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Aus der Stadt Lindenberg macht sein Ding
Hannover Aus der Stadt Lindenberg macht sein Ding
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00:16 13.07.2015
Bussi für die Tänzerin: Udo Lindenberg in der  HDI-Arena. Quelle: Hagemann
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Hannover

Es muss der ganz große Auftritt sein. Weniger geht nicht für den Mann, der sich seit gefühlt 50 Jahren „Panikpräsident“ nennt und – wie er sagt – mit seinem Auftritt in der HDI-Arena ein bisschen Panikstimmung in „Hardrock-City“ verbreiten will. Tiefe Bässe dröhnen durch die ausverkaufte Schüssel, die monströsen Leinwände flackern, und Udo Lindenberg schwebt auf einer Freiluftgondel ein, natürlich mit Schlapphut, Sonnenbrille und der Zigarre in der Hand. Helene Fischer hat unlängst an gleicher Stelle so etwas Ähnliches gemacht, als Höhepunkt der Show, aber nicht so lässig. Lindenberg haut diesen Effekt mal schön zu Beginn raus. Er hat genug andere. „Odyssee“ poltert schwer durch die Arena.

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Udo Lindenberg startet seine Stadiontour in der HDI-Arena. Alle Bilder vom Konzert.

Lindenberg im Stadion. Er musste erst fast 70 werden, um die ganz große Nummer zu fahren. Nun tobt das, was er selbst Panikpower nennt, vielköpfig über die Bühne. Tänzer, Sänger, Akrobaten, Bläser, eine große Rockband, Gäste, viel Licht, viel Video, schicke Animationen im Stil seiner Likörelle genannten Malereien, sogar eine Art Übertitel am Bühnenkopf – viel mehr Zinnober machen andere auch nicht. Es gibt viel zu gucken. 42 000 Menschen wollen das sehen, bei der Generalprobe am Vortag waren es schon 12 000.

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Am Vorabend des Tourstarts gibt Udo Lindenberg eine Generalprobe in der HDI-Arena.

Auch ein bisschen Prominenz ist dabei. Ex-96-Trainer Mirko Slomka und Anwalt Götz von Fromberg wollen bei Lindenbergs Panik-Party mitfeiern. Vizekanzler Sigmar Gabriel antwortet auf die Frage, was ihn mit Lindenberg verbindet, nur geheimnisvoll: „Eine ganz lange Freundschaft.“ 96-Profi Jan Schlaudraff kommt mit Familienanhang, von wegen Lindenberg als größter gemeinsamer Nenner und so. Ein ausgewiesener Lindenberg-Experte sei er jetzt auch nicht, aber er will sehen, ob der Deutschrocker wirklich so eine bombastische Show abzieht.

Gurgeln mit Eierlikör

Und das kann man mit gutem Gewissen bejahen. „Ich mach mein Ding“, diese eigentlich beliebige Phrase bekommt hier eine gewisse Tiefe. Lindenberg macht sein Ding, egal, was die anderen sagen. Denen, die hier sind, gefällt’s. Sie singen, klatschen, jubeln, feiern. Zoomt die Kamera auf Lindenbergs Gesicht, während er die Sonnenbrille absetzt, zeigt sich deutlich: Udo wird auch älter. Und der Kajal macht’s auch nicht besser. Doch körperlich ist der Mann immer noch topfit, sprintet locker über den langen Mittellaufsteg in die Menge und liefert sich ein Wetthüpfen mit Gastsänger Jan Delay zu „Ganz Anders“. Vielleicht kommt das von seinem geliebten Eierlikör, mit dem er zwischendurch immer mal wieder gurgelt. Vielleicht sind es auch seine Jogging-runden um den Maschsee, die er während der mehrwöchigen Proben in Hannover gedreht hat. Wie auch immer: Er hat das Publikum schnell auf seiner Seite. Erst recht, als er sich ein wenig warmredet.

Bevor er „Ich lieb’ dich überhaupt nicht mehr“ anstimmt, stellt er sein berühmtes Panikorchester vor, die „sieben Schleicher aus dem Morgenland, die Unkaputtbaren“. Da ist zum Beispiel Steffi Stefan, den er „ganz in der Nähe von Hannover“, in Münster, „aufgelesen“ hat. „Das war’n kleines, aufstrebendes Talent. Ich mein’, da musst man ja irgendwas machen.“ Lindenberg nimmt ihn fest in den Arm, das einzige Gründungsmitglied des Panikorchesters, das seit 1973 dabei ist.

Dann kommt auch schon Clueso und singt mit Lindenberg die gemeinsame Hitversion vom alten „Cello“. Und der frühere WG-Kollege Otto Waalkes gibt mal seine ganz eigene Version vom AC/DC-Hit „Highway to Hell“ zum Besten – das Publikum kreischt vor Lachen. Lindenberg ist immer der Netzwerker gewesen, für den Rock, den Spaß und die Kollegen.

Dann kündigt Lindenberg „Wozu sind Kriege da“ an. Geht das? Eine Antikriegsballade, mit ganz einfachen Worten, aus der Nato-Doppelbeschluss-Zeit. Für Lindenberg immer noch passend: „Wenn Putin jetzt wieder die Rüstungsspirale anschmeißt, dann wird das ein Kamikaze-Totrüsten.“ Pascal Kravetz, der das Lied damals als Zehnjähriger mit Lindenberg im Duett gab, sitzt nun am Klavier. Stattdessen singen andere Kinder mit Lindenberg, so naiv wie steinerweichend und erwachsenenentlarvend. Ein ganz starker Moment. Immer wieder Applaus zwischendurch, dann stehende Ovationen auch auf den Rängen.

Aber ein bisschen Gaga muss auch sein, sonst wär’s ja nicht Lindenberg. Zu „Klavierlehrerin“ blähen sich eine etwas nuttig gezeichnete Riesenfrau aus Plastik und ein weißer Flügel im Hintergrund auf, zu „Gösebrecht“ schwebt ein blinkendes Ufo ein, und die „Honky Tonky Show“ macht der Kinderchor als ein Dutzend kleiner „Udos“.

Lindenberg mag mittlerweile einer der ältesten deutschen Rocker sein, doch er ist unbestreitbar noch eine Institution. Die ganz große Nummer in Hannover ist dafür der beste Beweis.

Von Uwe Janssen und Isabel Christian

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