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Aus der Stadt "Das kann man keinem Unternehmen zumuten"
Hannover Aus der Stadt "Das kann man keinem Unternehmen zumuten"
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00:15 08.07.2016
Von Juliane Kaune
„Das wird ein großes Problem“: Haustechnik-Unternehmer Claas Vesterling. Quelle: Michael Thomas
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Hannover

Sie hatten gedacht, dass sie „das ganze Theater“ endgültig hinter sich haben. Schließlich klebt die grüne Umweltplakette längst bei jedem der 17 Dieselfahrzeuge aus ihrem Fuhrpark hinter der Windschutzscheibe. Doch nun müssen Anette und Manfred Ewe in der Zeitung lesen, dass künftig eine blaue Plakette Vorschrift werden könnte - und dass fast alle der Mercedes Sprinter, mit denen sie und ihre Mitarbeiter zu den Kunden oder den Baustellen unterwegs sind, die entsprechende Abgasnorm nicht erfüllen. „Wenn es da keine Ausnahmegenehmigungen für das Handwerk gibt, können wir dichtmachen“, sagt Manfred Ewe, Chef der Hainhölzer Firma Elektra Kellenter.

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Er und seine Frau erinnern sich nur ungern an den Aufwand vor acht Jahren, als die Stadt die Umweltzone einführte. Seither gilt die grüne Plakette als Einfahrtsbedingung. Damals mussten die Ewes alle ihre Dieselfahrzeuge, die die vorgeschriebenen Werte nicht erreichten, umrüsten lassen oder eine Sondererlaubnis beantragen. „Das war mit viel Lauferei und hohen Kosten verbunden“, sagt Anette Ewe. Sie mag nicht daran denken, dass dem Betrieb nun vermutlich schon wieder das Gleiche bevorsteht. Und schon gar nicht mag sie daran denken, was es bedeuten würde, den Großteil des Firmenfuhrparks auszutauschen. „Das kann man keinem Unternehmen zumuten, man schmeißt die Wagen ja nicht nach ein paar Jahren auf den Müll.“ Allein ein Sprinter, der für die Zwecke des Unternehmens umgebaut werden müsse, schlage mit bis zu 30 000 Euro zu Buche.

"Das kann man keinem Unternehmen zumuten", meint Manfred Ewe.

Bis zu einem Jahrzehnt seien seine Firmenwagen auf der Straße unterwegs, sagt Manfred Ewe. Jahr für Jahr würden zwei bis drei Modelle erneuert. Es sei reiner Zufall gewesen, dass es gerade wieder so weit war: Die beiden jüngsten Käufe genügen daher bereits der neuen Euro-6-Norm. Bei dem Thema überhaupt noch den Überblick zu behalten, sei schwer, meint Ewe. So habe neulich ein Vertreter des Herstellers erklärt, die neue Diesel-Generation werde erst ab Herbst ausgeliefert.

Die Politik sollte sich frühzeitig und langfristig mit der Industrie absprechen, damit von vornherein Autos gebaut werden, die aus Umweltaspekten gewünscht sind, findet Anette Ewe. „Wir können ja schließlich nur die Wagen kaufen, die auf dem Markt sind. Einfach immer von jetzt auf gleich etwas Neues zu beschließen, das geht nicht.“

 „Das wird ein großes Problem“

So sieht es auch Claas Vesterling, Geschäftsführer des Sanitärbetriebs Helmut Vesterling in Kirchrode. „Das wird ein großes Problem“, sagt er. Bisher genügt keiner seiner 17 Transporter der Marke Opel der künftigen Abgasnorm. Ausnahmegenehmigungen für die gesamte Flotte zu beantragen oder diese gemäß der neuen Werte umzurüsten, werde sehr teuer. „Wenn die Kosten steigen, zahlen das letztlich auch unsere Kunden mit“, gibt der Unternehmer zu bedenken. Ob Installateur oder Dachdecker - die allermeisten Handwerksbetriebe führen mit Dieselfahrzeugen, weil diese langlebig seien und vergleichsweise geringe Verbrauchswerte hätten, erklärt Vesterling. Zudem sei nicht erwiesen, inwieweit die Dieselmotoren tatsächlich Schuld an der Schadstoffbelastung der Luft hätten. „Das liegt doch eher an der Masse der Fahrzeuge, die auf den Straßen unterwegs sind. Hier sollten die Politiker sich lieber intelligente Lösungen einfallen lassen.“

Eine Alternative zum Auto gebe es für die Firmen nicht, stellt Kirsten Plenke klar. „Ich kann ja meine Mitarbeiter nicht mit Leiter und Pinsel in die Stadtbahn steigen lassen“, sagt die Geschäftsführerin des Malereibetriebs Helmut Schmidt in Langenhagen-Engelbostel. Bereits bei der Einführung der Umweltzone habe das Unternehmen nahezu seinen kompletten Fuhrpark mit sechs Fahrzeugen ausgetauscht. Wohlweislich habe man seinerzeit für einen guten Teil der neuen Wagen Leasingverträge abgeschlossen. Doch auch die hätten eine Laufzeit von drei Jahren. „Die können wir nicht Knall auf Fall kündigen, weil sich die politischen Spielregeln alle paar Jahre ändern.“

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