Treppe liegen Scherben, und vor den Stufen schläft ein Mann seinen Rausch aus. Neben der Treppe, im Durchgang zum Bahnhof, stehen Betrunkene im Dämmerlicht beieinander. Sie reden laut, raue Stimmen. Der Boden ist feucht, es riecht scharf.

Für viele Passanten und Geschäftsleute wird die Trinkerszene, die sich hier regelmäßig versammelt, immer stärker zum Problem: „Diese Leute pinkeln überall hin“, sagt der Mitarbeiter eines nahen Ladens, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Manchmal steht eine Wand von 40 bis 50 Betrunkenen vor unserer Tür - das ist für uns massiv geschäftsschädigend.“

Unter Passanten und Geschäftsleuten am Raschplatz herrscht mittlerweile eine Mischung aus Empörung und Ratlosigkeit, aus Mitleid, Ekel und Angst. Einige fordern hinter vorgehaltener Hand mehr Platzverweise, andere ein Alkoholverbot. „Über Sozialarbeiter, die den Trinkern Perspektiven eröffnen sollen, lachen die sich doch kaputt“, sagt der Mitarbeiter eines nahen Geschäftes bitter. „Da draußen stehen ein paar Hundert Jahre Knast - da hilft nur eine harte Hand.“

Viele Mitarbeiter der hier ansässigen Läden können von Frauen berichten, die den Weg über den Raschplatz inzwischen nach Möglichkeit meiden. „Manche Kunden haben regelrecht Angst“, sagt ein Angestellter einer nahen Bar. „Wir werfen hier jeden Tag einen oder zwei Betrunkene raus.“ Er hat es kaum gesagt, als ein Polizeibus auf dem Raschplatz vorfährt. Die Beamten drehen eine Runde, stoppen kurz und fahren dann weiter. „Die Polizei ist oft da“, sagt der Mitarbeiter der Bar, „aber sie kann wohl nichts tun - und es ist unmöglich, mit diesen Leuten zu reden.“

Der Raschplatz in Hannovers Innenstadt ist als Treffpunkt für Alkoholkonsum bekannt. Das hinterlässt dort seine Spuren. Ein Besuch.

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Tatsächlich ist es schwer, mit Trinkern am Raschplatz ins Gespräch zu kommen, auch gegenüber der HAZ zeigten diese sich sehr reserviert. „Wir haben inzwischen eine Sicherheitskraft angestellt“, sagt Emre Akbulut. Der 33-Jährige leitet die Filiale der nahen Back-Factory. Einige Betrunkene hätten sich in seinem Laden bedient: „Natürlich umsonst“, sagt er. Der Sicherheitsmann verhindere Diebstähle inzwischen: „Aber das kostet Geld - und für Reisende, die am Bahnhof ankommen, ist so eine Kulisse keine gute Visitenkarte.“

Eine Passantin sieht die Lage eher gelassen: „Es ist doch nicht verboten, im Freien Bier zu trinken - der Raschplatz ist ein öffentlicher Raum“, sagt sie. Ein Argument, das Emre Akbulut so nicht stehen lassen will: „Wenn Eltern mit ihren Kindern sich nicht mehr hier entlangtrauen“, sagt er, „dann ist das eben kein öffentlicher Raum mehr.“

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