Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Aus der Stadt Jetzt schlägt die Stunde der Krisengewinnler
Hannover Aus der Stadt Jetzt schlägt die Stunde der Krisengewinnler
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
20:18 09.10.2015
Von Conrad von Meding
Im deutschen Pavillon sollen künftig Flüchtlinge untergebracht werden. Quelle: Katrin Kutter
Hannover

Haben Sie ein Gebäude, für das Sie seit Jahren keinen Käufer finden? Dann bieten Sie es doch der Stadt oder dem Land zur Unterbringung von Flüchtlingen an. Oder am besten gleich beiden. Sollen die sich doch überbieten. Es zahlt ja der Steuerzahler. Sogar dann, wenn es um den Deutschen Expo-Pavillon geht, den derselbe Steuerzahler während der Weltausstellung weitgehend schon einmal bezahlt hat und es jetzt final tut.

Die Flüchtlingskrise hat ihre zynischen Seiten. Es scheint, als schlage tatsächlich die Stunde der Krisengewinnler. Verwaltungsmitarbeiter berichten von Wuchermietverträgen, die ihnen für Flüchtlinge untergeschoben werden. Hauseigentümer wittern ihre Chance, der Landeshaupstadt sogar baufällige Gebäude zu Höchstpreisen zum Kauf anzubieten - man kann es ja mal versuchen. Die Verwaltung ist in Not: Wenn sie auf lange Sicht Sporthallen mit Flüchtlingen belegt, wird das Grummeln in der Bevölkerung irgendwann wachsen. Also müssen Alternativen her - kurzfristig und bevor der Winter kommt. In Hamburg haben kürzlich 500 Flüchtlinge unter freiem Himmel schlafen müssen, weil nicht einmal mehr genug Zelte vorhanden waren. Es ist gut, dass Hannover solche Zustände bislang vermeiden kann. Doch das geschieht zu einem immer höheren Preis.

In der Innenstadt hat Hannover bereits das Hotel in der Lammstraße gekauft, jetzt kommt mit dem GHotel in Kleefeld ein Großgebäude hinzu. Ratspolitiker berichten, dass der Kaufpreis 20 Millionen Euro betragen soll. Immerhin: Hotels kann man in einer Messe- und Kongressstadt vielleicht wieder verkaufen. Aber was wollen wir langfristig mit dem Deutschen Pavillon?

Aus gutem Grund hat die Stadt die Stadionsporthalle (heute: Swiss-Life-Hall) und das Theater am Aegi privatisiert. Kommunen brauchen sich heute nicht mehr selbst um das Veranstaltungsgeschäft zu kümmern, Private können das mindestens genauso gut. Mit dem Deutschen Pavillon hat die Stadt nun überraschend doch wieder ein großes Eventzentrum übernommen. Und noch dazu eines, das viele Probleme bescheren wird.

Der Eigentümer witterte seine Chance

Fürs Erste lassen sich Flüchtlinge im Deutschen Pavillon ebenso gut einquartieren wie in einer Messehalle: Es ist ein Provisorium, aber es entlastet die angespannte Situation. Auf lange Sicht aber ist eine in die Jahre gekommene Glashalle kein geeigneter Schlafplatz, das unterscheidet den Pavillon von Hotels. Und so wird unweigerlich die Frage der Nachnutzung auf Hannover zurollen. Einschließlich Kaufnebenkosten wird die Stadt 5,7 Millionen Euro für das Veranstaltungszentrum bezahlen - doch wer es als solches nutzen will, muss zunächst Millionen investieren, um Brandschutzauflagen zu erfüllen. Nicht ohne Grund hat der Friedrichshafener Eigentümer Josef Wund, der schon lange einen Käufer sucht, zu diesem Preis niemanden gefunden. Da musste erst die Flüchtlingswelle kommen und die Stadt in eine Notlage versetzen. Sie hätte lieber gemietet - doch der Eigentümer witterte seine Chance. Nicht einmal im Kaufpreis musste er mit sich handeln lassen. Das ist eine ungewöhnliche Konstellation am Immobilienmarkt.

Eigentum verpflichtet, heißt es im Grundgesetz. Natürlich muss niemand seine Immobilien der Stadt zum Schleuderpreis anbieten. Aus der Krise den größtmöglichen Gewinn zu ziehen aber ist unanständig. Und Anstand ist das mindeste, was die Stadt in einer angespannten Situation wie der jetzigen von ihren Bürgern erwarten darf.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Auf der Suche nach weiteren Unterkünften für Flüchtlingen ist die Stadt Hannover in Bemerode fündig geworden. Nach Informationen der HAZ kauft die Verwaltung ein großes Einfamilienhaus für 1,6 Millionen Euro, dort sollen aber nur 16 Flüchtlinge einquartiert werden.

Andreas Schinkel 09.10.2015

Der Zoo Hannover steckt in finanziellen Schwierigkeiten. Grund ist ein massiver Einbruch bei den Besucherzahlen. Nach Informationen der HAZ wird intern mit einem Defizit zwischen 1,3 und drei Millionen Euro bis zum Jahresende gerechnet. Die Geschäftsführung sucht nach Sparmöglichkeiten – höhere Eintrittspreise nicht ausgeschlossen.

Mathias Klein 13.10.2015

Die Schilderungen der Seniorinnen im Gerichtssaal sind herzzerreißend. Sie sind Betrügern auf den Leim gegangen, die sich am Telefon als Polizeibeamte ausgaben. Einige der betagten Opfer aus der Region Hannover - die älteste Frau ist 97 Jahre alt - haben der Bande all ihre Ersparnisse ausgehändigt. Und Schmuck.

Michael Zgoll 12.10.2015