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Aus der Stadt Üstra-Finanzchefin soll Dezernentin für Wirtschaft und Umwelt werden
Hannover Aus der Stadt Üstra-Finanzchefin soll Dezernentin für Wirtschaft und Umwelt werden
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09:11 07.11.2012
Von Gunnar Menkens
„Ich hoffe, dass ich viele überzeugen kann. Sabine Tegtmeyer-Dette in ihrem derzeitigen Büro. Quelle: Rainer Surrey
Hannover

Noch ein paar Monate, dann wird Sabine Tegtmeyer-Dette entscheiden, was fußballerisch zu tun ist. Neue Poster des örtlichen Klubs kaufen? Oder die Bilder ins Rathaus mitnehmen, die hinter ihrem Schreibtisch bei der Üstra hängen? Das Mannschaftsplakat. Den Kalender eines Fachblatts, im November geziert von Spielern mit lustigen Frisuren aus den siebziger Jahren. Die Stecktabelle mit Klubwappen. Immerhin, das Handy der Prokuristin bleibt, wie es ist, es meldet sich mit der Vereinshymne, die Gemeinsamkeit beschwört. „Niemals allein, wir gehen Hand in Hand“. Es ist nicht das, was sie in den nächsten Tagen erwarten kann. Keine Frage: Sabine Tegtmeyer-Dette, 51, ist Fan der regionalen Wirtschaftsmacht Hannover 96. Dauerkarte, Nordkurve, Oberrang. Das ist mittendrin statt VIP-Tribüne. Spiele verpasst sie nur, wenn eine Krankheit sie ins Bett wirft.

Der von SPD und Grünen vor Monaten eingefädelte Plan sieht vor, dass Tegtmeyer-Dette, derzeit noch Finanzchefin der Üstra, in der kommenden Woche vom Rathausparlament zur künftigen Dezernentin für Wirtschaft und Umwelt gewählt wird. Das ist nicht irgendein Führungsposten, wer ihn hat, ist zugleich Erster Stadtrat und damit Stellvertreter des Oberbürgermeisters. Die Grünen haben ihren Anspruch auf dieses Dezernat geltend gemacht, weshalb Tegtmeyer-Dette, Parteimitglied seit 26 Jahren, zum 1. August 2013 für acht Jahre Parteifreund Hans Mönninghoff folgen dürfte. Die Empfehlung von Oberbürgermeister Stephan Weil (SPD) hat sie schriftlich, jetzt stehen Vorstellungsrunden bei den Fraktionen an. Sicher ist: Rot-Grün wird sie wählen.

Als die gebürtige Staderin an Hannovers Universität mit ihrem Studium begann, war dieser Berufsweg nicht absehbar. Die junge Studentin schrieb sich 1981 für Politik und Germanistik ein, damals eine beliebte Kombination unter geisteswissenschaftlichen Fächern. Ihre Magisterarbeit schrieb sie über das „Erzählen im Alltag“. Hannovers künftige Wirtschafts- und Umweltdezernentin besitzt also, wenn man so will, einen Hochschulabschluss in Linguistik.

Das aber wäre nur ein geringer Teil ihrer Geschichte, er würde ihren Willen verkennen, Fähigkeiten weiterzuentwickeln und ihr Vermögen, sich in unbekannte Dinge einzuarbeiten. „Reinzuklamüsern“, würde sie sagen. Sie qualifizierte sich zur diplomierten Verwaltungsbetriebswirtin, bei den Grünen arbeitete sie auf Landesebene als Geschäftsführerin und Finanzreferentin. Alles gemeinsam half schließlich, um bei der Region Hannover zur Leiterin des Bereichs Unternehmenscontrolling aufzusteigen. 2005 wechselte sie zur Üstra, wurde Prokuristin und errang einen umfänglichen Titel: Sie war nun kaufmännische Leiterin für Rechnungswesen, Steuern, Versicherungen und Controlling. Tegtmeyer-Dette ist auch Umweltbeauftragte der Üstra und dazu Leiterin von strategischen Projekten und Vorgesetzte von insgesamt 50 Mitarbeitern.

Die neue Aufgabe ist von weit größerem Kaliber. 1800 Beschäftigte arbeiten im Wirtschafts- und Umweltdezernat, sie wirken in so unterschiedlichen Fachbereichen wie Gebäudemanagement, Wirtschaft, Umwelt und Stadtgrün sowie den drei kommunalen Betrieben Stadtentwässerung, Häfen und Congress Centrum. Ein Bauchwarenladen, vor Jahren aus politischer Opportunität zusammengewürfelt, mit Themen, wie viele meinen, aus gegensätzlichen Welten: Wirtschaft und Umwelt.

Sabine Tegtmeyer-Dette will sich zu ihren bevorstehenden Aufgaben öffentlich nicht äußern, ehe sie alle Fraktionen besucht hat, es ist ihr Verständnis von Fairness. Im kleinen Kreis erzählte sie jedoch vor ein paar Tagen, dass sie „großen Respekt“ vor der neuen Aufgabe habe. Man kennt sie als Vorgesetzte, die weiß, dass sie nicht alles kann und deshalb umso mehr Wert darauf legt, Mitarbeiter einzubinden. „Wenn ich irgendwo mehr weiß als die Fachleute, dann ist das Zufall“, hat sie einmal gesagt, ein Satz von bemerkenswerter Zurückhaltung. Allerdings ist Sabine Tegtmeyer-Dette stets klar, wer am Ende entscheiden muss: Sie selbst. Und wenn man recht versteht, was aus internen Runden vergangener Wochen berichtet wird, dann empfindet sie die Kombination aus Wirtschaft und Umwelt als Chance, beide Welten miteinander zu verbinden.

Das klang am Dienstag an, als Tegtmeyer-Dette Sozialdemokraten besuchte. Teilnehmer der Runde berichteten, dass die Kandidatin in freier Rede vortrug, worauf sie Wert legen will im Amt. Im Umgang mit Flächen sei es wichtig, für Wirtschaft und Grünflächen gleichermaßen Platz zu haben - schon deshalb, weil Lebensqualität in Städten von großer Bedeutung sei beim Kampf der Regionen um Arbeitskräfte. Sie wolle sich um Ansiedlungen von Betrieben aus dem Ökologiesektor kümmern und Unternehmen dafür gewinnen, am Klimaschutzprogramm der Stadt mitzuarbeiten. Es geht darum, weniger Kohlendioxid zu produzieren. Sie fährt Fahrrad, ein Auto besitzt sie nicht. Was der Grünen weiter am Herzen liege, sei die bessere Versorgung der Bürger mit Bio-Lebensmitteln aus der Region.

Der Auftritt bei der SPD fand für sie nicht auf neuem Terrain statt. Aus den vergangenen Jahren kennt sie das kommunalpolitische Personal aller Lager bestens, in die SPD und andere Fraktionen hat Tegtmeyer-Dette gute Kontakte, mit dem grünen Ratsherren Michael Dette ist sie verheiratet, und als stellvertretende Bezirksbürgermeisterin im Stadtbezirk Ricklingen beschäftigt sie sich mit Haustürpolitik. In der Koalition rang man etwa um die Ansiedlung von Boehringer in Kirchrode und die Frage, ob Umweltzonen in der Stadt nötig seien. Beides Themen, bei denen sich Wirtschaft und Umwelt schwer vereinbaren ließen. In der Stadt wurde darüber erbittert gestritten. Tegtmeyer-Dette unterstützte beide Projekte, ein Zeichen für politischen Pragmatismus, den sich Hannovers Grüne in 20 Regierungsjahren angewöhnt haben.

Der einzige Satz, den die designierte Stadträtin am Dienstag der Zeitung sagte, war ein Satz von harmloser Nettigkeit: „Ich freue mich, dass der Oberbürgermeister mich vorgeschlagen hat und ich hoffe, dass ich viele Ratsmitglieder, auch aus der Opposition, überzeugen kann, mich zu wählen.“ Sehr unaufgeregt klang das. Sie weiß ja, dass ihrer Wahl nichts im Wege steht. Aber sie weiß auch, dass der Wahlkampf begonnen hat und mit Zustimmung der anderen Fraktionen nicht unbedingt zu rechnen ist. Das grüne Parteibuch war nützlich für Stephan Weils Empfehlung und ist es noch für die bevorstehende Wahl am übernächsten Donnerstag im Rat. Aber Tegtmeyer-Dette erinnert sich noch an Zeiten, in denen dieses Parteibuch eher geschadet als genutzt hat.

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