Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Üstra versteigert Fundsachen aus Bussen und Bahnen
Hannover Aus der Stadt Üstra versteigert Fundsachen aus Bussen und Bahnen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:18 11.11.2017
Auktionator Ingo Oeßling bezeichnet sich selbst als „Herr der Regenschirme“. Quelle: Clemens Heidrich
Hannover

Einen Schirm ließen wohl viele schon einmal in Bus oder Stadtbahn liegen. Aber eine Querflöte? „Da hat jemand wohl zu Hause ordentlich Ärger bekommen“, mutmaßt Auktionator Ingo Oeßling. Er bringt für die Üstra einmal im Jahr alle Fundsachen unter den Hammer, die in deren Fundbüro nicht abgeholt werden.

240 Artikel sind es diesmal, auf die etwa 70 Schnäppchenjäger, Neugierige und Abenteuerlustige zwei Stunden lang bieten. Oeßling verliert keine Zeit - ein Aufruf nach dem nächsten wird innerhalb weniger Minuten entschieden. Oft bezahlen die Meistbietenden nur wenige Euro. Alles muss weg.

Schirme, Handys, Armbanduhren und Modeschmuck werden deshalb gleich bündelweise angeboten: Sechs bis zehn Schirme gehen für durchschnittlich 4 Euro über den Kassentresen - oft an Käufer, die spontan zugreifen. Adrian Gentschev ist mit Freunden gekommen. „Wir sind zum vierten Mal hier, das macht Spaß“, sagt der Student. Er hat gerade einen Schlafsack für 5 Euro ersteigert: „Eigentlich wollte ich das Kopfkissen, das davor angeboten wurde, aber ich dachte, so geht’s auch.“

Viele locken die niedrigen Preise. Ein Bügeleisen für 2 Euro, ein Smartphone für 30, ein Fahrrad für maximal 40? Was soll schon schief gehen. Lennart Becker ist eigentlich gekommen, weil er ein neues Fahrrad braucht, kauft aber erst mal einen Badminton-Schläger. „Ich wollte ohnehin irgendwann anfangen zu spielen“, sagt er. Ein Preis von nur 3 Euro hat seine Entscheidung beschleunigt. Auch beim Fahrrad hat er schließlich Glück. Es ist kein edles Modell, wirkt aber auf den ersten Blick, als sei es noch gut in Schuss. Becker bietet als einziger - und kauft es für 12 Euro.

Es kostet bereits ein wenig Fantasie, sich vorzustellen, wie zerstreut, abgelenkt oder betrunken jemand sein muss, der beim Aussteigen sein Fahrrad in der Stadtbahn zurücklässt. Die drei versteigerten Rollatoren machen jedoch noch neugieriger auf die Geschichten dahinter. Die werden indes immer verborgen bleiben. Wie auch die hinter einem großformatigen Bild, auf dem Mickey Maus und Donald Duck zu sehen sind. „Zeitgenössische Kunst“, nennt Oeßling das flapsig - und erzielt immerhin 8 Euro dafür.

Einen kitschigen Duck mit Strandmotiv kann er jedoch nicht einmal für das Mindestgebot von einem Euro verkaufen. Am Ende schenkt er ihn böse lächelnd einem Smartphonekäufer als Dreingabe. Die Querflöte, deren Vergessen seiner Vermutung nach häuslichen Ärger verursachte, entwickelt sich schließlich zum Höhepunkt der Auktion. Sie entfacht ein Bietergefecht und erzielt immerhin 210 Euro, die wie alle Einnahmen zur Deckung der Veranstaltungskosten verwendet werden.

Shirin Hakim ist trotz des beachtlichen Preises sehr zufrieden mit ihrem Instrumentenkauf. Sie ist Orchestermusikerin und schätzt die Wahrscheinlichkeit, ein gutes Geschäft gemacht zu haben, als hoch ein. Der ursprüngliche Besitzer hat den Verlust vermutlich bereits verschmerzt. Dennoch hätte sich für ihn ein Besuch im Fundbüro der Üstra ausgezahlt.

Von Thomas Kaestle

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

In der Rathaus-Krise nimmt die CDU jetzt Oberbürgermeister Stefan Schostok (SPD) ins Visier. „Der Oberbürgermeister hat mit seinem intransparenten Zickzack-Kurs der vergangenen Wochen ohne Not zur Verschärfung der Krise und zur Verunsicherung der Mitarbeiter beigetragen“, sagt CDU-Fraktionschef Jens Seidel.

Andreas Schinkel 11.11.2017

Die Bundespolizei hat am Flughafen Langenhagen gleich mehrere Haftbefehle vollstreckt. Ein Deutscher hatte eine Geldstrafe nicht beglichen. Ein Rumäne muss wegen eines offenen Haftbefehls ins Gefängnis.

08.11.2017

Vor dem Amtsgericht hat sich am Mittwoch ein 34-jähriger Iraker verantworten müssen, der als Schleuser gehandelt haben soll. Mazen A. wird beschuldigt, Männer beauftragt zu haben, seine Schwägerin und seinen Schwager nach Deutschland zu bringen.

08.11.2017