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Aus dem Pferdestall wird ein Begegnungszentrum

Universität Aus dem Pferdestall wird ein Begegnungszentrum

Eine Großspende über 400.000 Euro ermöglicht den Baustart am neuen Begegnungszentrum der Leibniz-Uni: Der königliche Pferdestall Appelstraße wird zum Vortrags- und Konzertgebäude umgebaut. Insgesamt sind gut 4 Milionen Euro nötig. Altpräsident Erich Barke hat 1,71 Millionen eingeworben.

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Im Takt: Für die HAZ hat der langjährige Uni-Präsident Erich Barke sein Schlagzeug am alten Pferdestall Appelstraße aufgebaut – und trommelt symbolisch für weitere Spenden zugunsten der Restaurierung. „Ich bin wenig musikalisch, aber mit dem Rhythmus klappt es“, verrät er.

Quelle: Katrin Kutter

Hannover. Erich Barke strahlt sein Wir-sind-auf-der Zielgeraden-Lächeln. „Wenn man nur ein bisschen Vorstellungskraft hat, dann ahnt man, welche Qualitäten dieses Gebäude bald bieten wird“, sagt der ehemalige Uni-Präsident. Dieses Gebäude: Im Moment ist es ein etwas abgerockter Backsteinbau zwischen Uni-Instituten in der Nordstadt. Einst war es ein königlicher Pferdestall, innen zieren ihn prächtige Kreuzgewölbedecken und Pferdetränken. Schon bald soll es das Begegnungszentrum der Leibniz-Universität sein. Vorträge, Empfänge, Konzerte soll es hier geben. Vielleicht auch Treffen mit Förderern, die die Universität unterstützen. Dann würde sich der Kreis schließen – denn Förderer helfen jetzt bei der Umnutzung des Gebäudes.

Wem die von Barke zitierte Vorstellungskraft fehlt, der kann sich im Acanto umschauen, ebenfalls ein umgebauter Pferdestall im Norden Hannovers. Heute gilt der zur Eventlocation umfunktionierte Backsteinbau zu den schönsten Feierräumen der Stadt. "Wir brauchen an der Universität einen attraktiven Begegnungsort, den es so bislang nicht gibt – für internationale Gäste, für wissenschaftliche Kongresse, als Konzertraum oder für andere Veranstaltungen“, sagt Barkes Nachfolger, der amtierende Uni-Präsident Prof. Volker Epping.

Es ist schwierig, Absolventen als Förderer zu gewinnen

Seit gut zwei Jahren sammelt der promovierte Elektroingenieur Barke Spenden- und Sponsorengeld. Damals war er noch Uni-Präsident, aber es war klar, dass dieses Projekt ihn länger begleiten würde als seine Präsidialfunktion. Der Bauetat der Hochschule reicht hinten und vorne nicht, und immer standen dringendere Sanierungen im Vordergrund. Also mussten externe Förderer her. Nicht immer ging alles glatt: Eine bereits zugesagte Unterstützung von 300 000 Euro wurde zurückgezogen, als beim potenziellen Geldgeber ein Führungswechsel stattfand. Gestern aber konnte Barke stolz verkünden: 1,71 Millionen Euro sind eingeworben, der Umbau kann beginnen. Im Dezember startet die Sanierung von Fassade und Dach, parallel wird im Ostflügel des Gebäudes ein Vortrags- und Kammermusiksaal für bis zu 150 Personen eingerichtet, darüber soll es Besprechungs- und Schulungsräume geben. Das Geld reicht innen zunächst nur für den Ostteil, später soll im Westteil eine Gastronomie folgen, darüber ein Clubraum, wie man ihn von Unis aus Übersee kennt.

Etliche Unterstützer hat Barke gefunden, auch wenn ihn umtreibt, dass es an einer großen Universität wie Hannover mit über 100-jähriger Geschichte schwierig ist, Absolventen als begeisterte Förderer zu gewinnen. „Für viele scheint die Studienzeit ein abgeschlossener Lebensabschnitt zu sein, es fehlt die emotionale Bindung an die eigene Universität“, bedauert Barke. In Amerika, aber auch in vielen anderen Ländern ist das anders, dort geben Ehemalige ihren Ausbildungsstätten etwas von dem zurück, was sie empfangen haben.

Der Charme des Gebäudes spricht für sich

Um so mehr aber, sagen Barke und Epping, freue sie das Engagement des Unternehmerehepaares Harting. Beide sind Seniorchefs des weltweit aktiven Elektrobauteileunternehmens Harting mit Sitz in Nordrhein-Westfalen – und haben sich zu einer Großspende über 400.000 Euro entschieden, die den Umbaustart ermöglicht. Dietmar Harting hat an der damaligen Technischen Hochschule Hannover studiert, und er betont: „Unser Unternehmen ist seit 1947 – dem ersten Jahr der Hannover-Messe – ohne Unterbrechung mit dem Standort Hannover und dem Land Niedersachsen eng verbunden.“ Als ehemaligen Studentem liege ihm „die Entwicklung dieser Universität noch immer sehr am Herzen“.

Tatsächlich sei die finale Entscheidung der Hartings nach einer Besichtigung gefallen, verrät Barke. Seine Interpretation: „Wenn ich die Chance habe, potenziellen Spendern den Pferdstall zu zeigen, dann spricht der Charme des Gebäudes für sich.“ Margrit Harting berichtet von einem anderen Grund für ihre Spendenbereitschaft: „Die Begeisterung, mit der Professor Barke das Bauprojekt zielgerichtet verfolgt, hat auch mich angesteckt“, sagt sie, räumt aber ein, es sei „äußerst spannend, historische Gebäude mit neuen Inhalten wiederzubeleben“. 1888 als Pferdestall des Königs-Ulanen-Regiments errichtet (den König hatten die Preußen da längst ins Exil geschickt), dient der Stall am Parkplatz Schneiderberg/Appelstraße heute Anlagenbauern und Studentengruppen.

Lichtbänder ähnlich wie im Acanto

Das Baumanagement der Universität hat jetzt die Fassade von einer Restauratorin untersuchen lassen und viele Schäden festgestellt. Steine müssen ausgetauscht, das Mauerwerk verfugt, Schadstellen ausgebessert werden. Auch das Dach muss komplett erneuert werden. Klobige Fensterkonstruktionen sind dort in die Schräge eingebaut. Mit dem Denkmalschutz hat man sich jetzt darauf geeinigt, ähnlich wie beim Acanto Lichtbänder in den Giebel einzuziehen. Aus den Gewölberäumen im Ostflügel ziehen die Anlagenbauer in Kürze aus, dann entstehen dort ein großzügiges Foyer und ein Kammermusiksaal. Auch die Präsidentin der Musikhochschule, Prof. Susanne Rode-Breymann, hat schon Interesse an einer Nutzung angemeldet, ihr fehlen Konzerträume. „Wenn verschiedene Hochschuleinrichtungen den Bau nutzen, ist das optimal“, sagt Barke.

Die Gesamtkosten des Umbaus werden derzeit mit 4,9 Millionen Euro beziffert. Davon trägt die Uni aus ihrem Bauetat 2,3 Millionen Euro werden aus den Spenden bezahlt, die Barke zusammen mit Projektkoordinatorin Stefanie Beier eingeworben hat. Für den finalen Bauabschnitt im Ostflügel, der rund 1,41 Millionen Euro kosten soll, fehlten noch knapp 0,9 Millionen Euro, sagt Barke. Die Räume werden vermutlich erst 2019 frei – bis dahin will er noch viele weitere Förderer finden.

Viele Spender

400.000 Euro hat das Ehepaar Margrit und Dietmar Harting beigesteuert. Die Seniorchefs der Technikteilefabrik Harting in Espelkamp bei Minden/Westfalen sind begeistert von dem Projekt – Dietmar Harting hat in Hannover studiert und sieht seinen Beitrag daher auch als Unterstützung eines Ehemaligen. Weitere Spenden kommen unter anderem von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz, der Klosterkammer, der Versicherung Talanx, von Exxon-Mobil Production, vom Anlagenbauer Lenze, von Enercity, von Prof. Ursula Hansen, die an der Leibniz-Uni gelehrt hat, von der Privatbrauerei Herrenhausen, der Bingo-Umweltstiftung, von Sennheiser Electronic aus der Wedemark, vom Möbelhersteller Wilkhahn Wilkening + Hahne und vom Viscom-Vorstand Volker Pape. Daneben sind auch viele kleine Spenden eingegangen – etwa vom Uni-Chor, der mit zwei Konzerten 3000 Euro einspielte.

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