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Und wer hilft den Anderen?

Hilfsbereitschaft in Hannover Und wer hilft den Anderen?

Hannover zeigt bei der Flüchtlingshilfe ein großartiges Engagement – sowohl von Privatleuten als auch in Vereinen und Institutionen. Bei all der Unterstützung darf aber nicht vergessen werden, dass es noch viele weitere Bedürftige in der Stadt gibt – meint unser Autor Bernd Haase.

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Quelle: HAZ/Montage

Hannover. Zum Fußball-Bundesligaspiel gegen den VfB Stuttgart hat Hannover 96 mehr als 1000 Flüchtlinge eingeladen. Man wolle zeigen, dass die Menschen in Hannover und bei 96 willkommen sind, getreu der ersten Worte der Vereinshymne: „Niemals allein ...“. Das Motto könnte auch für Obdachlose oder alleinerziehende Hartz-IV-Empfänger gelten. Es ist aber nicht in Erinnerung, dass der Verein schon einmal 1000 von ihnen gratis die Stadiontore geöffnet hätte.

Man sollte so etwas eigentlich nicht laut sagen, während eine Stadt und ihre Einwohner ebenso wie fast das ganze Land sich an Willkommenskultur, Weltoffenheit und sozialer Verantwortung berauschen. In den Rathäusern setzen Verwaltungsbeamte alle Hebel in Bewegung, um Unterkünfte für Asylsuchende zu besorgen. Hannoveraner spenden derart viel für Flüchtlinge, dass die Hilfsorganisationen in einigen Fällen um Zurückhaltung bitten mussten. Es gibt überall Unterstützerkreise, Nachbarschaftstreffs und Sonderaktionen, Hannover 96 ist da bei Weitem nicht allein. Die Hannoveraner können stolz auf das sein, was sie da leisten.

Es grummelt in der Stadt

Trotzdem: Es grummelt in der Stadt - noch nicht heftig, aber schon spürbar. Die Diakonie zum Beispiel hat zaghaft, aber wiederholt darauf hingewiesen, dass es kaum noch möglich ist, Obdachlose in Wohnungen zu bringen. Mitarbeiter des Jobcenters bekommen in Gesprächen mit Hartz-IV-Empfängern die Frage gestellt, warum Flüchtlinge Dinge geschenkt bekommen, für die andere Bedürftige ellenlange Anträge ausfüllen müssen. Bürger registrieren mit Verwunderung, dass im sonst bürokratisch-peniblen Deutschland bei der Asylantenfrage vieles mit einem Mal unkompliziert und schnell geht.

Politiker aus der Regionsversammlung erinnern daran, wie quälend lange es gedauert hat, Sozialtickets etwa für Busse und Bahnen oder den Zoo gegen viele Widerstände durchzusetzen. Man darf das nicht als Sozialneid abtun, denn es birgt Sprengstoff - unter anderem, weil bekannt ist, dass bei Weitem nicht alle Neuankömmlinge Opfer von Verfolgung, Krieg und Terror sind, sondern aus wirtschaftlichen Gründen kommen. Im Rathaus weiß man sehr genau, dass die wohlwollende, bisweilen enthusiastische Stimmung der Bürger in der Flüchtlingsfrage auch kippen kann. Das darf aus mehreren Gründen nicht passieren. Zum einen würden mit Sicherheit diejenigen lauter werden, bei denen die Vokabel Überfremdung noch die harmloseste im Sprachgebrauch ist. Zum anderen müssen die Helfer bei der Stange gehalten werden. Ohne ihre Arbeit könnte Hannover den Flüchtlingsstrom nicht bewältigen.

Stimmung darf nicht kippen

Dabei beginnen die eigentlichen Mühen erst. Die Flüchtlinge zu begrüßen, ihnen Kleidung oder Spielsachen zu schenken oder ihnen Erlebnisse wie einen Stadionbesuch zu verschaffen, ist das eine. Eine Menge von ihnen wird dauerhaft in der Stadt bleiben. Wer bringt ihnen die Sprache bei? Wie bewältigt Hannover den zusätzlichen Andrang auf den Wohnungsmarkt, auf Kitas und auf Schulen? Wann und wo verschafft man ihnen Arbeit? Wie sichert man ihren Lebensunterhalt, ihre Gesundheitsversorgung? Auf alle diese Fragen müssen Antworten gefunden werden vor dem Hintergrund, dass Asylbewerber in vielen Bereichen mit den Bedürftigen konkurrieren, die ohnehin schon in Hannover leben.

In den städtischen Unterkünften leben derzeit 3400 Flüchtlinge. Nur zur Erinnerung: Laut Sozialbericht sind 80.000 Einwohner in der Stadt auf Unterstützung für ihren Lebensunterhalt angewiesen. Jedes vierte Kind ist von Armut bedroht. Es gibt gegen Flüchtlingshilfe überhaupt nichts einzuwenden. Aber bei alldem ist entscheidend, dass auch an die anderen gedacht wird.

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