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Aus der Stadt Als Reagan fast in Hannover war...
Hannover Aus der Stadt Als Reagan fast in Hannover war...
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00:15 09.04.2016
Von Gunnar Menkens
Nachlässige Wachen: Ingrid Heimbergs Privatfoto vom Präsidentenbesuch. Quelle: Ingrid Heimberg
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Hannover

Ein kleiner Schritt  für einen Menschen, aber ein großer Sprung für Hannover. Barack Obama wird der erste Präsident der USA sein, der den Boden dieser kleinen Stadt betritt. April 2016, Herrenhausen und Messegelände. Aber verdammt nah dran war gut drei Jahrzehnte zuvor schon Ronald Reagan, der Mann, den sie Schauspieler nannten. Am 5. Mai 1985 landete seine Air Force One auf einem Rollfeld in Langenhagen und fuhr einem Terminal entgegen, das Zeitungen als „Festung“ beschrieben.

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Ingrid (68) und Michael (67) Heimberg haben Ronald Reagan in Hannover begruesst. Michael Heinemann war damals Betriebsleiter bei der Firma, die die Autoflotte samt Chauffeure gestellt hat.

Wasserwerfer, gepanzerte Fahrzeuge, Einsatzwagen mit vergitterten Fenstern, Hunderte Polizeibeamte im Dienst. An Bord waren auch Nancy Reagan, die First Lady, sowie Kanzler Helmut Kohl und seine Frau Hannelore. Es war gegen 11.15 Uhr an jenem Sonntag, Bilder belegen Trenchcoatwetter.

Langenhagen war ein Zwischenstopp. Reagan befand sich auf einem politisch heftig diskutierten Besuch, der ihn 40 Jahre nach der deutschen Kapitulation in das frühere Konzentrationslager Bergen-Belsen führte und später auf den Soldatenfriedhof Bitburg. Hier liegen Opfer des NS-Regimes neben Männern der Waffen-SS. Dass Reagan und Kohl Täter wie Opfer gleichermaßen würdigten, sorgte in Deutschland für erbitterte Kontroversen.

Obama-Besuch

Alle Infos rund um den Obama-Besuch finden Sie hier.

Michael Heimberg aus Hannover war an dem Morgen hautnah dran an der Maschine, im Grunde sogar als Teil eines Verschleierungsmanövers. Der Kaufmann leitete die Niederlassung eines örtlichen Autoverleihs und hatte den Auftrag, für den gesamten US-Tross eine Fahrzeugflotte mit Fahrern zu organisieren. Dazu zählte auch die verlängerte Version einer Mercedes-600-Limousine, die Heimberg selbst steuerte. Könnte sein, dass das Präsidentenpaar in einem gepanzerten Auto Richtung Bergen-Belsen fahren würde.

Heimberg wäre dann vielleicht in einem sirenenmäßig begleiteten Konvoi unterwegs gewesen. Eine Strecke hatte er im Kopf, alles war ja bis ins Detail festgelegt worden in den gut abgeschirmten Vorgesprächen im Interconti-Hotel gegenüber vom Neuen Rathaus, wo sich die Amerikaner lange im Voraus großflächig eingemietet hatten. Könnte aber auch sein, dass Ronald und Nancy Reagan einen von zwei Hubschraubern wählen, die auf dem Rollfeld bereitstanden. Geheimdienstler vom Secret Service ließen das offen, sonst wären sie ja nicht der Secret Service. Heimberg wusste nur, dass er nichts wusste.

Noch ehe er von einer Entscheidung erfuhr, näherte sich seine Frau mit einem zuvor ausgetüftelten Plan der Präsidentenmaschine. Reagan stand da noch auf der Gangway und lächelte. Ingrid Heimberg hatte extra Urlaub genommen, um möglichst nah heranzukommen an den mächtigsten Mann der Welt. Wachen auf dem Rollfeld überwand sie zügig. Sie hielt ihren Dienstausweis hoch, sagte „Presse“, passierte die sogenannten Wachen ungehindert, näherte sich der Maschine bis auf wenige Meter und fotografierte und fotografierte, bis zwei Filme zu je 36 Bildern voll waren. Dabei befugte der Ausweis sie nur, Diensträume im Rechenzentrum der Deutschen Bundespost zu betreten. „Ich hatte schon immer eine gewisse Frechheit“, sagt Ingrid Heimberg heute. Irgendwer hätte wohl irgendjemanden im US-Style und in absteigender Reihenfolge gefeuert, wenn herausgekommen wäre, wie leicht diese Festung zu übertölpeln war.

Der Präsident stieg dann in einen Hubschrauber. Zwischen Landung und Start vergingen zehn Minuten. Michael Heimberg chauffierte einen Sicherheits-chef der Amerikaner hinterher und parkte den auffälligen Wagen am Abend vor der eigenen Haustür. Auch ihr Schäferhund fand das interessant. Er setzte sich ins Polster des Mercedes 600 und blickte hinaus, Frau Heimberg erinnert sich begeistert. „Wie ein König in seiner Staatskarosse sah er aus.“

 

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