Der Bauherr des Kröpcke-Centers hat nach Informationen der HAZ bei mehreren Firmen Rechnungen in insgesamt deutlich sechsstelliger Höhe nicht bezahlt, neue Aufträge werden nur extrem schleppend vergeben – ähnlich gingen die Probleme am Ihme-Zentrum los. Projektentwickler Holger Wohner von der Düsseldorfer Firma Centrum dementiert Schwierigkeiten: „Unsere Vergabe läuft absolut im Zeitplan, gestellte Rechnungen werden bezahlt.“ Wohner gilt in Hannover als zuverlässiger Geschäftsmann, der dank wohlhabender Partner mit viel Eigenkapital ausgestattet ist und bereits erfolgreich Großprojekte zu Ende gebracht hat wie die Revitalisierung der einstigen Standorte von Brinkmann und Heutelbeck.
Derzeit ist das Kröpcke-Center eine riesige Wunde mitten in der Stadt. Richtung Bahnhof ist der Betonbau aufgeschnitten, der Platz davor von einem großen Bauzaun umstellt – dort haben Arbeiter in der sogenannten Bauphase Null das Passerellenloch geschlossen. Die Arbeit ist beendet – die Rechnungen sind aber noch nicht bezahlt. Dem Vernehmen nach waren die Firmen diesmal vorsichtiger als am Ihme-Zentrum. Als die ersten Rechnungen nicht pünktlich beglichen wurden, habe man sich frühzeitig Bürgschaften ausstellen lassen, bevor die Arbeit fortgesetzt wurde, heißt es in der Branche. Selbst bei ernsthaften Problemen des Bauherren sei die Existenz der Baufirmen nicht gefährdet.
Jetzt aber ist auch die Vergabe der weiteren Großaufträge ins Stocken geraten. Als nächstes ist der Rohbau für die neue Gebäudespitze dran, die fünf Etagen hoch weit bis in den Kröpcke ragen soll. Die Ausschreibung ist längst beendet und nachverhandelt, nur drei Firmen sind noch beteiligt – doch statt einer Firma den Zuschlag zu geben, würden scheibchenweise Kleinarbeiten vergeben, berichtet ein Insider. Aktuell habe wohl eine Brandenburger Firma einen Kleinauftrag erhalten. „So erweckt man den Eindruck, dass es am Bau weitergeht, ohne viel Geld in die Hand nehmen zu müssen“, heißt es in einer Firma. Die Bauleitung bestätigt nur lakonisch, dass „die jetzt anstehenden Rohbauarbeiten vergeben“ seien.
Bekannt ist, dass die Vermarktung des Centers nur schleppend verläuft. Festgezurrt ist offenbar weiterhin nur der Vertrag mit Hauptmieter Peek&Cloppenburg. Für die anderen Ladenflächen im Erdgeschoss soll sich die schon länger laufende Mietersuche sehr schwierig gestalten. Für Tausende Quadratmeter Bürofläche im Turm ist der hannoversche Mietinteressent Deloitte abgesprungen – man baut jetzt lieber das eigene Gebäude um. In der Immobilienbranche munkelt man, dass es dem Investor daher ganz recht ist, wenn ein Anlieger gegen die Erweiterung der Turmetagen klagt. Der Investor würde Millionen sparen für Büroflächen, die keiner braucht – und der Schwarze Peter läge beim Nachbarn.
Aktuell wird die Baugenehmigung geändert, dabei soll es aber nur um veränderte Aufteilungen im Innenraum gehen. Projektentwickler Wohner hält alles Gerede über Probleme auf der Baustelle für „geschäftsschädigende Stimmungsmache“. Eigentlich sollte es in diesen Tagen eine symbolische Grundsteinlegung geben. Die aber ist verschoben, einen neuen Termin gibt es nicht.
Kommentare
Ab wann Boris – 15.01.10
dürfen verfallene Bauruinen eigentlich geplündert werden? Gibt es da einen offiziellen Zeitraum? Mir fällt dazu die Conti in Limmer ein.Oje zyto – 15.01.10
Wenn die Gerüchte stimmen sollten ist das mal wieder eine ganz traurige Sache. Wer hat denn die ganze Sache mit der Finanzierung geprüft bevor der Zuschlag gegeben wurde? Ein Lehrling oder eine Profi? Wenigstens ist so eine Ruine etwas individuelles und hebt sich von der modernen Glas/Stahl-Scheiße in jeder großen Stadt ab. Kann man ja bunt anmalen und fürs Freeclimbing freigeben...Kröpcke Center P.D. – 15.01.10
Bitte lasst mich aus diesem Alptraum erwachen... Ich habe so gehofft, dass es mit dem Kröpcke-Center endlich ein Happy-End nimmt.Diese Centrum GmbH will ja auch schon ewig die "Ernst-August-Markthalle" umbauen --- wann?
@ S.Grabenhorst LJA – 15.01.10
Mir ist ehrlich gesagt werder klar, was an einem Nostalgiekonzept besonders innovativ sein soll, noch wie das an dieser Stelle aussehen könnte. Zur Erinnerung: Die jetztige Masse des Gebäudes wird benötigt, damit die U-Bahnstation auf Dauer nutzbar bleibt. Ansonsten drohen im Untergrund enorme Sicherungsmaßnahmen, mit noch unbekannten Kosten und möglicherweise längerer Stillegung der Strecken.Im übrigen zieht der "geizig" Vorwurf hier nicht. Weder war das Kröpcke-Center bisher ein Billigmarkt noch soll es das nach den bisherigen Plänen einmal werden.
Kröpke-Center S.Grabenhorst – 15.01.10
Der naive Glaube gegenüber jetzigen Äußerungen des Generalunternehmens wird von der Realität schneller einholt werden, als der Wintervom Winter. In welchem Maße ungestraft blind sich unsere Politiker blamieren dürfen, erfahren Sie leider nicht bei der nächsten Wahl, weil es allzu schnell in Vergessenheit gerät. Einer aktuellen Überprüfung der tatsächlichen Gegebenheiten, stehen "volle Hosen" und leere Portemonnaies der Beteiligten gegenüber. Weitere Mieterskepis wird derzeit bestärkt und Ihmezentrum 2 droht. Dem klammen Bauherrn sollte das Objekt "preiswert abgeschwatzt" werden können.Ein hannöversches Nostalgiekonzept basierend auf Fachkompetenz und gemischtem Angebot wie einst bei Brinkmann und den vielen anderen, die leider aufgaben, das hätte innovativ umgesetzt werden können. Schuld ist auch der Konsument. Deppen kaufen halt gern geil-geizig. Und davon gibt es einfach zu viele.
Zum Winterdienst: Salzstreuaktivitäten v o r den ergiebigen Schneefällen um die Jahreswende bezeugen null Sachverstand.
Auf ungeräumten Nebenstraßen fährt es sich am besten.
Für mich als Rad- und Autofahrer/in beweist sich dieses jahr aufs Neue, dass die verantwortlichen Flachlanddeppen sich mal Rat aus dem Allgäu holen dürfen.
Ob alte, bzw. gehbehinderte Menschen mit Rollator, oder die radfahrenden Briefträger und berufstätigen Radler- schreibt hier und direkt an die zuständige Stadtverwaltung.
Kein Split, kein Salz! Schippe und Besen und eine angemessene Bezahlung für zusätzliche Hilfskräfte, koordiniert z.B. vom THW, das wärs.
Kröpke Bornum – 15.01.10
Wir können dann unseren Besuchern sagen,das die Ruine ein Überbleibsel und Mahnmal vom Zweietn Weltkrieg ist.Wie die Gedächniss Kirche in BerlinTouristenmagnet paulchen – 15.01.10
Ich hab da eine Idee für eine neuartige Stadtrundfahrt.Schrott-Tour-Event!
Nach der Fahrt über die zerbröselden Straßen Hannovers, natürlich umweltfreundlich mit Schrittempo,geht es zum Frühstück in den Ruinenbereich des Ihme-Zentrums, das Mittagessen findet dann auf der Aussichtsterasse der Kröpckeruine statt, zum Kaffee geht es, vorbei an dem nächsten Kandidaten Bredero-Hochhaus, zum Expo-Park wo dann auf dem Holland-Pavillion das Abschlusskonzert stattfindet da die Plaza-Bühne leider für die nächsten Jahre unbenutzbar ist.
Was haben wir in Hannover für ein Glück, dass das Rathaus zum einen bezahlt ist und zum anderen gerade nicht saniert werden muss, sonst könnte da dann noch das Abschlussfeuerwerk stattfinden! Ich sag auch nicht wen ich auf die Raketen setze!
Schönes Stadtbild tl – 15.01.10
Klasse, eine Ruine in der Stadtmitte. Hat das irgendeine andere Stadt auf dieser Welt? Schon die Pläne für das neue Kröpcke-Center waren der reinste Hohn. Wie kann man so einen Platz nur so eng machen. Jetzt noch eine schöne Ruine dazu und wir können stolz auf unsere Stadtplaner sein.Finanzblase Granysmith – 15.01.10
Ich gehe ich in diesem Fall davon aus, dass Herrn Wohner und seine Finanziell kräftigen Gesellschafter sich wie üblich in dieser Branche bereichert haben, sämtliche Geldreserven ausgesaugt und sich nun , ich benutze das Wort der Herrn Müntefering, Heuschrecken artig von dannen zu machen. Solche Menschen sind BETRÜGER, keine Blender. Ich hoffe nur das man irgendwann für so ein Verhalten die gerechte Strafe erhält. Ähnlich wie eine Bauruine einem Krebsgeschwür gleicht, wünsche ich diesen Herren den selben an den Hals... eine gerechte Strafe ist von unserem Rechtssystem ja kaum zu erwarten.Seher Ruinenbewohner – 15.01.10
... was ja zu erwarten war.In einem Kommentar, früher, hatte ich dieses Szenario schon einmal voraus gesagt.
Jetzt haben wir noch eine Ruine in Hannover.
@MartinT
sorry da wäre zu schön, aus Erfahrung werden aber nur ca. 2-2,5m hohe Holzplattenzäune aufgestellt und alles andere bleibt wie es ist. Sehr unschön.
??? paulchen – 14.01.10
Das Gerede von Herrn Wohner hört sich nach dem gleichen BlaBlaBla an wie damals bei dem honorigen Herrn Engel vom Ihmezentrum. Mir schwant Böses, so treten diese Typen von Schlage "Jung-dynamisch-erfolgloser-Blender immer auf."Wir haben nichts gewusst..." MartinT – 14.01.10
Wetten, dass sowohl Presse als auch Politiker in den kommenden Wochen wie beim Ihmezentrum wieder gebetsmühlenartig sagen werden: "Das hat uns alle völlig überrascht..."?Leute, wer in den zurückliegenden zehn (!) Monaten mal genau hingesehen hat, dürfte ob der katastrophalen Umsetzung des angepeilten Zeitplans mehrmals eindringlich gewarnt worden sein. Das "Loch", z.B., sollte eigentlich bereits im März 2009 komplett geschlossen werden. Und die Aufzüge, deren Stillegung für August angesetzt war, liefen noch bis in den Dezember hinein. Wer sich in der Baubranche auskennt, weiß sofort, dass da etwas totel quer läuft.
Ich find's aber gut, dass das Loch zu ist und der in den Kröpcke hineinragende Teil des Centers bereits weggebrochen worden ist. Somit werden wir, sobald der Bauschutt von der Stadtreinigung abgetragen worden sein wird, einen ganz tollen, weitläufigen Kröpcke haben. Mit Lebensqualität zum Verweilen. Ich freu' mich drauf!
Mal ein bisschen Panikmache... schrottie – 14.01.10
was ist eigentlich mit dem Asbest in den Gebäuden? Alles was da jetzt abgerissen wird zwischen Kröpcke und Raschplatz wurde doch zur Hochzeit der Asbestverwendung in den 70er Jahren gebaut. Man darf mich hier gerne beruhigen!Hannover paulchen – 14.01.10
Hannover kommt mir vor wie die steilste Achterbahn der Welt und gerade rast der Zug senkrecht nach unten. Vielleicht sollte ein Fachmann sich um die Wirtschaft kümmern. Der jetzige Dezernent Mönninghof beweist inzwischen tagtäglich, dass er völlig ungeeignet ist dieser Stadt eine wirtschaftliche Zukunft zu sichern.Zwei Riesenbauruinen in der Stadt, eine davon im absoluten Zentrum kommen echt gut. Dann noch der Zirkus um das unnötige Vorpreschen bei der Umweltzone, anstatt gemeinsam mit den anderen Städten, zumindest in Niedersachsen, eine gemeinsame Zeitschiene festzulegen. Katastrophale Fehler bei der Schneeräumung. Ein Debakel nach dem Anderen, aber den Ob interessiert das einfach nicht, wie auch er ist ja diesem Typen und seiner Partei ausgeliefert. Vielleicht wäre zum Wohle Hannovers hier auch mal eine "Große Koalition angebracht!!!!
So kann es nicht weiter gehen!!!!
Oh je... Gastautor – 14.01.10
Sollte sich die Lage so gestalten, wie im Artikel beschrieben, können wir wohl froh sein, wenn am Ende wenigstens ein Zwitter aus neuem Geschäftsbereich und unangetastetem Turm auf dem Kröpcke steht. Dieses Szenario möchte ich mir allerdings aus architektonischer Sicht lieber nicht ausmalen.Was ist denn aber mit der Vertragsklausel, dass der Umbau bis 2012 über die Bühne gegenagen sein muss (!) um empfindliche Strafen zu vermeiden?
Daran würde sich dann meine Hoffnung klammern, denn eine Bauruine oder der bereits von mir beschriebene Mix aus Alt und Neu (eine Visualisierung dieses Zustands ist in einer Pressemitteilung auf der Seite des Investors zu sehen) wäre ein Debakel.
Baustop qwe – 14.01.10
und im Sommer 2010 geht es weiter mit dem Umbau.