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Aus der Stadt Trinkerszene am Raschplatz breitet sich aus
Hannover Aus der Stadt Trinkerszene am Raschplatz breitet sich aus
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00:17 05.05.2016
Von Andreas Schinkel
Auf der Freitreppe zum Hauptbahnhof lagern regelmäßig Betrunkene. Quelle: Katrin Kutter
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Hannover

Sogar die Bahn sieht sich veranlasst, die Planungen für ihre Hannover-Zentrale danach auszurichten. Die Befürchtung wächst, dass die etwa 20- bis 30-köpfige Trinkerszene mehr Zulauf bekommt und sich auf andere Flächen, etwa den ehemaligen Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) ausdehnt. Dort entsteht demnächst der hannoversche Hauptsitz der Deutschen Bahn, ein repräsentatives Klinkergebäude mit Arkaden im Erdgeschoss. Jetzt erwägt die Bahn, die geplanten Arkaden abends mit Gittern zu verschließen, um zu verhindern, dass es sich Obdachlose und Betrunkene dort bequem machen. „Das ist in der Tat im Gespräch“, bestätigt Thomas Heinemann, Geschäftsführer der HRG, Eigentümerin des Raschplatzes.

Hygieneprobleme am Raschplatz

Er berichtet, dass Reinigungskolonnen den Raschplatz dreimal am Tag putzen. „Manche aus der Trinkergruppe schaffen es nicht zur Toilette“, sagt er. Die Stadt hatte vor drei Jahren eine kostenlose Toilette auf dem Raschplatz eingerichtet, um damit die Hygieneprobleme zu lösen – offenbar mit wenig Erfolg. Immer wieder beschwerten sich Ladeninhaber, sagt Heinemann. Aber ein Platzverweis sei unmöglich, solange die Trinker Passanten nicht belästigen. Ein Wachdienst schaue ständig nach dem Rechten.

„Wir brauchen ein Sozialkonzept für den Raschplatz“, fordert eine Kennerin der Szene. Ansonsten werde es auf dem Platz insbesondere in den wärmeren Monaten immer schlimmer. Das sieht auch Bezirksbürgermeister Michael Sandow (SPD) so. „Wir müssen den Menschen, die sich dort treffen, eine Perspektive eröffnen“, sagt er. Erfahrene Sozialarbeiter sollten sich um die Trinkerszene kümmern. „Hier hilft kein Polizeiknüppel“, sagt Sandow.

Stadt beobachtet die Situation

Die Stadt Hannover hält sich zurück. Sie hatte vor zwei Jahren die Sozialarbeiter vom Karl-Lemmermann-Haus beauftragt, einen Bericht über die Trinkerszene auf dem Raschplatz anzufertigen und Lösungen vorzuschlagen. Der Bericht wird unter Verschluss gehalten. Auf Nachfrage teilt die Stadt lediglich mit: „Das Karl-Lemmermann-Haus hat festgestellt, dass die Szene am Raschplatz so heterogen und wechselnd ist, dass sich ein sozialpädagogisches Konzept nicht umsetzen lässt.“ Derzeit gebe es keine Beschwerden von Passanten, man beobachte die Situation. Tatsächlich brechen Aggressionen nur innerhalb der Trinkergruppe aus. Dann werden Beschimpfungen ausgestoßen, es kommt zu Handgreiflichkeiten. „Unsere Wachdienste fragen oft nach, ob sich jemand aus der Gruppe gefährdet fühle, aber dann schütteln alle den Kopf“, berichtet HRG-Chef Heinemann.

Die Gruppe besteht zu großen Teilen aus Osteuropäern. „Wir dürfen nicht zu oft vorbeischauen, sonst fühlt sich die Szene belästigt und die Stimmung kippt um“, sagt Heinemann. Er plädiert grundsätzlich für einen offenen Umgang mit den Trinkern. „Wir wollen keine Ghettoisierung“, sagt er.     

SPD hofft auf Aufwertung durch Kultur

Mit kreativen Ideen will die SPD-Ratsfraktion den hinteren Raschplatz-Bereich aufwerten. Insbesondere in der Unterführung unter der Hamburger Allee sehen die Sozialdemokraten noch viel Potenzial. Hier befinden sich Ladengeschäfte im Besitz der HRG, die aber derzeit durch Ziegelmauern von der Passage abgetrennt sind. Die SPD-Kultur-AG könnte sich an dieser Stelle etwa Kreativräume und Ateliers vorstellen. „Man muss nur alle an einen Tisch bekommen, um das hier zu beleben und eine neue Aufenthaltsqualität für den Raschplatz zu entwickeln“, sagte SPD-Kulturexpertin Belgin Zaman bei einem Ortstermin mit Künstlern und prominenten Sozialdemokraten wie Christine Kesting, Harald Härke und Michael Sandow.

Einen Schritt weiter ist die Jugendgruppe „Parkour Hannover“. Sie will den Platz „Damen von Messina“ auf der Zwischenebene zwischen Andreas-Hermes-Platz und Unterführung mit Graffiti verschönern. „Das Geld für die Graffiti haben wir zusammen“, sagt Sozialpädagoge Jan Biskup. Es fehle nur noch das Okay der Stadtverwaltung.

cli     

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