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Tunesischer Vater gibt Töchter nicht frei

Mädchen aus der List Tunesischer Vater gibt Töchter nicht frei

Seit gut einem Jahr werden zwei Mädchen aus der List bei ihrem Vater in Tunesien festgehalten. Am Donnerstag hat das Amtsgericht den 39-Jährigen zu einer Haftstrafe von einem Jahr verurteilt. Sollte er seine Töchter nicht nach Deutschland zurückkehren lassen, könnte ihm bald der nächste Prozess drohen.

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 „Es gibt in diesem Prozess nur Verlierer“, sagte Richterin Monika Pinski in ihrer Urteilsbegründung.

Quelle: Symbolbild (Archiv)

Hannover. Zwei Mädchen aus der List, sieben und neun Jahre alt, leben seit gut einem Jahr in Tunesien - und dürfen nach dem Willen des Vaters nicht zurück nach Deutschland. Am Donnerstag hat das Amtsgericht den 39-jährigen Kais B. wegen Kindesentziehung zu einer Haftstrafe von einem Jahr ohne Bewährung verurteilt. Doch gewonnen ist damit nichts, wie Richterin Monika Pinski in ihrer Urteilsbegründung festhielt: „Es gibt in diesem Prozess nur Verlierer.“ Die Mädchen müssen weiterhin in Tunesien leben, ohne ihre Eltern. Die 36-jährige Mutter wird ihre Töchter schmerzlich vermissen. Und auch den Mann, von dem sie sich getrennt hat, wird seine unnachgiebige Haltung sicher nicht glücklich machen.

Das Paar hatte sich 2002 kennengelernt und 2007 geheiratet. Doch dann traten immer stärker grundlegende Probleme in den Vordergrund: Die Mutter studierte und wurde Ärztin, der Mann schlug sich mit schlechtbezahlten Jobs durch und blieb irgendwann zu Hause. Die Beziehung kriselte schon eine Weile, als die Mutter eine kurzfristige Affäre hatte - so jedenfalls schilderte es Kais B. Diese Kränkung traf den Tunesier ins Mark, und er beschloss, sich über die Kinder an seiner Frau zu rächen.

Nach der Vernehmung von zehn Zeugen, überwiegend Verwandte des Paars, war eines klar: Es gab eine Absprache, die Kinder nach Tunesien zu schicken. Der Vater beharrte darauf, es sei um eine dauerhafte Übersiedlung der ganzen Familie gegangen. Die Mutter schwor Stein und Bein, es sei immer nur um ein halbes Jahr gegangen, damit die Kinder die Heimat ihres Vaters kennenlernen. Zu Beginn der Reise im August 2015 wäre die ältere Tochter in die dritte Klasse gewechselt, die jüngere eingeschult worden.

Vater hatte eine Ausreisesperre verfügt

Im Juni aber hatte die Ärztin etwas getan, was Pinski als „dumm“ bezeichnete: Die Mutter unterschrieb eine notarielle Erklärung, dass ihre Töchter nach Tunesien ausreisen, dort eine Schule besuchen und einen Abschluss machen dürfen. Auch bekamen die tunesischen Großeltern eine Untervollmacht für die Erziehung der Kinder ausgestellt. Eine Schwester des Ehemanns soll den Mädchen derzeit Förderunterricht geben - wohl, um die arabische Sprache zu lernen. Immerhin kann die Mutter oft mit den Kindern telefonieren.

Der spätere Familienrechtsstreit ging bis zum Oberlandesgericht Celle, am Ende bekam die 36-Jährige das alleinige Sorgerecht zugestanden. Doch hatte der Vater derweil eine Ausreisesperre für die Mädchen verfügt - ohne seine Zustimmung dürfen sie nicht zurück nach Deutschland. Der Staatsanwalt warf ihm Donnerstag vor, seine Kinder in diesem Streit zu instrumentalisieren. Sein Plädoyer: B. zu 20 Monaten Haft zu verurteilen. „Es geht Ihnen gar nicht um Ihre Töchter, Sie wollen nur Ihrer Frau wehtun“, meinte auch die Richterin. Sie gestand B. zu, gekränkt zu sein und auch zu leiden. Das gebe ihm aber nicht das Recht, seine Kinder zu verschleppen und ihre Mutter ins Unglück zu stürzen.

Sechs Monate U-Haft hat B. bereits verbüßt, diese werden auf die Haftstrafe von einem Jahr angerechnet. Sollte er sich im März 2017 immer noch nicht dazu durchgerungen haben, die Mädchen freizugeben, steht ihm der nächste Prozess ins Haus - und die nächste Verurteilung.

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