Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Warum das Hannover-Klischee ein Glücksfall ist

Typisch! Warum das Hannover-Klischee ein Glücksfall ist

Expo, Kanzler, Obama, Gravitationswellen, WM – zu Hannover kann eigentlich jeder etwas sagen. Dabei ist das Hannover-Klischee nicht immer besonders geistreich. Doch was bringt es, sich zu empören? HAZ-Redakteur Uwe Janssen nimmt es lieber mit lässigem Understatement. Wir sind Hannoveraner. Bitte nicht füttern!

Voriger Artikel
Region baut weiter Schulden ab
Nächster Artikel
Lozzis Snackbar ausgezeichnet

Was ist eigentlich typisch Hannover? 

Quelle: Archiv (Collage)

Hannover. Beschimpft zu werden ist doof. Unterschätzt zu werden ist auch doof. Bemitleidet zu werden - ja, auch doof. Stimmt alles. Grundsätzlich. Es kann aber auch eine befreiende Wirkung haben. Dann nämlich, wenn das alles zum Klischee erstarrt und somit unbeweglich und ungefährlich ist. Hannover hat es mit einem solchen erstarrten Klischee zu tun, es könnte als Skulptur vor dem Sprengel-Museum ausgestellt werden. Aber da steht ja schon was. Überall steht was. Hannover ist ja eine Kunststadt. Weiß nur nicht jeder.

Man hat in dieser Stadt ohnehin das Gefühl, dass ganz viele da draußen ganz wenig wissen. Expo, Kanzler, WM, Obama, Gravitationswellen - warum nur immer dieses Hannover? So geht das mit Klischees.

Es geht nicht darum, mitzuhalten

Das Hannover-Klischee, allerspätestens seit der Expo im Bau und mittlerweile wohlgeformt, ist für die Hannoveraner zum Glücksfall geworden. Die anfängliche Empörung ist einem Jaja-Gefühl gewichen, das Langweiliggefundenwerden hat sie sogar auf eine gewisse Art lässig gemacht. Guckt uns an, das sind wir! Sehen wir nicht genau so aus, wie ihr euch uns vorgestellt habt? Wir sind Hannoveraner! Bitte nicht füttern!

Provinz zu sein ist dabei ein wichtiger Baustein. Es geht nicht darum, in der Trendhechelei mit den Berlins und Hamburgs nicht mithalten zu können. Es geht darum, nicht mithalten zu müssen und trotzdem gefühlt alles wirklich Wichtige um sich zu haben. Wenn eine Zugereiste wie die israelische Sängerin Noam Bar über Hannover sagt, dass es die Vorzüge der Kleinstadt und der Großstadt vereint, wenn der zugereiste Berufsfußballer Martin Harnik nach ein paar Wochen ganz freimütig zugibt, dass er Hannover in seiner Lebenswürdigkeit komplett unterschätzt habe, dann hüpft der Hannoveraner nicht vor Stolz im Kreis, sondern denkt: Die haben‘s kapiert.

Diese 20 Dinge sind typisch Hannover

Lüttje Lage, Schützenfest und Maschsee: unbestritten gehören diese Begriffe zu Hannover. Doch wer die Hannoveraner fragt, bekommt auch ganz andere Antworten. 

Das angeborene Understatement hilft ihnen dabei sehr. Hannoveraner halten sich grundsätzlich für nicht so richtig wichtig. Das hilft. Egal, ob als Fan einer Mannschaft, die dem drohenden Bundesligaabstieg mit dem Kauf von Hugo Almeida entgegentreten will, oder an der Supermarktkasse, wo man mit zwei Äpfeln auch schon mal jemanden vorlässt, der den Wagen voll hat, aber glaubhaft versichern kann, in Eile zu sein. Genauso kann es aber auch sein, dass umgekehrt die höfliche Bitte, mit zwei Äpfeln am vollen Wagen vorbeizudürfen, abschlägig beschieden wird. So isser eben auch, der Hannoveraner. Granteln gehört zum Geschäft. Genau wie dieses Ding mit Peine-Ost. Das muss man als Zugereister nun mal begreifen. Hannoveraner und Braunschweiger dürfen nur miteinander können, wenn sie müssen.

Der Hannoveraner pflegt seine Liebenswürdigkeiten

Und auch wenn nicht jeder Hannoveraner die Scorpions hört, Lüttje Lage trinkt, sich unterm Schwanz trifft, Bulli fährt, Calenberger Pfannenschlag runterkriegt, das Limmern kennt, bei 300 Jahren Personalunion mitgefeiert hat, den Biermarkenwechsel beim Plümecke für eine Katastrophe hält, bei Maßnahme A am Pferdeturm schon mal Richtung Celle wollte, acht Jahre Planung für eine Südschnellwegbrücke für zu lang hält, keine Aale, sondern Zaat hat, Herbert Schmalstieg für einen Zeitzeugen der Stadtgründung hält und zum Profifußballgucken ins Niedersachsenstadion geht - der Hannoveraner pflegt seine Liebenswürdigkeiten und freut sich, wenn‘s auch anderen gefällt.

Wo nun also hin mit dem erstarrten Klischee? Vielleicht in die Eilenriede. Dort, wo das Klischee nie hingekommen ist. Dort, wo vielleicht die meisten Hannover-Vorurteile begraben liegen. Dort, wo viele Kritiker gegen Bäume gelaufen sind, weil sie den Blick nicht von dem ganzen Grün wenden konnten, als ob es sich die ganze Zeit irgendwo versteckt hätte. War die beim letzten Besuch wirklich schon da, diese Eilenriede? Oder diese Ricklinger Masch? Ist das überhaupt noch Hannover? So schön?

Jo. Isses.

Ausstellung "Typisch Hannover"

Es geht um Welfen und Bullis, um Schützen, Nanas und Leibniz-Keks: Im Historischen Museum wurde am Dienstagdie Ausstellung „Typisch Hannover!?“ eröffnet, die sich den Besonderheiten der Stadt widmet - und dabei der Identität Hannovers nachspürt. Öffentliche Führungen gibt es am 4. September, 2. Oktober, 6. November und 4. Dezember jeweils um 15 Uhr. Marie Dettmer veranstaltet außerdem literarische Führungen am 11. September, 9. Oktober und 20. November, jeweils um 15 Uhr. Die Ausstellung ist in dem Museum an der Pferdestraße 6 bis zum 6. August 2017 zu sehen. Mehr Informationen unter www.typischhannover.de oder unter (05 11) 16 84 39 45.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr Aus der Stadt
Es war einmal in Hannover. Aber wo?

Auf in eine neue Runde: Sie kennen sich in Hannover aus? Zeigen Sie es! Schauen Sie sich die historischen Stadtansichten an, und erraten Sie, wo die Aufnahmen gemacht wurden. Direkt hinter dem historischen Foto sehen Sie die Auflösung – in Form eines aktuellen Vergleichsbildes.

Hanova zieht in Bürogebäude am Klagesmarkt

Jahrelang wurde um die Bebauung der historischen Marktfläche gestritten 
– jetzt ist das erste Gebäude nutzbar. Am Montag ziehen die Mitarbeiter der Wohnungsgesellschaft Hanova ein.