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US-Musikgiganten verklagen Wedemärker auf Millionen

Rechtsstreit US-Musikgiganten verklagen Wedemärker auf Millionen

Mehrere US-Plattenfirmen fordern per Klage Entschädigungen in Höhe von mindestens 45 Millionen Dollar von einem 24-jährigen Wedemärker. Der Grund: Die Branchenriesen werfen ihm vor, gegen das Urheberrecht zu verstoßen, weil er ihre Musik im Internet umsonst zugänglich macht.

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Auf der Seite des Wedemärkers lässt sich die Tonspur von Musikvideos extrahieren.

Quelle: dpa/HAZ (Screenshot)

Hannover. Seit einigen Jahren betreibt der Wedemärker ein kostenloses Internetportal, das sich wiederum beim Online-Dienst YouTube bedient. Bei diesem können Nutzer, ebenfalls kostenlos, Filmclips ansehen – auch professionelle Musikvideos. Die Geschäftsidee des 24-Jährigen: Mit seinem Internetportal ermöglicht er es Nutzern, die Tonspuren dieser Videos zu kopieren und anschließend herunterzuladen. Auf diese Weise kommen Besucher seiner Seite an Musik, ohne zu bezahlen. Er selbst verdient an der Werbung auf seinem Portal.

Die amerikanischen Unternehmen sehen darin unter anderem eine Urheberrechtsverletzung. Der 24-Jährige beruft sich dagegen auf das Recht, sich Kopien eines Songs oder eines anderen Werks für den privaten Gebrauch anlegen zu können. Die Klageschrift der US-Musikgiganten, die der HAZ vorliegt, listet insgesamt 304 verschiedene Fälle von Urheberrechtsverletzungen auf. Für jedes dieser Vergehen fordern sie eine Entschädigung von mindestens 150 000 Dollar oder einen höheren, vom Gericht festzulegenden Betrag. Den Klägern sei durch die Internetseite des Wedemärkers „irreparabler Schaden“ entstanden, heißt es in der Klageschrift, die vor dem District Court im kalifornischen Los Angeles eingereicht wurde.

Die Kläger bezeichnen die Seite des Wedemärkers als eine der am meisten besuchten der Welt. Sie sei verantwortlich für rund 40 Prozent aller illegalen Tonspur-Kopien von YouTube. Zudem werfen die Plattenfirmen dem 24-Jährigen vor, durch seine Werbeeinnahmen illegal Millionen verdient zu haben.

Der 24-Jährige, der an der Fachhochschule Hannover Informatik studiert hat, betreibt sein Portal seit 2009. Ersten Ärger bekam er bereits im Jahr 2012. Damals forderte ihn der Internetriese Google, zu dem YouTube gehört, auf, seinen Dienst umgehend einzustellen, da er gegen die Nutzungsbestimmungen verstoße. Der Wedemärker ließ von zwei Rechtsanwälten ein Gutachten anfertigen. Darin kamen die Juristen zu dem Schluss, die Internetseite stelle sozusagen das digitale Äquivalent zu einem Kassetten- oder einem Videorekorder dar. Die Argumentation der Gutachter: Nach deutschem Recht ist es gestattet, ein Musikstück aus dem Radio oder eine Fernsehsendung für den privaten Gebrauch aufzuzeichnen. Demnach sei auch das Herunterladen einer Tonspur legal, wenn die Plattenfirma ein Video bei YouTube eingestellt hat.

Umstritten sei die Frage, ob die deutsche Rechtssprechung auch das Herunterladen der Tonspur eines illegal eingestellten Musikvideos abdeckt. Den 24-jährigen Wedemärker lässt dieser Punkt offenbar kalt. Es sei nicht sein Problem, sondern das von YouTube, rechtswidrig hochgeladene Videos zu löschen, sagte er kürzlich der „Zeit“.

Noch steht nicht fest, wann das Verfahren eröffnet wird. Sollte der Prozess tatsächlich beginnen, wird es voraussichtlich eine Weile dauern, bis ein endgültiges Urteil gefällt ist. Bis dahin kann der 24-Jährige seine Plattform weiter betreiben. Er selbst wollte sich nicht zu der Klage gegen ihn äußern. Er kenne die Vorwürfe bislang nur aus den Medien, teilte er der HAZ schriftlich mit.

So funktioniert das Portal

Seit Jahren kämpft das Internetportal YouTube gegen illegale Kopien von Musikvideos, einzelnen Songs oder ganzen Alben. Gegründet im Februar 2005 sollte es den Benutzern dazu dienen, kostenlos legal online gestellte Videoclips anzusehen, die Filme zu bewerten und eigenes Material hochzuladen. Allerdings gingen im Laufe der Zeit viele dazu über, über die Plattform kostenpflichtige Werke illegal der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. YouTube geht immer rigoroser gegen den Missbrauch der Plattform vor. Immer häufiger werden Videos gesperrt.

Der 24-jährige Informatiker aus der Wedemark hat für sein Internetportal ein Programm geschrieben, mit dessen Hilfe und ein paar Klicks die Tonspuren von den bei YouTube hochgeladenen Videos getrennt und heruntergeladen werden können. In ein Eingabefeld auf der Seite kopiert der Nutzer die Adresse eines beliebigen Videos von YouTube. Das Programm wandelt die Tonspur des Musikfilms in mp3-Dateien um. Diese können dann heruntergeladen und auf dem Computer, dem Smartphone oder einem iPod beliebig oft gespeichert werden. Diese Vorgehensweise wird mit dem Begriff „Rippen“ bezeichnet. Die Plattform des 24-jährigen Wedemärkers ist nicht die einzige ihrer Art. Warum die amerikanischen Plattenfirmen jetzt ausgerechnet gerichtlich gegen die des 24-Jährigen vorgehen wollen, ist unklar.     

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