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Türke darf am Flughafen Hannover nicht türkisch reden

Luftsicherheitsassistent Türke darf am Flughafen Hannover nicht türkisch reden

Am Flughafen Hannover, wo Internationalität eigentlich großgeschrieben wird, muss Ibrahim E. ganz besondere sprachliche Spielregeln einhalten. Der 30-jährige türkischstämmige Luftsicherheitsassistent mit deutscher Staatsangehörigkeit, der die Passagiere an den Gates kontrolliert, muss genau darauf achten, wo er sich befindet, wenn er sich mit einem türkischen Kollegen auf Türkisch unterhalten will.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Hannover. Zudem spielt eine gewichtige Rolle, ob das Gespräch in seine Pause fällt. Denn während der Arbeitszeit ist er verpflichtet, mit seinen Landsleuten deutsch zu reden.

Ein vor dem Arbeitsgericht ausgetragener Streit zwischen dem Garbsener und seinem Arbeitgeber, der Flug- und Industriesicherheit Service- und Beratungs GmbH (FIS), endete am Dienstag mit einem kurios anmutenden Vergleich. Nach den Worten des Vorsitzenden Richters Peter Rieck muss das von der Bundespolizei beauftragte Unternehmen E. fortan gestatten, „sich in Pausenzeiten außerhalb von Arbeits- und Schulungsräumen mit seinen Landleuten in seiner türkischen Muttersprache zu unterhalten“. Im Umkehrschluss heißt das in letzter Konsequenz: E. darf nicht türkisch sprechen, wenn er sich mit türkischstämmigen Kollegen während der Arbeit oder bei einer betriebsinternen Fortbildung mal kurz verständigen will.

Vorausgegangen war eine Klage des Sicherheitsassistenten. Nach seiner Darstellung hat sein Vorgesetzter ihm am Rande einer internen Schulung im Oktober 2010 verboten, sich mit einem ebenfalls türkischstämmigen Kollegen in der gemeinsamen Landessprache zu unterhalten – stattdessen sollte deutsch geredet werden. Nach Aussage des 30-Jährigen waren zu diesem Zeitpunkt nur noch er, der Schulungsleiter und der türkisch sprechende Kollege im Raum. Auch für die Pausenzeiten im Arbeitsalltag soll es laut E. eine Anweisung gegeben haben, auf die türkische Kommunikation zu verzichten. Weil er sich diskriminiert fühlte, zog er vor Gericht.

E. ist in Hannover geboren und aufgewachsen, er spricht einwandfrei Deutsch. Er wolle aber auch am Arbeitsplatz nicht darauf verzichten, die kulturellen Wurzeln im Gespräch mit Türken zu pflegen, sagt er. Dass sein Mandant mit deutschen Fluggästen nur deutsch spreche, sei selbstverständlich, betont Anwalt Michael Falke. Unverhältnismäßig sei aber, ihm das Türkische zu verbieten. Falke berichtet von einer ähnlichen Beschwerde einer FIS-Mitarbeiterin.
Die beklagte Firma stellt die Sache anders da. Sie ließ dem Gericht mitteilen, dass es kein generelles Türkischverbot gebe, das sich auch auf die Pausenzeiten bezieht. Ein sprachlicher Vorfall wie der im Schulungsraum dürfe sich aber nicht wiederholen. Das bekräftigte eine Vertreterin am Dienstag vor Gericht. Richter Rieck wollte mit seinem Vergleichsvorschlag schließlich „klare Verhältnisse“ schaffen – beide Seiten akzeptierten.

Der Flughafen wollte sich zu dem Konflikt nicht äußern, weil FIS nicht im Auftrag des Airports tätig ist, sondern mit der Überprüfung der Passagiere Sicherheitsaufgaben für die Bundespolizei erfüllt. Für das direkt beim Flughafen angestellte Personal, das in den Terminals für Ordnung sorgt, gebe es keinerlei Restriktionen, wenn sich türkische Mitarbeiter am Arbeitsplatz auch in ihrer Landessprache unterhalten, sagt Airport-Sprecherin Anika Gerstenkorn. Ähnlich äußern sich Unternehmen wie VW Nutzfahrzeuge, die Üstra und die Sparkasse.

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