Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Üstra-Fahrer zeigen Bein
Hannover Aus der Stadt Üstra-Fahrer zeigen Bein
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:17 27.08.2015
Mit dieser besonderen Dienstkleidung machen die Üstra-Fahrer auch am Steuer ihrer Fahrzeuge Werbung für die Gewinnung weiblicher Kollegen. Quelle: Rainer Dröse
Anzeige
Hannover

Carsten Rothbart hat breite Schultern, die Arme voller Tätowierung – und gestern hatte er einen Rock an. Der 40-Jährige ist einer von neun Üstra-Mitarbeitern, die mit dem für Männer eher ungewöhnlichen Kleidungsstück Werbung für ihren Arbeitgeber machen wollen. „Ziel der Kampagne ist es, Frauen als Bus- oder Stadtbahnfahrerinnen zu gewinnen“, erklärt der Vorstandsvorsitzende André Neiß. Bis zum Jahr 2022 sollen 22 Prozent der rund 2000 Üstra-Mitarbeiter weiblich sein. „Derzeit sind wir bei einer Quote von 16 Prozent“, sagt Personalvorstand Wilhelm Lindberg.

Ab sofort treten dafür nicht nur zehn Bus- und Stadtbahnfahrer regelmäßig ihren Job im Rock an. „Wir haben auch 21 Busse und drei Stadtbahnen mit großen Fotos der Kollegen bekleben lassen“, sagt Üstra-Sprecherin Katja Raddatz. Mindestens ein Jahr lang sollen sie durch Hannover rollen und so „vor allem Frauen ansprechen, weil diese Zielgruppe bislang im Fahrdienst und in den technischen Berufen deutlich unterrepräsentiert ist“, sagt Lindenberg. „Frauen bringen wichtige Kompetenzen, wie Kommunikationsstärke sowie Kunden- und Serviceorientierung mit, die für einen guten und zukunftsfähigen Mobilitätsdienstleister von entscheidender Bedeutung sind.“ Ein weiterer Grund ist, dass rund 600 Mitarbeiter die Üstra bis zum Jahr 2022 verlassen werden.

Männliche Üstra-Mitarbeiter tragen Röcke - und wollen damit Werbung für ihre weibliches Personal machen.

Um diese Abgänge kompensieren und vor allem Frauen für einen Job bei den Verkehrsbetrieben gewinnen zu können, hat die Modedesignerin Thekla Ahrens, die bereits jene Dienstkleidung gestaltete, die die Fahrer seit Anfang des Jahres tragen, das spezielle Beinkleid für die Herren entworfen. Die Röcke gibt es, je nach persönlicher Vorliebe – eher klassisch als Kilt oder modern als glatter Rock mit aufgenähten Seitentaschen. Ganz gleich welche Variante die Fahrer wählen, sie sind laut Projektleiterin Claudia Kudlinski die ersten männlichen Mitarbeiter eines Verkehrsunternehmens, denen es gestattet wird, einen Rock bei der Arbeit zu tragen.

Es gab im Vorfeld Diskussionen um die Aktion

Obwohl die Fahrer sich alle freiwillig für die Kampagne gemeldet haben, gab es bereits im Vorfeld Diskussionen um die Aktion. „Als ich das meiner Frau erzählte, schaute die mich nur ungläubig an“, erzählt einer der Fahrer. „Dann meinte sie nur, ich sei bekloppt und könne machen, was ich wolle.“ Das ließ der sich nicht zweimal sagen und fährt nun regelmäßig mit Rock. „Wie häufig die Kollegen die Röcke tragen, bleibt ihnen überlassen“, sagt Raddatz. „Aber irgendwann wird das Wetter eine natürliche Grenze setzen.“ Spätestens wenn es im Winter kalt werde, würden wohl viele der Fahrer lieber wieder ihre Diensthosen tragen.

„Ich werde versuchen den Rock so oft wie möglich anzuziehen“, sagt Rothbart, der seinen Arbeitgeber gerne bei der Werbeaktion unterstützt. „Das ist nicht nur so, dass sich die Üstra als moderner und lockerer Arbeitgeber darstellen will. Sie ist es auch.“ Das habe er in seinen fast 20 Jahren Betriebszugehörigkeit schon mehrfach erfahren. „Ich habe die Arme voll mit Tätowierungen von Punk-Bands“, sagt der 40-Jährige. „Das hat nie jemanden gestört.“ Dies sei aber nicht der einzige Grund gewesen, warum er sich für die Kampagne gemeldet habe. „Für mich ist das nichts ungewöhnliches, einen Rock zu tragen“, sagt er. „Auch privat trage ich gelegentlich mal einen Kilt.“

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wer im Internet unterwegs ist, muss vielerorts mit Betrügern rechnen. Ein besonders dreister hat jetzt bei einer Hannoveranerin angerufen und sie unter einem Vorwand gebeten, ein vermeintliches Reparaturprogramm für ihren PC herunterzuladen. Die Frau wurde stutzig und legte auf. Möglicherweise wollte der Anrufer sich Zugang zu Kreditkartendaten ergaunern.

24.08.2015
Aus der Stadt Frau findet es an der Max-Eyth-Straße - Norweger hat sein Auto zurück

Auf den Tag genau drei Wochen nachdem Björn Brandvold sein Auto in Hannover geparkt und später nicht mehr wiedergefunden hat, konnte er es am Montag auf der Bult abholen. Eine HAZ-Leserin hatte am Morgen den Artikel über den 78 Jahre alten Norweger gesehen und sofort die Redaktion angerufen.

27.08.2015

Die Nachrichten aus Hannover und Niedersachsen auf einen Blick: Mit „HAZ live“ lesen Sie jeden Tag ab 6 Uhr alles Wichtige im Newsticker. Heute: Eine außergewöhnliche Kampagne der Üstra mit Männern in Röcken, kostenloses Kart-Training für Kinder der Fortsetzung des Prozesses in Celle gegen zwei IS-Kämpfer.

25.08.2015
Anzeige