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Aus der Stadt Pelikan ist zurück in der List
Hannover Aus der Stadt Pelikan ist zurück in der List
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00:16 19.09.2016
Von Conrad von Meding
Hara Neugebauer und Ernst-Michael Kalwa waren gestern die ersten Liebhaber der Füllermarke, die zum Treffen in dem alten Festsaal erschienen. Quelle: Eberstein
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Hannover

Wenn man solche Wurzeln hat wie dieses Unternehmen, dann kehrt man gerne zu seinen Ursprüngen zurück“, sagt Pelikan-Vorstand Frauke Wandrey. Das 1838 gegründete Traditionsunternehmen, eine der ältesten noch existenten Firmen der Stadt und vor Jahren in einem multinationalen Firmengeflecht aufgegangen, zieht wieder an seinen historischen Standort an der Podbielskistraße. Zwar nicht mit der Verwaltung, die in der nahen Werftstraße am Kanal bleibt, nicht mit der Produktion, die in Peine-Vöhrum arbeitet - aber mit dem Teil, der die Kundschaft und die Sammlerherzen wohl am meisten berührt: Ein moderner Showroom und das große Firmenarchiv ziehen an die Podbi, dazu wird der alte Festsaal wieder für Veranstaltungen genutzt. Am Freitagabend war Auftakt mit einem Sammlertreff.

Die Entwicklung des Pelikan-Viertels

Vor 110 Jahren zog der heutige Schreibwarenhersteller Pelikan in den Stammsitz an der Podbielskistraße mit den markanten Turmdächern. 1832 als Farben- und Tintenfabrik vom Chemiker Carl Hornemann (1811–1896) in Groß Munzel gegründet, ab 1871 von Günther Wagner (1842–1930) geführt, wurde das Unternehmen ab 1895 von dessen Schwiegersohn Fritz Beindorff (1860–1944) zu voller Blüte entwickelt. Wagner hatte das Wappentier seiner Familie, den Pelikan, zum Firmensymbol stilisiert, die Zahl der Küken allerdings variierte später.

Nach Pleiten wurde Pelikan zerschlagen. 1996 übernahm der malaysische Investor Loo Hooi Keat die Mehrheit. Er brachte 2014 Herlitz und andere Firmen in die neue Pelikan AG ein, deren Sitz offiziell Berlin ist. Die Vertriebsgesellschaft in Hannover (110 Mitarbeiter) mit der Produktion in Vöhrum (230 Mitarbeiter) ist die weltweit größte Tochter.

Im Pelikan-Viertel sind etwa das Hotel Sheraton-Pelikan, Büros, Werbeagenturen, Studios, Praxen und Kanzleien ansässig – und jetzt auch wieder Pelikan.

„Eindrucksvoll“, staunte Pelikan-Liebhaber Ernst-Michael Kalwa, der extra für das Treffen aus Osnabrück angereist war. Ebenso wie die hannoversche Füllersammlerin Hara Neugebauer hatte er etliche Liebhaber- und Gebrauchsstücke dabei. „Großartig, zusammen mit anderen fachsimpeln zu können und deren Sammlerstücke in die Hand nehmen zu können“, sagt die 28-jährige Neugebauer. Dass das erstmals in dem Saal geht, in dem der alte Pelikan-Patriarch Fritz Beindorff vom Ledersessel auf die Besucher hinabblickte - „schon beeindruckend“, sagt Kalwa.

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Das ist er: der Pelikansaal im Pelikan-Altbau an der Podbi.

Seit zwei Jahren organisiert Pelikan solche Liebhabertreffen rund um den Globus, von Singapur bis Mexiko, von Hamburg bis Afrika, stets am gleichen Datum, nur mit versetzten Uhrzeiten. „Pelikan-Hubs“ nennen sie diese Netzwerktreffen. Mehr als 2600 Sammler hatten sich diesmal angemeldet, verteilt auf 109 Standorte. Erstmals war jetzt auch ein Treffen im alten Pelikan-Festsaal möglich.

Saal ist Kleinod hannoverscher Architekturgeschichte

Der Saal gilt als eines der Kleinode der Architekturgeschichte Hannovers aus dem vergangenen Jahrhundert. Der Pelikan-Chef und Kunstliebhaber Beindorff ließ ihn bei der Erweiterung des Pelikan-Stammsitzes 1913 fast kathedralenartig einrichten. Er beauftragte den Bildhauer Ludwig Vierthaler, Türeinfassungen aus kunstvoll zinnglasierten Keramiken zu schaffen, sogenannten Majoliken, die in vielen Details Bezug auf den Pelikan nehmen. Vierthaler entwarf auch Jugendstil-Schnitzwerke für Türen und Balustraden. Der Bildhauer und Glaskünstler Adolf Richard Hölzel, den Beindorff 1918 bei einer Ausstellung der Kestnergesellschaft kennenlernte und dessen komplettes Werk er aufkaufte, kreierte 1932 die Buntglasmosaikfenster für die Stirnseite des Saals, die nach Kriegszerstörung 1963 originalgetreu wiederhergestellt wurden.

Zu hohe Miete

2003 war Pelikan nach langen Verhandlungen mit dem damaligen Vermieter aus dem angestammten Quartier ausgezogen. „Die dachten damals, dass Pelikan niemals den Ort verlässt und deshalb jede Mieterhöhung schluckt“, erinnert sich Wandrey. Seitdem sitzt die Firma in einem Neubau am Mittellandkanal. Der große Saal wurde unter anderem als Proberaum für das hannoversche Opernorchester genutzt. Jetzt aber ergab sich die Chance, an den angestammten Sitz zurückzukehren - und Pelikan hat zugeschlagen.

Bald gibt es einen Showroom

„Diese Räume atmen Geschichte“, sagt Pelikan-Justiziar Detmar Schäfer. Doch es soll auch um die Zukunft gehen. Eine regelrechte Pelikan-Welt wolle man schaffen, sagt Vorstand Wandrey. Vorbild ist zum Teil das Kaufhaus des Westens (KaDeWe) in Berlin. Dort belegt Pelikan exklusive Ausstellungsflächen neben Montblanc, Caran d’Ache und Faber Castell, in Vitrinen können Edelfüllfederhalter bewundert werden, die vierstellige Euro-Summen kosten. Genau diese Installation werde man in Hannover nachbauen, verspricht Wandrey, zugleich aber auch einen Showroom zum Anfassen, Ausprobieren und Erleben schaffen. Eltern sollen mit ihren Kindern Füller ausprobieren können, sich an Tuschkästen versuchen oder Bleistifte zum Ausmalen testen. Insgesamt 657 Quadratmeter wird die Pelikan-Welt umfassen - nach einem Umbau Anfang 2017 kann es losgehen.

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