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Unternehmen in Hannover richten sich auf demografischen Wandel ein

Personalplanung Unternehmen in Hannover richten sich auf demografischen Wandel ein

Die ersten Firmen in Hannover bereiten sich auf eine alternde Bevölkerung vor - mit Angeboten für Eltern, ältere Mitarbeiter und Nachswuchswerbung. Die Region begrüßt diese Modelle.

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Die Firma Ricoh setzt auf Nachwuchsförderung. Der 17-Jährige Raphael Gaus ist einer der Azubis im Unternehmen.

Quelle: Christian Behrens

Hannover. Die kurz vor den Sommerferien noch hohe Zahl an offenen Ausbildungsplätzen scheint einen Trend einzuläuten: In Zukunft wird es für Unternehmen immer schwieriger werden, gute Mitarbeiter zu gewinnen. Firmen, die vorausschauend planen, richten sich längst auf den zu erwartenden demografischen Wandel ein. „Die Zahl der Menschen zwischen 20 und 65 Jahren wird abnehmen. Besonders für kleinere Betriebe bedeutet das eine enorme Herausforderung“, sagt der Wirtschafts- und Schuldezernent der Region, Ulf-Birger Franz. Die Region hat deshalb gestern einige Firmen vorgestellt, die für andere Unternehmen als Beispiel dienen könnten.

Kurzfristig scheint die Lage noch entspannt. Franz geht davon aus, dass die Bevölkerungszahlen in der Region in den nächsten 15 Jahren stabil bleiben, vielleicht sogar wachsen. Doch 15 Jahre sind schnell vergangen. Die VGH Versicherungen setzen deshalb zum Beispiel bereits auf altersgemischte Teams. „Wir wollen den Mitarbeitern das abfordern, was sie auch können“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte des Unternehmens, Birgit Marz-Quade. Vor Kurzem bekam die Versicherung eine neue Telefonanlage, ihr Datenverarbeitungssystem wechselt sie mit einer gewissen Regelmäßigkeit, um neuen Anforderungen gerecht zu werden. „Es gibt jedes Mal einen Aufschrei unter den Mitarbeitern, die das vertraute System behalten wollen und dem neuen skeptisch gegenüberstehen.“ Da kommen die altersgemischte Teams ins Spiel. „Die jüngeren Kollegen gehen frischer und offener an Neues heran. Und so können wir alle Kollegen in einer Gruppe einbeziehen“, erläutert Marz-Quade.

Die VGH sieht sich selbst als ein „alterndes Unternehmen“. Das Durchschnittsalter der Mitarbeiter liegt bei 43 bis 44 Jahren. In den nächsten zehn Jahren werden rund 300 Mitarbeiter in Ruhestand gehen. „Da geht viel Wissen verloren, wenn wir nichts tun“, sagt Marz-Quade. Deshalb analysiert die VGH bereits jetzt, wo sich Lücken auftun werden, und wie Nachfolger gefunden und gefördert werden können. Dieses Jahr nutzte die Versicherung noch die Chance des doppelten Abiturjahrgangs und stellt zum August 140 Auszubildende ein.

Doch Neueinstellungen werden in Zukunft wohl nicht mehr reichen. „Das größte Potenzial an ausgebildeten Fachkräften sind Frauen in der Familienphase“, sagt Wirtschaftsdezernent Franz. Die VGH bietet Eltern deshalb verschiedene Teilzeit-Modelle. Seit drei Jahren soll eine Firmenkrippe den frühen Wiedereinstieg nach der Elternzeit erleichtern. „Seit vergangenem Jahr haben wir die ersten beiden Führungskräfte in Teilzeit. Und es läuft gut“, betont die Gleichstellungsbeauftragte.

Auch die Sparda-Bank setzt darauf, Frauen in der Familienphase im Betrieb zu halten. „Bei uns arbeiten sehr viele Mütter. Fast jede hat ein eigenes maßgeschneidertes Teilzeitprogramm“, berichtet Petra Hinz aus dem Bereich Personal. Teilzeitarbeit gibt es in der Bank auch für Führungskräfte, die aus gesundheitlichen Gründen kürzer treten müssen. Und die Sparda-Bank hat noch ein anderes Thema im Visier: Ältere Mitarbeiter geraten häufig irgendwann in die Lage, dass sie Eltern oder Ehepartner pflegen.

Teilzeit und altersgemischtes Teams gehören zum Konzept

„Es ist ganz wichtig, Führungskräfte darauf vorzubereiten, damit die Mitarbeiter Vertrauen fassen und darüber sprechen, wenn sie wieder mal früher gehen müssen“, sagt Petra Hinz. Auch Birgit Marz-Quade hat festgestellt, dass pflegebedürftige Angehörige oft ein Tabuthema sind. „Man redet nicht drüber, während Betriebskitas den Firmenbericht schmücken.“ Die VGH bietet mit der Üstra Mitarbeitern als Einstieg deshalb Infoveranstaltungen zur Pflege.
Bei Ricoh Deutschland gehören Teilzeit für Eltern, altersgemischte Teams und regelmäßige Schulungen für alle Mitarbeiter zum Konzept, mit dem auf den demografischen Wandel reagiert wird. „Unsere Berufsfelder verlangen den Mitarbeitern einiges ab. Deshalb ist eine zentrale Frage, wie wir gute Azubis gewinnen“, sagt Personalchef Ralf Waibel. Dafür nutzt die Firma alle Möglichkeiten, bietet Infotage und vieles mehr.

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