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Jetzt schlägt die Stunde der Krisengewinnler

Unterbringung von Flüchtlingen Jetzt schlägt die Stunde der Krisengewinnler

Städte und Gemeinden in der Region suchen intensiv nach Gebäuden zur Unterbringung von Flüchtlingen. Da wird man sogar einen sonst unverkäuflichen Deutschen Pavillon los. Gute Zeiten für Zocker,  meint Conrad von Meding.

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Im deutschen Pavillon sollen künftig Flüchtlinge untergebracht werden.

Quelle: Katrin Kutter

Hannover. Haben Sie ein Gebäude, für das Sie seit Jahren keinen Käufer finden? Dann bieten Sie es doch der Stadt oder dem Land zur Unterbringung von Flüchtlingen an. Oder am besten gleich beiden. Sollen die sich doch überbieten. Es zahlt ja der Steuerzahler. Sogar dann, wenn es um den Deutschen Expo-Pavillon geht, den derselbe Steuerzahler während der Weltausstellung weitgehend schon einmal bezahlt hat und es jetzt final tut.

Die Flüchtlingskrise hat ihre zynischen Seiten. Es scheint, als schlage tatsächlich die Stunde der Krisengewinnler. Verwaltungsmitarbeiter berichten von Wuchermietverträgen, die ihnen für Flüchtlinge untergeschoben werden. Hauseigentümer wittern ihre Chance, der Landeshaupstadt sogar baufällige Gebäude zu Höchstpreisen zum Kauf anzubieten - man kann es ja mal versuchen. Die Verwaltung ist in Not: Wenn sie auf lange Sicht Sporthallen mit Flüchtlingen belegt, wird das Grummeln in der Bevölkerung irgendwann wachsen. Also müssen Alternativen her - kurzfristig und bevor der Winter kommt. In Hamburg haben kürzlich 500 Flüchtlinge unter freiem Himmel schlafen müssen, weil nicht einmal mehr genug Zelte vorhanden waren. Es ist gut, dass Hannover solche Zustände bislang vermeiden kann. Doch das geschieht zu einem immer höheren Preis.

In der Innenstadt hat Hannover bereits das Hotel in der Lammstraße gekauft, jetzt kommt mit dem GHotel in Kleefeld ein Großgebäude hinzu. Ratspolitiker berichten, dass der Kaufpreis 20 Millionen Euro betragen soll. Immerhin: Hotels kann man in einer Messe- und Kongressstadt vielleicht wieder verkaufen. Aber was wollen wir langfristig mit dem Deutschen Pavillon?

Aus gutem Grund hat die Stadt die Stadionsporthalle (heute: Swiss-Life-Hall) und das Theater am Aegi privatisiert. Kommunen brauchen sich heute nicht mehr selbst um das Veranstaltungsgeschäft zu kümmern, Private können das mindestens genauso gut. Mit dem Deutschen Pavillon hat die Stadt nun überraschend doch wieder ein großes Eventzentrum übernommen. Und noch dazu eines, das viele Probleme bescheren wird.

Der Eigentümer witterte seine Chance

Fürs Erste lassen sich Flüchtlinge im Deutschen Pavillon ebenso gut einquartieren wie in einer Messehalle: Es ist ein Provisorium, aber es entlastet die angespannte Situation. Auf lange Sicht aber ist eine in die Jahre gekommene Glashalle kein geeigneter Schlafplatz, das unterscheidet den Pavillon von Hotels. Und so wird unweigerlich die Frage der Nachnutzung auf Hannover zurollen. Einschließlich Kaufnebenkosten wird die Stadt 5,7 Millionen Euro für das Veranstaltungszentrum bezahlen - doch wer es als solches nutzen will, muss zunächst Millionen investieren, um Brandschutzauflagen zu erfüllen. Nicht ohne Grund hat der Friedrichshafener Eigentümer Josef Wund, der schon lange einen Käufer sucht, zu diesem Preis niemanden gefunden. Da musste erst die Flüchtlingswelle kommen und die Stadt in eine Notlage versetzen. Sie hätte lieber gemietet - doch der Eigentümer witterte seine Chance. Nicht einmal im Kaufpreis musste er mit sich handeln lassen. Das ist eine ungewöhnliche Konstellation am Immobilienmarkt.

Eigentum verpflichtet, heißt es im Grundgesetz. Natürlich muss niemand seine Immobilien der Stadt zum Schleuderpreis anbieten. Aus der Krise den größtmöglichen Gewinn zu ziehen aber ist unanständig. Und Anstand ist das mindeste, was die Stadt in einer angespannten Situation wie der jetzigen von ihren Bürgern erwarten darf.

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