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Aus der Stadt Fragen und Antworten zum Südschnellweg-Tunnel
Hannover Aus der Stadt Fragen und Antworten zum Südschnellweg-Tunnel
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00:17 28.02.2016
Experten und Bürger 
sind sich einig: Die 
marode Brücke über den 
 Schnellweg an der 
Hildesheimer Straße soll durch eine Unterführung ersetzt werden –so viel ist klar. 
Ansonsten bleibt
bis zum Baubeginn
im Jahr 2023 
noch vieles offen.
      Quelle: Schaarschmidt
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Hannover

Die Frage kam in letzter Minute. „Gibt es eigentlich irgendjemanden im Raum, der keinen Tunnel möchte?“ Kein einziger Finger der rund 250 Gäste im Freizeitheim Döhren ging nach oben. Ein eindeutiges Bekenntnis. Die Hannoveraner sind grundsätzlich mit dem Konzept der Planer einverstanden, die abrissreife Brücke am Südschnellweg durch einen Tunnel zu ersetzen. Aber: Die Anwohner haben auch Bedenken. Das äußerte sich in Fragen an Verkehrsminister Olaf Lies (SPD), Projektleiter Jens Hanel und den hannoverschen Stadtbaurat Uwe Bodemann. Die HAZ beantwortet die wichtigsten.

Wer entscheidet, welche Ideen tatsächlich beim Ausbau umgesetzt werden?

Soweit es den Südschnellweg betrifft: das Land Niedersachsen. Für die konkreten Planungen sind das Ministerium für Wirtschaft und Verkehr und Projektleiter Hanel zuständig. Sie brauchen allerdings grünes Licht von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU). Denn es geht um einen dreistelligen Millionenbetrag, der vom Bund bezahlt wird. „Ich werde meinen Kollegen Dobrindt motivieren, diesen Weg mit uns zu gehen“, versprach Lies.

Wann geht der Ausbau los, und wie lange wird er dauern?

Der erste Spatenstich ist für 2023 geplant. Vorher muss das sogenannte Planfeststellungsverfahren abgeschlossen sein, das wird mindestens drei Jahre dauern. Bis alles fertig ist, werden dann noch drei bis fünf Jahre vergehen.

Welche Einschränkungen müssen die Anwohner in dieser Zeit ertragen?

Vor allem Lärm. „Wenn die großen Lastwagen vorbeifahren, klirren bei uns heute schon die Gläser im Schrank“, berichtete eine Döhrenerin. Hanel versuchte, zu beruhigen: Die Vorgaben zum Lärmschutz seien heute viel strenger als zur Zeit des Baus der Straße. Ob beispielsweise spezielle Fenster zur Lärmdämmung eingebaut werden oder sogar eine Lärmschutzwand aufgestellt wird, entscheiden die Verantwortlichen im Einzelfall.

Wird sich die Parkplatzsituation in Döhren während der Bauzeit verschlechtern?

Klare Antwort von Bodemann: Ja. Die Willmerstraße wird besonders betroffen sein. Dort wird viel Platz für die Baumaschinen benötigt. Die Stadtverwaltung wird sich Gedanken machen müssen, wo die Anwohner stattdessen in der Nähe parken können.

Wird die Stadt Grundstücke von Anliegern kaufen?

„Es ist ausgeschlossen, dass wir mit dem vorhandenen Platz auskommen“, sagte Hanel. Heißt im Klartext: Es wird Verhandlungen mit einigen Eigentümern geben. Dabei gilt der Grundsatz: Es wird versucht, so wenig wie möglich in „das hohe Gut Eigentum“ einzugreifen. Im schlimmsten Fall könnte es zu Enteignungsverfahren kommen, das soll aber unbedingt vermieden werden.

Besteht die Gefahr, dass Häuser wegen der Baumaßnahmen absacken?

„Die Planungen werden so aussehen, dass die Arbeiten nicht zu Schäden führen dürfen“, sagte Hanel. Um dennoch auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein, gilt die Beweissicherung. Das bedeutet: Vor Baubeginn werden die bestehenden Gebäude vermessen und fotografiert. Die Baustelle ist aber nicht die erste dieser Größenordnung in einem innerstädtischen Bereich, betont der Projektleiter. Es handele sich um ein Verfahren, das unter anderem in Düsseldorf und München erfolgreich erprobt worden ist.

Was wird für den Hochwasserschutz getan?

„Ein sehr sensibles Thema“, räumte Hanel ein. Deshalb werden Gutachter hinzugezogen, die penibel darauf achten sollen, dass der neue Tunnel keine Barriere für das Grundwasser darstellen darf. Notfalls müssen Kompensationsflächen ausgewiesen werden.

Was passiert, wenn sich die politischen Verhältnisse bei Wahlen bis 2023 ändern? Wird trotzdem gebaut?

Spätestens, wenn die Finanzierung durch den Bund steht, „gibt es kein Zurück mehr“, antwortete Lies. Er räumte aber auch ein, dass bis dahin noch viel Überzeugungsarbeit und viele Diskussionen in Form von Bürgerbeteiligungen warten.

Besteht die Gefahr, dass der Bund den Ausbau nicht bezahlt, weil eine neue Brücke günstiger wäre?

Nein, sagte Minister Lies. Der Ideenwettbewerb als Grundlage der Planungen sei eben deshalb gemacht worden, um „die Akzeptanz bei denen zu fördern, die am Ende bezahlen“. Elf der 14 eingereichten Entwürfe der Experten sehen einen Tunnel statt der Brücke vor.

Wäre weniger Verkehr an der Stelle nicht besser im Sinne des Klimaschutzes?

„Wir brauchen den Schnellweg, wenn wie als Messestadt attraktiv bleiben wollen“, sagte Lies. Natürlich spiele aber auch der Ausbau des Radwegs eine Rolle in den Konzepten.

Eine Ausstellung mit den Entwürfen aller 14 Architekturbüros, die am Ideenwettbewerb teilgenommen haben, ist ab Montag, 29. Februar, in der Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr an der Göttinger Chaussee 76a zu sehen. Weitere Informationen finden Interessierte unter www.suedschnellweg.niedersachsen.de.

Von Gerko Naumann

Die beiden Siegerentwürfe

Entwurf der hannoverschen Bürogemeinschaft BPR: Die Architekten verlegen die Schnellstraße in einen vierspurigen Tunnel. Nach dem Abriss der Hochstraße soll der gewonnene Raum Platz für einen großzügigen Boulevard bieten. Mehrere Baumreihen säumen die Willmerstraße, die in diesem Entwurf zu einer breiten Durchgangsstraße wird. Ein Grünstreifen in der Mitte, bepflanzt mit Platanen, soll das Überqueren der Straße erleichtern. Anwohner könnten angesichts dieses Entwurfs den Eindruck bekommen, vom Regen in die Traufe gekommen zu sein. Zwar führt keine Hochstraße mehr an ihren Fenstern vorbei, doch die Verkehrsbelastung vor der Haustür dürfte kaum geringer werden. Realisierungschancen hat der Entwurf, weil er auf kostspielige Stadtgestaltung verzichtet. Einen Akzent setzen die Architekten bei den Brücken über die Leineaue. Sie teilen die Fahrbahn in zwei Trassen, auf denen der Verkehr jeweils zweispurig in eine Richtung fließt.

Der Entwurf der Berliner Architekten HoffmannLeichter: Für die Bewohner rund um die Schnellwegbrücke dürfte dieser Plan die größten Vorteile bieten. Die Willmerstraße entlang der derzeitigen Brücke wird nach Abriss und Tunnelbau zu einer ruhigen Anliegerstraße. Auf dem breiten Mittelstreifen, der heute noch unter der Brücke liegt, wird eine Art Park angelegt, mit Rasenflächen und Bäumen. Eine ganz neue Grünanlage stellen sich die Architekten auch für das Gewerbegebiet östlich der Hildesheimer Straße vor. Damit könnte das gesamte Quartier eine neue Wohnqualität bekommen. Die Frage ist jedoch, wer die aufwendige Stadtgestaltung finanziert. Der Bund muss nur dafür Sorge tragen, dass der Schnellweg wieder verkehrssicher wird. Neue Parks und hübschere Stadtstraßen sind eigentlich Sache der Stadt Hannover. Es sei eine politische Entscheidung, ob der Bund zusätzliches Geld gibt, heißt es aus der Landesbehörde für Straßenbau.

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