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Aus der Stadt KZ-Überlebende in Ahlem: „Es war die Hölle“
Hannover Aus der Stadt KZ-Überlebende in Ahlem: „Es war die Hölle“
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00:15 10.05.2015
Von Simon Benne
70 Jahre nach ihrer Befreiung sind Ivan Moscovich, Chaim Liss, Joe Rozenberg und Nachum Rotenberg (v. l.) wieder in Ahlem. Quelle: Surrey
Hannover

Zerbrechlich wirkt der kleine Mann mit der Brille. Doch als Joe Rozenberg ans Mikrofon tritt, spricht er mit lauter, fester Stimme. Aus San Diego ist der 89-Jährige in die Gedenkstätte Ahlem gekommen, um bei der Gedenkfeier von Stadt und Region zum 70. Jahrestag der Befreiung zu berichten, was er hier damals erlebte. „Ahlem war die Hölle“, sagt er. Im Asphaltstollen mussten die Häftlinge des KZ Ahlem seinerzeit schuften: „Das Wasser tropfte von der Decke, es war kalt, es gab wenig zu essen“, sagt er. „Viele wurden krank und starben.“

Ehe er Ende 1944 mit rund 1000 Leidensgefährten ins neu gegründete KZ Ahlem geschafft wurde, war er Häftling im Stöckener Lager gewesen, wo er für die Conti arbeiten musste: „Die Bedingungen dort waren nicht so schlimm wie in Ahlem“, sagt er. In Ahlem starb binnen weniger Monate etwa die Hälfte der insgesamt rund 1500 Häftlinge dort.

Bewegende Gedenkfeier

Es ist eine bewegende Gedenkfeier. Politiker halten kurze Reden; Regionspräsident Hauke Jagau, Migrationsbeauftragte Doris Schröder-Köpf und Oberbürgermeister Stefan Schostok erinnern an das Leid der Opfer. Im Mittelpunkt aber stehen die Überlebenden. Vier ehemalige Häftlinge des KZ Ahlem sind an den Ort ihres Leidens zurückgekehrt: Ivan Moscovich ist aus den Niederlanden gekommen, Chaim Liss und Nachum Rotenberg sind aus Israel angereist.

„Was wir in Ahlem erlebt haben, sollte niemand je erleben müssen“, sagt der 86-jährige Rotenberg. „Dabei waren wir noch Kinder.“ Am Nachmittag waren er und die anderen zu einem Besuch bei der Conti: „Wir fordern kein Geld“, sagt er. „Aber wir wünschen uns, dass die Conti den Aufbau eines Mahnmals am ehemaligen KZ Ahlem unterstützt.“

Chaim Liss, aufgewachsen im polnischen Lodz, war erst 13 Jahre alt, als er aus Auschwitz in die hannoverschen Lager deportiert wurde, gemeinsam mit seinem Vater: „Mein Vater starb in Ahlem zwei Wochen vor der Befreiung – und ich lebe“, sagt er. Oft war Chaim Liss in den vergangenen Jahren in Ahlem: „Ich komme gerne, wir haben inzwischen viele Freunde hier“, sagt er.

Graupensuppe am 8. Mai

Diesmal ist er mit seinem Sohn angereist. Die meisten Überlebenden haben Kinder und Kindeskinder mitgebracht. Die Erinnerung an die Leiden ist in den Familien oft über die Generationen hinweg präsent. Daran erinnert auch Gitta Kleinberger, deren Mutter Margot als 12-Jährige nach Theresienstadt deportiert wurde: „Wir kennen sie nicht, die Gnade der späten Geburt“, sagt sie: Es sei eine Bürde zu wissen, dass man nur lebt, weil die Eltern überlebt haben. Als ihre Mutter am 8. Mai 1945 befreit wurde, bekam sie Graupensuppe zu essen: „Das gab mir Kraft und ein Stück Hoffnung zurück“, schrieb sie in ihrer Autobiografie. Vor einigen Jahren ist Margot Kleinberger gestorben: „Aber wir feiern jeden 8. Mai bis heute mit Graupensuppe“, sagt ihre Tochter.

Einer der jüngsten unter den rund 150 Besuchern ist Shay Niedzinski. Der 16-Jährige aus Haifa ist zum zweiten Mal in Hannover. Im vergangenen Sommer war er noch mit seinem Großvater Mosche hier, der das KZ Ahlem überlebt hatte. Jetzt war dieser zu krank für die Reise. „Mein Großvater ist mein Held, es bedeutet ihm sehr viel, die Erinnerung zu bewahren“, sagt der 16-Jährige. „Ich hoffe, er ist stolz, dass ich jetzt hier bin.“

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